mit Pragmatismus oder Freude?

19. April 2020 at 01:00

Am allerschnellsten manifestieren sich bei mir diejenigen Gedanken, die ganz nüchtern sind, emotionslos; Gedanken, in deren Richtung ich mich ganz leicht als Option bewege, Gedanken oder Ideen, die ich z.B. durch eine Handlung energetisiere: Ich denke beispielsweise an ein Treffen mit XY und fange an, eine SMS zu schreiben, und noch während ich die SMS schreibe, ruft XY an.

Heute mag ich mal wieder einen Text korrigieren. Ja, einen kleinen Schritt machen. Einen klitzekleinen. Und dann eben noch einen weiteren. Es tun. Und dann irgendwann: es mit Freude tun. Aber die Freude – oder das, was wir allgemein darunter verstehen –, finde ich ist so ein anstrengendes Gefühl! Sie fühlt sich bei mir immer an wie „gepuschte Freude“ und nicht wie Freude, die einfach so in mir entsteht oder aufsteigt, wenn ich zum Beispiel im Flow bin.

Es ist für mich leichter, einen Flow zu erzeugen, indem ich Dinge tu′, die ich gern tu′ oder Dinge erledige, die ich gern fertig haben möchte, anstatt künstlich in mir einen Freude-Zustand zu erzeugen, der – zumindest in meinem Fall – extrem dazu neigt, zu verpuffen, sobald dieses Gefühl sich ausgelebt hat. Und dann hinterläßt es in mir eine Schalheit oder ein Gefühl, als hätte sich dieses gepuschte Gefühl nun verbraucht; es ist ein Empfinden, als sei etwas zu Asche verbrannt. Wenn ich aber mit einer pragmatischen Herangehensweise irgendwelche Dinge tu′, von denen ich weiß, daß ich sie gern erledigt haben möchte oder daß sie mir dazu dienen, bestimmte Ziele zu erreichen, dann erhalte ich generell die innere Zufriedenheit, ein kleines Stückchen erledigt zu haben. Und das erzeugt eine sehr viel stabilere Form der Zufriedenheit als ein künstliches Jippie-Gefühl, das bald wieder verpufft, weil es nicht wirklich einen Anker in mir oder meinen Handlungen findet.

Davon abgesehen ist ein künstlich erzeugtes Freude-Gefühl sehr häufig nicht dazu angetan, auch nur eine einzige von meinen Aufgaben zu erledigen, geschweige denn ein Ziel zu erreichen, denn die künstliche Freude ist nicht an physische Handlung gebunden, es schwelgt beseelt vor sich hin – was zwar für sich genommen okay ist, aber uns eben nicht verankert und uns unseren Zielen keinen Deut näherbringt. Es verpufft irgendwann, und dann sitzen wir nach wie vor dem Berg unserer unerledigten Aufgaben. Da wir aber in unserem Ausdruck auch physische Wesen sind, lieben wir es, in der Physis zu agieren. Und – zumindest für mich – ist das Pragmatische hierfür eine riesengroße Hilfestellung.

A-haa: Mein innerer Zufriedenheits-Anker wird also erzeugt durch das Ausagieren in der Physis – aktiv statt passiv. Und das ist quasi der „Fehler“, den ich im Hinblick auf Abrahams1 Aussagen immer gemacht habe. Abraham sagen: „Verbinde dich erst mit dem positiven Gefühl und erledige dann die gewünschte Aufgabe.“ Bei mir führt dies dazu, daß ich zigtausend passive Dinge tu′ (Lesen, Videos gucken, Spielen, Rätseln etc.), um ein positives Gefühl oder Entspannung zu erzeugen, aber dann eben nicht eine einzige Aufgabe angehe, auf die ich im Moment zwar keine Lust habe, die ich aber dennoch gern erledigt haben möchte. Auf diese Weise erzeuge ich zwar für den Moment ein nettes Gefühl, das aber verpufft, sobald ich diese passiven Beschäftigungen wieder fallen lasse. Es ist ein schnellebiges Verbrennen von Energie, die nicht wirklich vorhanden ist. Deshalb erhalte ich auch auf Dauer weder Energie noch ein „Lustgefühl“ im Hinblick auf meine Ziele und mache nicht einen Handschlag in diese Richtung. Doch wenn ich meine Ziele angehe oder kleine Schritte unternehme in eine Richtung, die ich mir wünsche, so greifen diese Handlungen und erzeugen jene innere stabile Zufriedenheit. Es geht also nicht unbedingt darum, Aufgaben „mit Freude“ zu tun, sondern darum: sie zu tun!

Der nüchterne Pragmatismus hilft mir also dabei, Aufgaben zu erledigen, die ich nicht mag, anstatt diese bis zum Sanktnimmerleinstag vor mir herzuschieben. Pragmatismus ist so gesehen eine Form der inneren Befreiung. Noch ein Grund mehr also, pragmatisch meine Aufgaben zu erledigen. Denn wenn ich all dieses „Gefühls- und Befindlichkeitsgerümpel“ fortgeschafft habe, erhalte ich zusätzliche Energie und ein schönes inneres Gefühl von Befreit-sein.

(Spax  19.4.20)

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Fußnoten

  1. Abraham ist eine von Esther Hicks gechannelte nichtphysische Entität. Da es sich hierbei um den Ausdruck einer Gruppen-Identität handelt, sprechen sie von sich immer in der Mehrzahl.