un-entschieden

29. August 2020 at 00:02

So viele Ideen, so viele Möglichkeiten. Wer oder was trifft die Entscheidungen in mir – wohin ich mich wende oder was ich tu′? Die meisten Entscheidungen trifft nun mein Hirn. Das Hirn sucht Orientierungspunkte: entweder rational oder emotional. Das ist dann ein „Entscheidungsfindungsprozeß“. Kinder sind spontaner in ihren Handlungen. Wenn man noch oder wieder verbunden ist mit seinem Sein, wägt man die Handlungen oder Entscheidungen nicht ab, man folgt seinen inneren Impulsen – unhinterfragt. Doch unsere normalen Entscheidungen sind fast ausnahmslos rational, selbst wenn wir sagen, wir folgen unseren Gefühlen. Denn auch wenn wir unsere Empfindungen als Entscheidungsgrundlage nehmen, wird die Entscheidung, dieser Richtung zu folgen im Kopf getroffen. Das rein „impulsive“ Handeln ist jedoch genau das: ein innerer Impuls, dem der Körper folgt ohne jegliche Überlegungen.

Je älter wir werden und dann das Denken eingeübt haben, desto mehr verblaßt dieser spontane Handlungsdrang. Wir wägen ab, bevor wir handeln. Wir bauen ein Gerüst für Entscheidungen in uns auf, dem die eigenen Wertigkeiten von „richtig“ und „falsch“ zugrundeliegen. Dabei gibt es im Sein kein „falsch“, sowenig wie es ein „Böses“ gibt. Im Sein gibt es nur Handlungen und spontane Bewegung.

Das ist genau, was mich zur Zeit so wahnsinnig macht: immer diese Suche nach der „besseren“ Handlung! Haha, neulich habe ich einer Freundin noch erzählt, ich würde im Rückblick nichts bereuen. Aber schau dir mein Hirn an: eine einzige Schimpftirade: „Wäre es nicht besser gewesen, ich wäre dort entlanggegangen? – oder wäre lieber schwimmen gegangen anstatt spazieren?“ – „Wäre es nicht besser gewesen, aufzuräumen anstatt ein Computerspiel zu machen?“ Endlos ist diese Art Diskussion in meinem Kopf. Und sie hat zur Grundlage, daß ich anscheinend andauernd glaube, eine andere Handlung hätte jetzt bessere Ergebnisse geliefert oder ich tät mich jetzt besser fühlen, wenn ich eine andere Handlung durchgeführt hätte.

Somit kann ich gut erkennen, daß ich innerlich nicht zentriert bin. Denn wenn ich zentriert bin, gibt es diese Diskussion nicht; dann bin ich zufrieden mit dem was ich tu′, ganz gleich, was es ist. Hieran sehe ich, daß ich permanent doch innerlich nach „der richtigen Handlung“ suche, die mir Freude und Glück verschaffen würde. Aber so funktioniert das nicht. Denn wenn ich glücklich bin, dann bin ich es, und die Handlungen ändern nichts daran.

Wir sind total in unserer kausalen Denkweise gefangen: …wenn dies, …dann erfolgt jenes… Doch hierdurch bleiben wir stets gefangen in unseren Gedankenkonstrukten und Bewertungen, bleiben Sklaven unseres eigenen moralischen Wertesystems. Dies hat nicht das Geringste zu tun mit dem Sein, das sich selbst genügt und aus sich selbst heraus handelt – unhinterfragt und unbewertet.

(Spax  29.8.20)

Siehe ergänzend auch folgende Beiträge:
Inkarnation und Erkenntnis (19.1.2017)
Kampf im Kopf (8.2.20)
Moral ! (5.11.16)
Nüchternheit oder Glücklichsein (27.6.20)

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