Zwang-hafte Entscheidungen
Wenn mich nichts und niemand in die Welt zwingt, schlafe ich. All diese Termine, über die ich mich sonst beschwere, sie ziehen mich in die Welt und verankern mich hier. Nur in Interaktion nimmt man auch wirklich teil an diesem 3D-Leben und dieser Welt. Es ist die Bereitschaft, sich „rausziehen“ zu lassen sozusagen, welche uns erst die 3D-Erfahrung ermöglicht und genau hierin ihren Wert hat. Daher funktioniert diese 3D-Welt genau so: „tu dies, tu jenes, träume nicht, sei aktiv und produktiv“ usw. Weil ohne diesen Zwang wir vielleicht garnichts tun würden – keine Ahnung, aber auf jeden Fall zieht uns der Zwang ins 3D-Leben hinein.
Man braucht ein Commitment1 für diese Welt, etwas, das mich zieht. Aber sind es nicht meine Talente und Absichten, mit denen ich mich in diese Welt fokussiere, die mich automatisch ziehen? Eigentlich schon; denn wenn ich mir all die kleinen Kinder angucke, deren Quirligkeit, Neugier und Lebendigkeit, so ist es genau dies, was sie mitbringen.
Reflektion… Don Juan2 sagt, unser „Assemblage-Point“ – unser Fokus – läge wie eingefroren auf der Selbst-Reflektion. Dieser Fokus sei so ausschließlich – wie es jeder Fokus ja ist –, daß wir nichts anderes wahrnehmen könnten. Hier sind wir wieder bei Platons Höhlengleichnis: Alle sitzen um das Feuer in der Höhle und betrachten die sich bewegenden Schatten auf der Höhlenwand – und dies sei, was wir als Realität wahrnehmen würden. Das stimmt, so ist es.3 Aber es ist eben auch die „übergeordnete Entscheidung“ des Bewußtseins, diese Art des Fokusses auszuloten; daher gehört all dies mit zu unserem aktuellen 3D-Erlebnispark. Um über diese Art des Fokusses hinauszugelangen, müssen wir durch diese Erfahrung hindurchgehen. Und das können wir nicht, solange wir auf einer Beobachtungsposition sitzen bleiben und all diese Prozesse nur betrachten, aber nicht wirklich daran teilnehmen.
Immer fühlen wir uns belastet, jeder einzelne. Hierzu eine weitere Bemerkung von Don Juan: Wir wollen nicht gestört werden. Sobald wir keine weltlichen Verpflichtungen haben, welcher Art auch immer, lassen wir alles fallen und ziehen uns zurück, möchten schlafen und „nichts mehr tun“. Wir finden es lästig, wenn jemand uns „zur Unzeit“ aufschreckt und uns in diesem – wohlverdienten – Schlummer stört. Don Juan sagt diesen Satz, als er Catsaneda in aller Herrgottsfrühe weckt, um mit ihm eine längere Wanderung zu machen und Castaneda nur ein paar wenige Stunden geschlafen hatte. „Wir wollen nicht gestört werden“, sagt Don Juan. Stimmt. Doch einerseits freue ich mich, wenn ich meine Telefone stumm gestellt habe und mich langsam in meinen eigenen Rhythmus einschwinge, Zeit habe für meine eigenen Vorhaben, doch andererseits geht mir darüber dann die „Verbindung zum Leben“, zu all den anderen und den „Aktivitäten dieser Welt“ verloren. Diese Frage stellt sich jedoch nicht, sobald ich in meiner Stille bin, denn mit der Stille falle ich automatisch ins Jetzt und werde automatisch aktiv, ohne weiter darüber nachzugrübeln.
Ich habe Angst davor Geld zu haben, genauso wie ich Angst davor habe, keines zu haben. Diese Erkenntnis finde ich spannend. Denn wenn ich Geld habe, habe ich Möglichkeiten, andere Formen des Ausdruckes zu wählen – aber welche? Und die stetige Angst, all das Geld wieder zu verlieren ist dann ebenfalls präsent. Ich weiß, das ist falsch herum gedacht, denn dies verknüpft all mein Denken und daher all mein Erleben mit dem Fokus auf das Geld. Wenn ich irgendetwas wirklich wirklich will und möchte, so finden sich immer auch Möglichkeiten, all diese Dinge auch ohne Geld zu bewerkstelligen oder zumindest sie anzuschieben.
Hieran wird deutlich, daß ich nicht weiß, was ich eigentlich will. Und obwohl ich mich hinsetzen kann und Listen über Listen anfertige, so sind doch sämtliche Entscheidungen, die ich treffe bezogen darauf, ob ich nun etwas im Portemonnaie habe oder nicht. Wie gesagt, wir haben all unser Denken und Handeln darauf ausgerichtet, was sich in unserem Portemonnaie findet. Habe ich etwas mehr Geld, so denke ich in der Reichweite jenes Betrages; habe ich kein Geld oder nur soviel, daß meine Grundkosten gedeckt sind, unternehme ich keine Sachen, die ich vielleicht unternehmen würde, wenn ich mehr Geld zur Verfügung hätte. All meine Wünsche und Träume bleiben daher vage: „Wenn ich Geld hätte, würde ich…“ Diese Art Wünsche oder Vorstellungen bleiben vage, weil sie keine Durchschlagskraft besitzen, daß ich auch Schritte in diese Richtung tue, selbst wenn ich kein Geld habe.
Man kann immer etwas tun für seine Wünsche; wenn ich irgendetwas wirklich will, kann ich durchaus Himmel und Hölle hierfür in Bewegung setzen. Daraus folgt: Ich weiß nicht, was ich wirklich will, weil ich mich nicht traue, auch ohne Geld eine Realisierung dieser Wünsche in meinem Denken zuzulassen, denn es bleibt immer dies: „Hätte ich Geld, würde ich…“ Und weil ein hypothetischer Wunsch keine Durchschlagskraft hat, bin ich dann, wenn ich Geld habe ebenfalls nicht in der Lage, in irgendeine meiner hypothetischen Richtungen zu laufen, denn ich habe es nicht eingeübt – eine Hypothese bleibt daher in beiden Fällen eine Hypothese: unbewegt und ein reines Gedankenspiel.
Hieraus folgt: Wenn ich etwas in dieses Leben setzen möchte, etwas realisieren, muß ich Entscheidungen treffen und mich dann aktiv in diese Richtung bewegen – ganz gleich ob mit oder ohne Geld! Nur eine Entscheidung für irgendetwas wird mich in Bewegung setzen und auf den Weg zu irgendeiner Wunscherfüllung bringen. Der jeweilige konkrete Wunsch ist hierbei nicht so relevant, wichtig ist, einen Handlungswillen zu entwickeln, ganz gleich wofür. Denn wenn ich meine Entscheidungen bewußt treffe, wird mich dies mit der Zeit von der lausigen Einstellung befreien, „gegängelt“ zu werden – von meiner wie auch immer gearteten finanziellen Situation, von der Ansicht, ich sei eine Gefangene der Wünsche anderer oder von sonstwelchen Umständen. Erst mein entschlossenes aktives Handeln verhilft mir zu einem Gefühl der Souveränität und dem Gefühl, an diesem Leben und dieser Welt teilzuhaben, wodurch auch das Gefühl eines Belastet-seins nach und nach in den Hintergrund tritt. Denn jede bewußte Entscheidung für irgendeine Handlung stärkt das Empfinden, Kontrolle und einen Überblick über mein eigenes Leben zu haben und daher Einfluß hierauf! Selbst-Bestimmung ist das. Auf diese Weise gelangen wir auch zu einer Unabhängigkeit im Denken. Denn wenn ich mir zutraue, eigene Entscheidungen zu treffen und demnach zu handeln, werde ich mutiger auch in meinem Denken – es kann sich hierdurch lösen von all den sogenannten Zwängen, denen wir nur scheinbar unterliegen.
Hehe, das ist die Theorie… Ich treffe jetzt eine Entscheidung und gehe schwimmen 🙂
(Spax 24.6.15)
Fußnoten
- (Engl.): sich einer Sache verschreiben oder verpflichten.
- Spiritueller Lehrer von Castaneda. (siehe auch Inspiration: Bücher)
- Siehe zu diesem Aspekt auch den Beitrag mein Kino!














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