Zweck eines Lehrers

13. Juni 2014 at 23:59

Drache-1_SNIP_MegaraDorothyIch weiß jetzt, wozu so ein spiritueller Lehrer gut ist, es ist genau aus dem Grund wie Don Juan gesagt hat: Er gibt dir den nötigen Tritt in den Hintern.1 Genauso wie z.B. Castanedas aufregende Erlebnisse mit weiteren Zauberern. Das gibt allen eine tolle Möglichkeit, ihre Fähigkeiten bis zum Äußersten zu strecken – daher ist das so effektiv für alle Beteiligten. Dein Lehrer versorgt dich mit Sinn und Zweck und mit genügend merkwürdigen Aufgaben und Anforderungen. Ohne Lehrer mußt du das alles selbst hinbekommen. Das ist nicht einfach, wenn man sowieso schon eine Person ist, die gerne faul ist; aber das sind wir glaube ich alle untendrunter, sonst würde ja überhaupt niemand einen Lehrer benötigen.

Es ist wirklich erstaunlich: Jedesmal, wenn ich Castanedas Bücher lese, bleibt mehr haften oder ich habe noch etwas tiefergehendes kapiert, irgendwelche Punkte, die mir zuvor unklar waren oder über die ich hinweggelesen habe. Es ist auch durchaus möglich, daß beim erneuten Lesen in den Büchern teils etwas abgewandelte Geschichten stehen. Es sind ja schließlich „Zauberbücher“, wo unendlich viele Dinge „zwischen den Zeilen“ stehen. Was bedeutet: Die Bücher bestehen aus einer bestimmten Energie. Und je nachdem, was ich selbst gerade ausstrahle, diese Bedeutung ziehe ich an für mich. Ich lese jeweils diejenige Bedeutung für mich heraus, die ich gerade benötige und mit der ich etwas anfangen kann. Es ist wie bei meinen eigenen Texten: Ich kann an den Statements sehen, was jemand an welcher Stelle wie verstanden hat. Wieso sollte ich etwas „korrigieren“, wenn doch gerade jemand einen Punkt hat, an dem er für sich etwas erkennt?

Nur wenn ich einen Sinn habe, stehe ich auch auf. Das können sogar Termine sein, die ich blöde finde und die mich nerven. Auch daher ist es wichtig, sich einen Grund zu geben fürs Aufstehen. Erst ein Sinn erfüllt mich mit Begeisterung, weil er mir eine Richtung gibt. Und so wird der Sinn zum „Zweck“ (purpose): Er gibt mir eine Richtung, einen Antrieb. Daher ist es durchaus notwendig, sich „Ziele“ zu setzen. Die Lehrer erreichen dies, indem sie ihren Schülern suggerieren, daß diese eine bestimmte Haltung einnehmen und bestimmte Aufgaben erledigen müßten, ansonsten drohe der Tod. Denn die Angst vor dem Tod gibt uns den nötigen scharfen Fokus und den Willen, die wie auch immer gearteten Aufgaben zu erledigen.

Und genau das ist, was man begreifen muß, wenn man keinen Lehrer hat: daß man sich selber seine Ziele stecken muß, die man erreichen will (explizit die geistigen, die Ausrichtung des Fokusses, die Aufmerksamkeit). Daher ist es gut, wenn ich mir Dinge angewöhne, die mit meinem Bewußtseinsziel einhergehen, daß ich sie einfach tu′, um meine Energie nicht wieder zu verlieren; z.B. Übungen, Bewegung, weniger Schlaf etc. Alles, was auch ein wenig Überwindung kostet, denn nur so lerne ich, willentlich meine Widerstände aufzulösen – indem ich diese Dinge tu′, ohne sie zu diskutieren.

Na, hier bin ich wieder bei meinem Lieblingsdiskussionspunkt: Tu′ die Dinge von denen du weißt, daß sie dir bei deinem Zweck weiterhelfen, auch wenn keiner mit einer Peitsche hinter dir steht.

(Spax 13.6.14)

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Fußnoten

  1. Don Juan in Carlos Castaneda: The Power of Silence, Simon and Schuster 1987, 270 (engl.). Don Juan war der spirituelle Lehrer von Castaneda. Die Gruppe der Seher um Don Juan bezeichneten sich häufig als „Krieger“ oder „Zauberer“.