Wille oder Wollen…?

21. Januar 2025 at 03:19

Gestern hatte ich einen guten Gedanken über den Willen und das Wollen. Seit einiger Zeit frage ich mich ja, ob ich meinen „Willen“ verloren hätte, weil ich so viele Dinge, die ich mir wünsche, weder umsetze noch angehe. Auch wurde mir klar, daß der Wille, den ich diesbezüglich meine, ein Wollen darstellt, ein Wünschen. Denn diese Art Wille – sich aufzuraffen und etwas umzusetzen – ist stets verknüpft mit bestimmten Aktionen der Alltagswelt! Diese Art des Wollens ist immer bezogen auf konkrete Ziele, die zu erreichen ich mir manchmal wünsche.

Dies hat aber nicht das geringste zu tun mit unserem innewohnenden Willen, der viel tiefer sitzt. Denn diesen inneren Willen kann man nicht „verlieren“, er ist Teil unseres „Seelensystems“, gehört fest zu unserem nichtphysischen Sein. Jener Wille ist so tief in uns verankert, daß wir ihn üblicherweise garnicht wahrnehmen. Es ist jener Teil, der zum Beispiel mit der Tatsache unserer Inkarnation verbunden ist; es ist jener Teil, den ich in der physisch wahrnehmbaren Komponente häufig als „Instinkt“ oder „Impuls“ bezeichnet habe. Dieser Teil gehört zu unserem Higher Self, zu unserer nichtphysischen Ausrichtung, zu jenem Teil, der alles Leben und Lebendige in uns steuert, zur Steuerzentrale sozusagen. Hierzu gehören nicht, wie wir so häufig glauben, unsere Gedanken!

Wie erlange ich Zugang zu diesem inneren Willen? Wenn ich mich willentlich in unserer Alltagsausrichtung mit jenem nichtphysischen und daher von der Physis un-abhängigen Anteil verbinden möchte, muß ich meine innere Verbindung mit meinen nichtphysischen Anteilen bewußt haben und auch alltagsbewußt einsetzen können. In der Praxis bedeutet dies, daß man lernt, vermehrt auf die inneren Impulse zu lauschen. Die innere Anbindung an unser Higher Self, unserer nichtphysischen Ausrichtung, kommt nicht als „laute Proklamation“ daher; es sind zarte leise Töne und Impulse, derer man gewahr werden muß.

Genau genommen hatte ich über einen recht langen Zeitraum, was dies angeht, gar keine „Empfindungen“; es fühlte sich alles so „bewegungslos“ an, fast wie ein innerer Stillstand. Ein Stillstand, in dem ich nicht einmal meinen starken inneren Fokus auf jene „neue transformierte Welt“ aufrechterhalten konnte. Vielleicht hängt das aber auch zusammen. Denn jener innere Fokus auf eine transformierte Welt war zeitlebens ein solch starker Teil in mir, daß er wie eingebaut schien. Was er ja auch war oder ist, denn dieser innere Fokus entspringt jenem inneren Willen! Nun erkenne ich jedoch, daß dieser Fokus sich irgendwie verflüchtigt hat: der Fokus auf jene neue Welt scheint verschwunden. Ich spüre das in einem seltsamen Gefühl von „innerer Leere“, gepaart mit einem Gefühl des Stillstandes. Falls in meinem inneren Willen ein neuer Impuls für etwas anderes vorhanden ist, kann ich es nicht spüren.

Ah, der vorherige Fokus hat sich aufgelöst, weil er erreicht wurde. Das heißt, wir sind in der neuen Welt und den neuen Energien angekommen. Deshalb kann ich hier auch nicht länger andocken oder diesen lange vorherrschenden Antrieb spüren, weil die innere Verbindung nun mit dieser Ausrichtung übereinstimmt. Und deshalb funktionieren auch sämtliche Mechanismen nicht mehr, mich hiermit verbinden zu wollen, denn dies ist obsolet geworden, die neue Ausrichtung ist hier! Hierauf kann ich sowieso keinen Einfluß nehmen, schon garnicht über ein dem Alltagsfokus geschuldeten Wollen.

Um mich mit meinem inneren Willen wieder zu verbinden und zu ergründen, was zum Beispiel die neue Ausrichtung ist oder sein könnte, muß ich still werden und nach Innen lauschen, den inneren Puls erspüren. Alles andere wäre ein von mir ersonnenes Wollen aufgrund von Interpretationen meiner Alltagsumstände, meines Alltagsdenkens, aufgrund eines Glaubens, der mit meiner eigenen Interpretation der Welt zusammenhängt. Es ist auch nicht an mir zu entscheiden, was diese neue Richtung ist oder beinhaltet, denn all dies ist längst angelegt in mir. Da sind keine Schrauben, an denen man drehen könnte oder sollte… sind es nie gewesen.

Indem ich mit meinem inneren Fokus stets verbunden war, fühlte es sich an wie eine Richtung; doch im Kern ist es lediglich die Verbundenheit mit bestimmten Frequenzen, auf denen ich reite, die von meiner inneren Ausrichtung vorgegeben werden.

Man kann an der aktuellen Weltentwicklung erkennen, daß man nicht wirklich einen Einfluß auf ein Ergebnis hat: daß beispielsweise der Beginn der „neuen Welt“ sich nun so anders ausgestaltet als ich es in meinen Vorstellungen erwartet oder geglaubt habe. Denn das, was ich momentan spüre, beginnt in meiner Wahrnehmung mit einer sehr starken Strömung von Impulsen für eine „gute Welt“ – anstatt für eine transformierte. Nichts am Denken scheint sich geändert zu haben: Die Moral, als eine verankernde Basis des Dualen, bildet weiterhin die neue Ausrichtung. Ich habe nicht den geringsten Einfluß hierauf. Für meinen festen inneren Glauben an die neue Zeit und eine transformierte Welt ist dies eine ziemliche Enttäuschung. Doch das ist genau der Pferdefuß von Erwartungen: zum einen helfen sie uns zwar, „am Ball zu bleiben“ und z.B. einen bestimmten Fokus aufrechtzuerhalten, weil sie ebenfalls mit einer Hoffnung verknüpft sind; aber genau aus demselben Grund, eben weil ich mir bestimmte Bilder und Szenarien ausmale, erhoffe oder erwünsche, können diese „alltagsweltgebundenen“ Denkausrichtungen zumeist nur enttäuscht werden. Denn: Der innere Wille ist niemals ein zweckgebundenes Wollen!

(Spax  3.4.22)

 

Siehe ergänzend auch die Beiträge

  Den Willen schulen
  inneres Handeln

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