abstrakte Ideengebilde

23. April 2022 at 22:47

Ich denke immer wieder an die Erinnerungen, worüber ich neulich geschrieben habe.1 Denn das ist, woraus wir letztlich bestehen; wir sind ein nichtphysisches „Gedankengebilde“, wobei „Gedanken“ hier nicht das ganz richtige Wort ist, es sind ja nicht die Kopfgedanken gemeint. Wir sind Energie, geladen mit Ideen, mit Empfindungen, ggf. mit Bildern.

Wodurch entstehen innere Bilder, wenn ich nichtphysisch bin? Es handelt sich bei den „inneren Bildern“ nicht um physische Bilder, sondern – genau wie bei den „nichtphysischen Gedanken – um abstrakte ganzheitliche Empfindungen. Erst hat man eine solche Empfindung, woraus dann ggf. auch ein physisches Bild entstehen mag, wenn ich mich zum Beispiel gerade in einer physischen Welt bewege. Bei der Übersetzung jener abstrakten Bilder in ein physisches Denkvermögen oder in physische Zusammenhänge geht immer ein Teil der Ganzheitlichkeit der abstrakten Idee verloren, zwangsläufig. Denn der weitreichendere Teil einer „abstrakten Idee“ ist und bleibt nichtphysisch und somit mit anderen nichtphysischen Energien und Elementen verbunden. In der Physis sind wir eingeschränkter in unserer Wahrnehmung. Übersetzt man daher eine „abstrakte Ideen-Empfindung“ in physische Begrifflichkeiten, so wird sie ihrer nichtphysischen Wahrnehmungselemente beraubt. Zudem wird die Gesamt-Idee im Kontext des Dualen eingeordnet, was ihr zusätzlich noch eine Färbung oder Neigung verleiht.

Dennoch behalten abstrakte Ideen im Kern oder im Hintergrund die nichtphysische Ganzheits-Schwingung. Aus diesem Grund sind sie häufig anziehend auf unser „Seelenleben“: Wir fühlen uns angezogen von solchen Ideen, weil unser nichtphysischer Anteil auf den verborgenen nichtphysischen Aspekt reagiert. Deshalb ist es möglich, daß solche Ideen in uns unbewußt eine Weitung erzeugen. Sobald wir aber jene Ideen auf der physischen Ebene mit all unseren Ansichten und Vorstellungen verstandesmäßig (!) zu erfassen suchen, wird die Ursprungsidee noch weiter eingeschränkt, denn nun wird sie in ein Gedankenkonstrukt gezwängt, das nichts weiß von einer Ganzheit (Dualität).

Ausnahme ist, wenn jemand aufgewacht ist und auf nichtphysischer Ebene direkt eine solche Idee als Ganzheit erfassen kann. Ist man nicht aufgewacht, hat man jedoch diese Möglichkeit nicht, weil die primäre Aufmerksamkeit auf die Zweitpersönlichkeit2 gerichtet ist. So jemand hat keine Chance, eine abstrakte Idee in ihrer Gesamtheit zu erfassen, weil die innere Anbindung an die eigenen Seelenkräfte im Alltagsbewußtsein nicht präsent ist: Alles wird in die eigene Struktur der jeweils vorherrschenden Glaubenssätze gepreßt, und jede noch so „gute“ oder „hilfreiche“ Idee muß zwangsläufig fehlinterpretiert werden – denn nicht mit dem Sein ist man verbunden, sondern mit einem selbstgezimmerten Ideenkomplex der eigenen Interpretationen.

Dieses Gedankengebäude der eigenen Identität interpretiert permanent die Welt und jede Erfahrung vor dem Hintergrund des Gelernten, vor dem Hintergrund der eigenen Weltanschauung. Um das System der Zweitpersönlichkeit auszuhebeln braucht es eine tiefe innerliche Erschütterung, ein inneres Erlebnis, das das gesamte künstliche Gebäude der Zweitpersönlichkeit sprengt. Erst dann, wenn die eigene Glaubensstruktur, die eigene „Identität“ ins Wanken gerät und zerfällt, entsteht der nötige Innenraum, um jene nichtphysischen Energien überhaupt wieder spüren zu können. Wir tragen unsere Identität wie einen Schild vor uns her. Solange dieser Schild nicht vollends zerschmettert ist, ist es nicht möglich, Ideen der Ganzheit erfassen zu können, da wir durch den Schild genau diese Energien davon abhalten, zu uns durchzudringen.

(Spax  23.4.22)

xx
Siehe hierzu grundlegend auch den Beitrag Transformation – Integration.

Download PDF

Fußnoten

  1. Siehe hierzu grundlegend auch den Beitrag Transformation – Integration.
  2. Siehe hierzu den Beitrag Zwei Gesichter sowie Lexikon.