Krieger

17. Januar 2025 at 00:42

1Wie schaffen es all die spirituellen LehrerInnen und SchülerInnen, nicht wieder vom Einheitspfad abzuweichen? Sie nennen sich oft „Krieger“. Gemeint ist der Krieg, den man permanent in seinem eigenen Denken austrägt.

Relevant ist hierbei, die neue Erfahrungswelt des Aufgewachtseins nicht in ein neues Gedankenkonstrukt zu pressen, sondern in einer neutralen inneren Haltung zu bleiben; nicht lediglich als Beobachter meiner eigenen Handlungen und dem Gang der Welt, sondern unhinterfragt im Impuls-gesteuerten Handeln zu bleiben.

Ein Glaubenssatz, der hierbei total hinderlich ist, geht direkt aus dem Einheits-Empfinden hervor und besagt: Alle Dinge – d.h. alles, was existiert sowie alle Handlungen – sind im Kern gleichberechtigt. Denn alles, was existiert entstammt der Energie von Allem-was-Ist. Hieraus habe ich dann gefolgert, daß es im Kern nicht wesentlich oder wichtig ist, in welche Richtung ich oder irgendein anderer sich bewegt oder handelt. Zeitgleich bin ich jedoch mit all meinen neuen Erkenntnissen aus dem Einheitszustand verbunden, was ideologisch dann zum Beispiel zu all diesen „spirituellen Glaubenssätzen“ führen kann. An der Oberfläche habe ich dadurch durchaus ein neues gedankliches Konstrukt geschaffen, nach dem ich mich ausrichte, wobei es aber im Kern hierfür genau genommen gar keine Grundlage mehr gibt. Das Leben ist kein gedankliches Konstrukt bzw. eine Identität, die wir uns durch unsere Gedanken und Annahmen erschaffen, sondern das Leben ist das spontane Handeln direkt aus dem eigenen inneren Kern heraus – jene Handlungs-Impulse, die wir manchmal „Intuition“ nennen. Wenn ich aber aus meiner neuen Erfahrung wiederum ein neues Gedanken- bzw. Glaubensgebäude errichtet habe, bin ich genausowenig mit meinen inneren Impulsen oder meinem Kern verbunden, als hätte ich die Einheitserfahrung garnicht gemacht.

Ein Krieger hingegen ringt ständig darum, sich nicht von seinen – neuen oder alten – Gedanken oder Erkenntnissen leiten zu lassen, sondern arbeitet unaufhörlich daran, in seiner inneren Verbindung zu bleiben. Er wertet und hinterfragt seine Impulse nicht, sondern folgt ihnen bedingungslos. Er bastelt aus seinen Erfahrungen kein neues Identitätskonzept! Denn wenn ich mich wieder identifiziere mit neuen Glaubenssätzen, hänge ich mich hiermit doch wieder nur an neue Gedankenkonstrukte und rechne mich Personengruppen zu, die scheinbar „auf meiner neuen Welle“ sind. Und schon bin ich gefangen in einem neuen Gedankenkonzept, ohne es zu merken. Glaubenssätze beschreiben stets eine Ideologie und füttern eine Identität, die ich mir mit ihnen aufgebaut habe. Es handelt sich um all jene Ideen und Ansichten, die ich für wahr und richtig halte und muß sie daher verteidigen (meine Identität, meine Glaubenssätze).

Zwar verteidigt jemand, der die Dualität durchdrungen hat nach Außen hin seine Ansichten nicht, denn er weiß ja, daß alle Blickwinkel gleichberechtigt sind, aber er hat aufgrund seiner neuen Glaubenssätze Schwierigkeiten ins Handeln zu kommen, wenn er sich von seiner „inneren Egalität“ leiten läßt. Dann bleibt er auf seinem Beobachtungsposten sitzen, der durch die neue Perspektive ermöglicht wird. Hierdurch merkt er noch weniger, daß er seine Anbindung ans Leben längst verloren hat.

Unser Body, unser Körper ist derjenige Teil von uns, der sich immer bedingungslos im Hier+Jetzt aufhält. Unser Körper ist unsere handelnde Einheit, nicht unsere Gedanken. Sind wir in unserer Aufmerksamkeit und Wahrnehmung in unserem Körper zentriert, so können wir seinen Handlungsimpulsen folgen. Was wir aber tun ist, jeden ursprünglichen Impuls in unseren Gedanken zu diskutieren und hierdurch sofort anzuzweifeln! „Soll ich, soll ich nicht?“, „Was sind die Vor- und Nachteile?“ etc. Sobald wir einen Impuls verspüren, fangen wir sofort diese Diskussion im Kopf an. Das ist exakt der Grund, weshalb die SchülerInnen von ihren spirituellen LehrerInnen lernen, bedingungslos zu Handeln und die Handlungen nicht zu diskutieren. Ein Krieger diskutiert seine Impulse nicht, er setzt sie um – bedingungslos und spontan.

(Spax  8.2.20)

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Fußnoten

  1. Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Kampf im Kopf.