Sumpf des Negativen

1. September 2026 at 15:47

Wir sind immer nur im Kopf, im Denken, in unserer Zweitpersönlichkeit, die allen um sich her ihren beleidigten verzogenen Willen aufdrücken will. Wow, was für ein Satz und was für eine Einschätzung! Aber genau so ist es, denn das ist der Kern der Zweitpersönlichkeit.1 Sie besteht aus nichts anderem, als den seelischen Verletzungen unserer Kindheit. Genau das ist ja die Basis unserer Zweitpersönlichkeit, die Grundlage der alltagsbewussten Vorstellung unseres künstlich erzeugten Selbst-Bildes, unserer üblichen Ich-Vorstellung. Überleg einmal: Das ist die Basis all unseres Denkens! Dies ist die Grundlage, auf der wir unser gesamtes Leben aufbauen, ausrichten, in Form zwingen wollen.

Wenn wir unser „wahres Ich“ kennenlernen wollen, unsere Seele/Higher Self, wenn wir mit unseren ureigenen wahrhaftigen Kräften in Verbindung treten wollen, müssen wir zuerst durch diesen Sumpfboden aus erfahrener Negativität waten; wobei unsere Abwehr-Mechanismen hiergegen selbst ein Resultat sind unserer angstbasierten Zweitpersönlichkeit. Denn alles, was das duale Ich glaubt zu sein, basiert auf negativen Erfahrungen und den hieraus ersonnenen Abwehr-Strategien. Alles. Die gesamte Ich-Vorstellung basiert auf unerwünschten Erfahrungen. Alles. Komplett! Um an unser wahres Selbst heranzukommen ist es von daher unabdingbar, die Zweitpersönlichkeit zu sprengen, sie in Stücke zu reißen und sich diesen Nährboden anzuschauen, aus dem all unsere Vorstellungen eines Lebens, unserer Werte, all unserer Moral etc. hervorgegangen sind. Erst, wenn wir diesen Nährboden durchwaten, haben wir überhaupt die Möglichkeit zu erkennen, wer wir ursprünglich sind. Alles andere ist und bleibt Augenwischerei.

Von daher genügt es auch nicht, wenn wir diesen Sumpf aus Verletzungen ignorieren und mit einer Schicht von „positiven Einstellungen“, die ja bereits als Teil der falschen Zweitpersönlichkeit existieren, überlagern. Denn diese Art der positiven Sichtweise beinhaltet keinerlei Erkenntnis über jenen Sumpfboden. Sie bewirkt einzig, dass man sich etwas besser fühlt, aber auch dies ist letztlich eine Art unechter Tünche.

An der Wurzel des Seins liegt das „Nichts“, ein Potenzial, aus dem Alles hervorgeht. Sind wir wahrhaft verbunden mit dieser Kraft, könnten wir jegliches „Wunder“ wirken. Dies erfordert die Abwesenheit unseres Denkens und somit die Abwesenheit der Zweitpersönlichkeit.

Auf der anderen Seite entsteht Erkenntnis jedoch immer nur hinterher, im Rückblick eines Erlebens; und hierfür wiederum benötigen wir diesen Denkmechanismus. Wir benötigen die analytische Funktion, nicht jedoch die Identifikation hiermit. Solange wir also hineinfokussiert sind in eine duale Lebensweise (Inkarnation), haben wir die Möglichkeit, durch das analytische Denken Zusammenhänge zu erkennen; und somit auf andere Weise Erklärungen zu finden, als wenn wir stets in Verbundenheit wären. Erkenntnisse seien die Trophäen, die wir aus unseren Leben im Dualen entwickeln können, sagt Don Juan.2 Dem stimme ich zu.

(Spax  26.02.25)

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Fußnoten

  1. Zweitpersönlichkeit → siehe Lexikon.
  2. Don Juan war der spirituelle Lehrer von Castaneda. Die Gruppe der Seher um Don Juan bezeichneten sich häufig als „Krieger“ oder „Zauberer“. (siehe auch Inspiration: Bücher)