Das Ego und die Erinnerung

27. April 2020 at 04:23

Ich hatte mal wieder kurz in ein Video von Roxie1 reingezappt, da ging es um Erinnerungen (memories).2 Sehr interessant, denn hier sagt die gechannelte Entität, Erinnerungen seien ausschließlich Produkte unserer Ego-Struktur. Denn das Ego könne mit dem Hier+Jetzt-Zustand nichts anfangen; weil der Hier+Jetzt-Zustand noch keine „Geschichte“, noch keine Bewertung beinhalte. Der Hier+Jetzt-Zustand wäre sozusagen das „große Unbekannte“, vor dem das Ego sich ja generell fürchtet. Das Ego möchte alles kontrollieren können. Doch eine Situation, die gerade eben entsteht oder ausagiert wird, mit allen unbekannten Prämissen, macht dem Ego Angst.

Dies ist ein Teilaspekt davon, wie wir die Ego-Struktur stärken: indem wir alles interpretieren und indem wir uns durch all diese Interpretationen eine Identität und folglich unsere eigene Geschichte erschaffen. Doch diese künstlich erzeugte Struktur lebt niemals im Hier+Jetzt, sondern definiert sich stets im Rückblick über unsere Gedanken. Dies ist mit ein Grund dafür, der verhindert, daß wir je das Hier+Jetzt erleben, denn wir sind quasi zu hundert Prozent in unseren Gedanken- und Bewertungsstrukturen unterwegs.

Dies bedeutet wiederum, daß wir, weil wir erst durch unsere Gedanken die Welt interpretieren, uns immer in der Vergangenheit aufhalten; oder wahlweise aus diesem Interpretationskonglomerat ein paar Ideen in die Zukunft projizieren – hin zu etwas, das überhaupt noch nicht stattgefunden hat. Und eben weil unsere Gedanken alles interpretieren, sind sowohl unsere Vergangenheit als auch unsere sogenannte Zukunft vom Ego aufgebaute Strukturen, die das Lineare, die Kontinuität zementieren.

Es stimmt, wir sind sogut wie nie im Hier+Jetzt. Ein Aspekt, um das Hier+Jetzt zu empfinden ist nämlich unter anderem auch, das Kopfdenken einzustellen. Im Hier+Jetzt herrscht innere Stille, die genau hierdurch hervorgerufen wird. Dadurch, daß wir permanent in unseren Gedanken unterwegs sind, erzeugen wir ein Gefühl von Kontinuität, eine Illusion, als würde eines aus dem anderen hervorgehen. Das stimmt aber nicht, denn das Empfinden von Kontinuität wird lediglich durch unsere Interpretationen erzeugt sowie unserem Identitätsgefühl, das vom Ego mit ungeheuerlicher Wichtigkeit aufgeblasen ist.

Was bedeutet dies für unsere Erinnerungen? Es bedeutet, daß ich je nach momentaner Befindlichkeit vergangene Situationen komplett anders interpretieren kann.3 Ich könnte mir in meiner Erinnerung quasi eine gänzlich andere Persönlichkeit zulegen. Ich meine, sie wäre dann zwar immer noch eine im Dualen verhaftete Illusion, aber falls ich eine solche Transformation beabsichtigte, wäre dies eine gute Übung, den Mechanismen unserer Ego-Struktur auf die Schliche zu kommen. Doch üblicherweise funktioniert das nicht so. Üblicherweise passen wir automatisch unsere Erinnerungen an unsere jeweilige Lebenssituation an. Wir erzählen uns eine Geschichte X oder Y, ohne es überhaupt zu bemerken. Deshalb können wir auch in unseren Gedanken (und also Erinnerungen) nicht bemerken, wenn wir uns tatsächlich entwickelt haben – denn dies bleibt alles stets eine Interpretation.

Auch an diesem – vielleicht eher schwierig nachzuvollziehenden – Mechanismus können wir deutlich erkennen, wie notwendig es ist, vom rationalen und dualen Denken abzulassen und mehr und mehr in unser Jetzt-Empfinden zu gelangen, wenn wir wirklich aufwachen wollen. Denn das direkte sensitive Spüren ist verbunden mit unserem Körper – des einzigen Aspektes von uns, der sich stets im Hier+Jetzt aufhält. Ich meine hier nicht Empfindungen, die von Gedanken an bestimmte Vorstellungen oder Situationen ausgelöst werden, sondern das Empfinden derjenigen Sinneseindrücke, die gerade jetzt stattfinden: das Spüren des Stuhls, auf dem ich sitze, das Hören der Geräusche, die mich erreichen, die Düfte, die ich rieche. Das ist zumindest ein Teil des Jetzt.

(Spax  27.4.20)

Siehe hierzu auch den Beitrag Atempause der Zeit  (15.4.20).

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Fußnoten

  1. Roxie ist ein Open Channel und channelt verschiedene Wesenheiten.
  2. Odyssey of Ascension: Diving into Memory: Part 1  (25.4.20)
  3. Siehe hierzu auch den Beitrag Atempause der Zeit  (15.4.20).