substantielles Bewußtsein

28. März 2020 at 01:47

Löst man sich auf, wenn man stirbt? In gewisser Hinsicht. Die Gedanken lösen sich auf. Kann man eigentlich noch Kopfgedanken haben, wenn man keinen Körper mehr hat? Ich weiß wo die Bauchgedanken entstehen bzw. daß sie verbunden sind mit jener Essenz, die uns ausmacht, dem, was wir Seele nennen; sie ist ein Teil des Bewußtseins.1 Hat die Seele Substanz?, oder ist sie „nur“ Energie? Hat Energie Substanz? Hat Bewußtsein Substanz?

Bewußtsein ist Wahrnehmung. Und das, was ich wahrnehme fließt wiederum ins Bewußtsein. Das würde bedeuten, es gäbe etwas Wahrzunehmendes und jemanden, der wahrnimmt. Das ist bereits dual. Aber als Kern haben wir eine Singularität.2 Wir alle, so wie Alles-was-Ist auch. Denn Alles-was-Ist ist reines Bewußtsein – entstanden aus einer Singularität, aus der alles andere hervorgeht. Deshalb sind wir alle miteinander verbunden, gehen auseinander hervor; Bewußtsein, das Bewußtsein hervorbringt.

Ist Bewußtsein eine Substanz? Ist Bewußtsein lediglich die Möglichkeit zu fokussieren? Wer oder was fokussiert womit? Mit dem Fokus werden Energieströme in die Richtung gelenkt, in die ich fokussiere. Das heißt, ich setze mit meinem Fokus etwas in Bewegung. Doch womit fokussiere ich? Tja, mit meinem Bewußtsein. ha ha. Ist Bewußtsein meine Energie? Licht? Wissen? Okay, Wissen = Licht wird gesagt, das kann ich nachempfinden. Und Licht ist sozusagen ein Trägermaterial für Wissen. Nein, Quatsch: Licht ist Wissen. Das Wissen ist nicht getrennt vom Licht, es ist dasselbe – Licht ein Synonym für Wissen und andersherum. (Ich meine jetzt nicht das Schulbuchwissen, das man erlernen, auswendiglernen und reproduzieren kann. Ich meine nicht jenes Wissen, worauf unsere Form der Wissenschaft aufbaut! Ich meine dasjenige Wissen, welches immer und überall in uns wohnt; jenes Wissen, das mit dem Aufwachen kommt; das Wissen, auf welches wir zurückgreifen, wenn wir innerlich verbunden sind.)

Bewußtsein ist Wissen, denn Bewußtsein ist ebenfalls Licht. Im Bewußtsein sind wir stets mit unserem Wissen verbunden. Stark, kräftig, ewig. Unser Bewußtsein ist Wissen, ist Licht. Und in dieses Wissen tauchen wir wieder ein, wenn wir aufwachen. Vielleicht leitet sich hiervon der Begriff „Erleuchtung“ ab: Erleuchtet ist somit jemand, der bewußt mit dem Wissen verbunden ist.

Mit unseren körperlichen Barrieren und Besonderheiten können wir nicht das gesamte Wissen auf einmal erfassen. Im Spüren durchaus, aber nicht in der Verarbeitung dieses Wissens. „Verarbeitung“ bedeutet: Ich dehne meinen 3D-Horizont ein wenig mehr aus, den Radius meiner Wahrnehmung. Wenn ich diejenigen Dinge begriffen habe, die in dem neuen Wissensradius zu entdecken sind, erweitert sich der Wissensring wieder ein Stückchen: Man integriert den nächsten Teil des Wissens oder die nächstmögliche Frequenz. Bezogen ist dies auf den Prozeß, wenn wir aufgewacht sind. Obwohl, auch unaufgewacht begegnen wir in der Regel ebenfalls immer Sachverhalten, die in unserer Reichweite der Erkenntnis liegen.

Bewußtsein ist und leuchtet im ewigen Licht. Es ist wie eine Zentralsonne am Firmament. Zentriert. Licht, das aus sich selbst heraus scheint. Unbewegt und doch pulsierend. All unser Erleben, all die Bewegung findet nur statt in einer Art innerem Träumen. Grad so, wie wenn ich mich in Situationen hineinträume, wenn ich auf dem Sofa liege oder aufs Meer blicke… Das Zentralbewußtsein, unser eigener innerer Sonnenstern, leuchtet aus sich heraus und hat zeitgleich un-gezählte Fokussierungen. Zeitgleich. Eine un-endliche Anzahl von Leben, Ausdruckformen, Welten, Erfahrungen, Erlebnissen. Zeitgleich. Immer leuchtend, jeden Strang mit derselben lebendigen Energie unterhaltend. Unbewegt. Leuchtend. Im Wissen. Dieses Wissens-Licht durchtränkt alle Materie, durchtränkt alles, ist alles. Die Einzelwesen sind immer verbunden mit ihrer inneren Zentralsonne, von welcher sie ihre Lebensenergie erhalten, von welcher der Fokus gesetzt wird. Irgendwann blicken die Einzelwesen hin zu ihrem inneren Stern und spüren jene Sehnsucht. Etwas in ihnen erinnert sich, erinnert sich an Leichtigkeit, an Wissen, an Schönheit und daran, wie es ist, bedingungslos geliebt zu werden. Sobald ein Wesen sich seiner inneren Zentralsonne zuwendet, beginnt auch ein „äußerer“, ein physischer Erkenntnisweg.

Wir sind so viel mehr als Arme, Beine, Body. Wir sind so viel mehr als unser Kopf mit seinen wirren Gedankenkonzepten. Ohne Kopf keine Kopfgedanken – wenn der Körper sich auflöst und sämtliche Konzepte und Ideen, die mit ihm und dem jeweiligen Leben verbunden sind, mit dem Körper sterben, bleibt übrig unsere Essenz, unser Bewußtsein. Dann nehme ich wieder wahr im ursprünglichen Modus.

All die ungezählten kleineren „Bewußtseinsblasen“, als die ich unsere verschiedenen Ausdrucksformen bezeichnen möchte, tanzen um diese innere Zentralsonne – hüpfen von ihr fort wie Protuberanzen, kehren irgendwann wieder zu ihr zurück, wieder verbunden im Wissen und der Erkenntnis. Wenn sämtliche Bewußtseinsblasen, die zur Sonne unseres Bewußtseins gehören, in neuer Bewußtheit wieder zu ihr zurückkehren und sich wieder vereinigen mit ihr, gibt es eine Implosion – und alles, von dem wir je glaubten, was wir sind oder waren geht auf in einem noch umfassenderen Sein. – Vielleicht auch nicht und es existiert nur unsere eigene Zentralsonne. Aber dies erscheint weder logisch noch wahrscheinlich angesichts der Vielfalt, die uns umgibt, angesichts unseres bereits riesigen und un-endlichen Universums, in welchem alles möglich ist und noch so viel mehr.

Doch welchen Schluß ziehe ich jetzt für meine Ausgangsfrage? Was ist Bewußtsein bzw. besteht Bewußtsein aus einer Substanz? Vielleicht wird man diese Frage niemals beantworten können; denn sie reduziert sich auf die Frage, ob Existenz automatisch bedeutet „einen Körper“ zu haben – wie „fragil“ oder ätherisch auch immer. Bewußtsein ist Fokus, ist Wahrnehmung, ist Existenz, ist Licht. Aber muß dies automatisch beinhalten, daß es irgendeiner Substanz bedarf, um Bewußtheit, Fokus, Licht auszustrahlen? Vermutlich ja. Denn wenn ich mich umschaue, besteht auch jede Sonne aus irgendeiner Substanz; und hinter jedem Fokus steht ein Bewußtsein, welches über den Fokus Energie bündelt und in bestimmte Richtungen schickt. Die Energie des Bewußtseins brennt quasi auch mit irgendeinem „Rohstoff“.

Dies würde folglich bedeuten: Existenz bedeute automatisch, sich in irgendeiner substantiellen Form zu bewegen. Ja, dies ist vermutlich der Unterschied bei der Frage, ob etwas existiert oder eben etwas nicht existiert. Auch unabhängig von unserem physisch wahrnehmbaren Universum bedeutet „existieren“ ein Sein, ein In-Erscheinung-treten, was im Vergleich zum Nicht-sein ein Trägermaterial benötigt. Ist nichts vorhanden, so kann auch nichts gelenkt oder wahrgenommen werden. Ja, es ist nicht einmal ein Irgendetwas da, das wahrnehmen könnte. Das bedeutet für mich: alles Existierende und somit auch das Bewußtsein selbst besteht aus irgendeinem Trägermaterial – ganz gleich wie feinstofflich oder scheinbar nichtexistent oder energetisch dies erscheinen mag.

(Spax  28.3.20)

Siehe zu dem Themenkomplex auch folgende Beiträge:
♥  Singularität  vom 15.1.2017.
  körper-loses Wahrnehmen  vom 21.10.2016.
  Existenz  vom 7.1.2017.

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Fußnoten

  1. In diesem Beitrag ist mit „Bewußtsein“ stets das Gesamtbewußtsein gemeint. (s. auch Lexikon: Bewußtsein → Gesamtbewußtsein)
  2. Siehe hierzu auch den Beitrag Singularität vom 15.1.2017.