Die Schwelle des Aufwachens

11. Juli 2020 at 02:33

Ahja, es gibt unzählige Zivilisationen, die überhaupt nie im Dualen waren, oder? Die Hybriden, die wir mit den Zeta zeugen oder kreieren, sind von vornherein 4D;1 und manche Channelwesen wie Kryon2 haben ja auch gesagt, daß sie nie physische Form angenommen haben und dies auch nicht vorhaben. Von daher ist es ein wenig paradox, sich von jemandem das Aufwachen erklären zu lassen, der diesen Prozeß garnie durchlaufen hat. Wie gesagt, die Verbindung, die man wieder spürt, wenn man aufgewacht ist oder das Glückseligkeitsgefühl, das das Aufwachen mit sich bringt, sind alles Zustände „außerhalb“ des Dualen, nämlich Ausdruck eines Zustandes der Verbundenheit, in den hinein man aufwacht.

Aus diesem Grund können Channelwesen wie Bashar,3 Abraham4 und andere zwar vom aufgewachten Zustand her Dinge erklären und erläutern wie es ist, aber sie haben eigentlich keine Ahnung, wie das Aufwachen wirklich funktioniert – oder von dem, was ein wesentlicher Teil hierfür ist: von der Dualität, dem dualen Denken und der Zweitpersönlichkeit. Wie auch, wenn man sich nie in 3D ausgedrückt hat. Auch die Menschen, durch die gechannelt wird, sind nicht unbedingt aufgewacht. Doch letztlich macht es nicht den Riesen-Unterschied, ob ein Unaufgewachter die Botschaften aus dem Nichtphysischen nicht verstehen kann oder einen aufgewachten Menschen nicht versteht.

Ich frage mich gerade, ob die „Suche nach dem Glücklichsein“, womit sich so zahlreiche Lehren im Hinblick auf das Aufwachen befassen, für das Aufwachen nicht eher kontraproduktiv ist.5 Denn was das Aufwachen im Moment des Aufwachens ist, ist ein Zerreißen. Es ist eine Schockwelle, die durch den ganzen Körper und den Geist geht. Deine Individualität wird gesprengt hierdurch! Es wird hierdurch alles gesprengt, was man zuvor über sich und das Leben geglaubt hat. So „stirbt“ die Zweitpersönlichkeit. Es ist ein erschütternder und schockierender Moment, der nicht das Geringste mit „Glücklichsein“ zu tun hat. Es ist ein erschütternder Moment des Erkennens, des Begreifens, der alles, was nicht wahrhaft mit dem Sein verbunden ist vernichtet. Das ist der „innere Tod“, den man in diesem Moment stirbt.

Der nächste Augenblick, der auf diese tiefgreifende Schockwelle folgt, bringt erst all die positiven Effekte des Aufwachens, wobei sozusagen das innere Vakuum, das durch das Hinwegfegen all unserer falschen Annahmen entsteht, aufgefüllt wird mit dem, was wir wirklich sind innendrin. Das ist dann das Glücklichsein, das Spüren der bedingungslosen Liebe, das Wissen um die „Wahrheit aller Dinge“, was mit dem Prozeß des Aufwachens einhergeht.

Die nichtphysischen Wesenheiten können diese Schockwelle nicht begreifen oder den Prozeß nachvollziehen, da sie nicht wissen, wie es ist, in der Getrenntheit (3D, Dualität) zu sein. Sie kennen alle den Endzustand des Aufwachens, da sie stets verbunden sind, und müssen zwangsläufig von dieser Perspektive aus argumentieren oder darlegen, was es ist. Aber der wichtige Prozeß oder Moment, der zum eigentlichen Aufwachen führt, wird daher insgesamt vollkommen außer acht gelassen. Wie soll auch jemand die Diskrepanzen und das Ringen in 3D verstehen, wenn er nie in der Dualität gewesen ist? Und deshalb sind Leute oder Wesenheiten, die selbst den Prozeß in 3D durchlaufen haben für Erklärungen sehr viel geeigneter. Da aber auch hier jeder Aufgewachte seinen eigenen Prozeß durchläuft und tatsächlich jeder auch nach dem Aufwachen anders mit diesem Erlebnis umgeht, muß man, was deren Erklärungen betrifft genauso vorsichtig oder skeptisch sein. Denn genau genommen ist es – fast – unmöglich, eine andere Person zum Aufwachen zu bringen. Jedenfalls nicht durch Erklärungen.

All die irdischen LehrerInnen, mit denen ich mich befaßt habe, wenden hierfür Methoden an, wobei deren SchülerInnen zu Erfahrungen genötigt werden. Und im Kern zielen all diese Erfahrungen stets darauf, den Glauben an die eigene Individualität, an die eigene Wichtigkeit zu erschüttern. Zeitgleich stärken die LehrerInnen den Glauben an die Wirkweisen des Bewußtseins. Wieder und wieder wird hierdurch das eigene Glaubenssystem erschüttert, bis bei den SchülerInnen irgendwann quasi der letzte Faden reißt und sie aufwachen. Es ist erschütternd!

So wie wir aufgewachsen sind und in unsere Zweitpersönlichkeit hineintrainiert werden – was die Essenz der Dualität ausmacht – kann uns nur ein Moment der Erschütterung hiervon wieder befreien. Das ist der Moment des Aufwachens. Es ist der Moment des Abreißens von der inneren Anbindung an unsere Zweitpersönlichkeit, der Trennung von dem Glauben an alles, was uns ausmacht, und an eine Welt, die im Kern nicht so ist, wie wir es angenommen haben. Es ist im Kern: gleichermaßen schockierend wie erlösend.6

Auch das macht das Begreifen schwierig, da es sich um ein Jonglieren mit unseren innersten Vorstellungen handelt; denn diese sind ebenfalls so verschieden wie die Menschen und durch Übung und Erfahrung tief tief in uns verwurzelt. Und dennoch geht es keinesfalls darum, einfach nur die grundlegenden Vorstellungen zu ändern. Nein, man muß eine diesbezügliche innere Erfahrung machen, wodurch sämtliche Vorstellungen in uns zerstört und neu zusammengesetzt werden. Das Überschreiten dieser Schwelle (des Aufwachens) erfolgt nicht schrittchenweise, sondern ist ein Moment, wo man über eine innere Schwelle tritt und das Selbstbild danach auch nicht mehr zu kitten ist.

Es ist gleichfalls ein Herausfallen aus sämtlichen Zusammenhängen des eigenen Lebens, denn alles wird in diesem Moment neu begriffen bzw. definiert und erkannt. Das vorherige Leben mit all den Ansichten, die man über sich, das Leben und die Welt hatte, werden mit dem Überschreiten dieser Schwelle ad absurdum geführt. Es ist wie mit einem Zaubertrick: Weiß man einmal, wie er funktioniert, kann man nicht mehr staunen darüber. Man wird mit Überschreitung dieser Schwelle nicht mehr in sein altes Leben zurückkönnen, es ist nicht möglich. Aber man will es dann auch nicht mehr! Das bedeutet nicht, daß man nun seinen Job kündigt oder seine Familie verläßt, obwohl manchmal dies tatsächlich Folgen des Aufwachens sind. Doch durch die neue Perspektive werden sämtliche Bereiche des Lebens und sämtliche Ansichten nun vollkommen anders eingeschätzt. Es hat vor allem innerliche Folgen.

Das ist, was das Aufwachen im Kern ist und bedeutet. Es ist nicht möglich, diesen Prozeß einem Nichtaufgewachten zu erklären. Solange ein Nichtaufgewachter keine eigenen Erfahrungen macht, die seine Glaubenssätze erschüttern und seine zugehörige Wichtigkeit (Individualität) angegriffen wird, wird ein Nichtaufgewachter allein durch Erklärungen und Übungen, die zudem ggf. noch sein Glücklichsein begünstigen, nicht aufwachen.

Das einzige, was die Aufgewachten tun können, ist von weiteren Möglichkeiten des Seins zu berichten. Oder falls sie eigene SchülerInnen haben, diese entsprechende Erfahrungen machen zu lassen und den Stachel der „Zerstörung des falschen Selbst“ tiefer und tiefer ins Fleisch der SchülerInnen zu treiben. Und weil so viele Aufgewachte diesen Prozeß eventuell selbst nicht so gut verstehen, sondern sich im neuen „Land der Verbundenheit“ frei bewegen, merken sie nicht, daß sie Tips geben, die im Grunde nicht wirklich hilfreich sind. Denn auch sie beschreiben zunächst all das Schöne, das mit dem Verbundensein einhergeht. Aber offenbar haben die allermeisten den Augenblick ihrer eigenen Erschütterung vergessen und die entscheidende Priorität, die sie für das Aufwachen darstellt.

(Spax  11.7.20)

Download PDF

Fußnoten

  1. Siehe Lexikon ’ 4D / 3D / Dichte sowie den Beitrag vom 14.8.2012: The (G)Rey.
  2. Kryon ist eine von Lee Carroll gechannelte nichtphysische Entität.
  3. Bashar ist eine von Darryl Anka gechannelte Gruppen-Entität, die auf Essassani/Eshakani beheimatet ist.
  4. Abraham ist eine von Esther Hicks gechannelte nichtphysische Entität. Da es sich hierbei um den Ausdruck einer Gruppen-Identität handelt, sprechen sie von sich immer in der Mehrzahl.
  5. Siehe hierzu den Beitrag vom 27.6.20: Nüchternheit oder Glückseligkeit?
  6. Sabazius hat es schön ausgedrückt mit seinen Worten: „…mit einem Brüllen ins Anderswo gehen“. Das „Brüllen“ beschreibt hier ebenfalls das Zerreißen jener falschen Bande, die ausschließlich in unserer Vorstellung existieren.
    (Sabazius ist der spirituelle Lehrer bei Douglas Lockhart, Wer den Wind reitet, rororo transformation 1987 [1978].)