Ringen oder Brennen?!
Dieses Leben, es hat mir keine Leichtigkeit – außer jene, wenn ich es als Spiel betrachte. Betrachte ich es aber als Spiel, so bin ich niemals „drin“ in meinem Leben.
Aber selbst jene Dinge, mit denen ich innerlich verbunden bin, scheine ich nicht in der Lage zu sein, so intensiv zu verfolgen oder mich darauf zu fokussieren, wie es beispielsweise viele Künstler können: Sie brennen so stark für ihre Kunst (oder was auch immer), daß sie garnicht anders können, als diesem Drang zu folgen und ihre Kunst zu erschaffen. Doch da ist offenbar nichts in mir, das so hell lodern würde. In Abwesenheit eines derartigen inneren Dranges, bleibt für mich folglich eine Wahl: Gehe ich einer „Brötchen-Arbeit“ nach oder verfolge ich meine Dinge? Denn würde etwas lodern in mir, so würde ich es unhinterfragt angehen und umsetzen.
Mein Blog oder mein ehemaliger Wunsch zur Schauspielerei stellen von daher lediglich Möglichkeiten dar, so wie eben jeder andere Job auch eine Möglichkeit für mich darstellt. Es sind Wünsche, Wunschvorstellungen und Vorlieben. Doch das ewige Ringen um die leidige Frage, was denn nun „mein Ding“ sei sowie um die „Erlaubnis“, meinen eigenen Weg einschlagen zu dürfen oder meinen eigenen Talenten zu folgen, sind deutliche Anzeichen dafür, daß es nicht brennt in mir! Würde etwas brennen in mir, so wäre ich längst auf diesem Weg unterwegs, ungeachtet jeglicher äußeren Umstände. So aber ist es ein täglicher Kampf und ein tägliches Ringen darum, meiner eigenen Kreativität folgen zu können; und dies allein zeigt mir, daß hier kein inneres Lodern existiert, sondern nur eine Wunschvorstellung für eine Lebensgestaltung, die sich angenehmer anfühlt, als sich in die Zwänge der Außenwelt zu pressen. Dieser Kampf kostet mich extrem viel Energie. Täglich. Er führt auch nicht zu dem gewünschten Ergebnis, sondern läßt mich stets zwischen einer Wunsch-Vorstellung ohne Brennen und gegebener Realität hin und her schwanken.
Ginge es mir lediglich um eine Zufriedenheit, die könnte ich jederzeit haben, sofern ich innerlich die jeweilige Situation anerkenne und akzeptiere. Hege ich jedoch den Wunsch, etwas Sinnvolles in dieser Welt zu schaffen – haha: oder etwas zu haben, womit ich mich identifizieren kann –,1 entsteht jener innere Kampf und Krampf, den ich niemals wirklich gewinnen kann. Denn die eigentliche Preisfrage oder Erkenntnis diesbezüglich ist doch: Womit bin ich wirklich und wahrhaftig innerlich identifiziert bzw. verbunden? Und das sind in meinem Fall keine spezifischen Tätigkeiten, sondern eine Anbindung an meine andersartige Denkstruktur. Muß ich diese Denkstruktur der Welt aufdrücken? Nein.
Die Crux ist ja noch obendrein, daß ich mir durch Identifikation mit diesen oder jenen Strukturen ein Leben im Dualen wähle, wodurch die Zweitpersönlichkeit gestärkt und die „eigene Wichtigkeit“2 genährt wird. Doch wir leben in einer Zeit des Übergangs, wo genau dies ja transformiert werden soll und das Duale zu einer Einheit geschmolzen wird. Hierfür sowie für die innere Freiheit ist es nötig und notwendig, die eigenen Identifikationsmuster an den Nagel zu hängen und dadurch auch die eigene Wichtigkeit. Das ist „Transformation des Egos“!
Wäre ich bereits mit einem inneren Brennen für bestimmte Dinge auf diese Welt gekommen, so würde ich genau diese Dinge umsetzen, sie leben – unhinterfragt und egal unter welchen Umständen. Und deshalb ist es gut, nicht weiter nach einer solchen Identität oder derlei Identifikationsgründen zu forschen, sondern das Leben in seiner Bunt- und Vielheit an Möglichkeiten anzunehmen und zu akzeptieren. Yes, wobei ich wiederum bei meinen inneren Widerständen lande. Und diese können ja schlußendlich nur ein Ergebnis sein von dem Wunsch, mich mit etwas anderem identifizieren zu wollen als mein Leben sich gerade gestaltet. Daraus folgt innerer Kampf: aufgrund der Widerstände, gekoppelt mit dem Wunsch, sich innerlich mit einem anderen Selbstbild identifizieren zu wollen.
All dieses Ringen, es findet immer nur im Außen, in der Ego-Persönlichkeit statt; – niemals, wenn man wirklich verbunden ist mit Innen, es fließen lassen kann und ja: an nichts haftet.
(Spax 2.4.22)
Siehe ergänzend auch die Beiträge
♥ Wille oder Wollen…?
♥ Leidenschaft
Fußnoten
- Das ist deshalb lustig, weil jene Identifikation einen Aspekt der Zweitpersönlichkeit darstellt, welche es ja zu transformieren gilt.
- Ein sehr passender Ausdruck für die „Ego-Kräfte“, geprägt von Don Juan, dem Lehrer von Castaneda.














Neueste Kommentare