Welten in Welten

19. März 2016 at 23:42

Erde-Verantwortung_SNIP_geraltWelten liegen über Welten; Welten liegen in Welten; Welten durchziehen sich. Und vielleicht hinterläßt eine andere Welt, in die wir eingebettet sind, von der wir aber schwingungstechnisch entfernt sind wie die Sonne vom Mond, vielleicht hinterläßt eine solche Welt dennoch einen Eindruck auch auf dieser Welt – und andersherum. Alles durchdringt alles. Und letztlich kann man alle Welten, sämtliche Universen, das ganze riesige All auf die Größe eines Stecknadelkopfes komprimieren. Denn letztlich ist alles eine Energie, denn letztlich ist alles – eine Idee. Und wieviel „Platz“ braucht eine Idee oder Vorstellung? – Das ist die schrillste „Erfindung“ überhaupt: eine physische Welt und daß man sich als physisches Wesen empfinden kann.

Ich möchte wieder bewußteren Zugang haben zu meinen geistigen Fähigkeiten, nicht nur dem Sehen, auch dem Reisen, dem Sich-Unsichtbarmachen undsoweiter. Vor allem reisen – reisen zwischen all diesen Welten. Ich weiß, wir tun dies andauernd, aber ich möchte es bewußt haben, es bewußt können. Das bedeutet, ich muß zum einen wieder bewußter im Jetzt sein und zum anderen verankert mit meinen Impulsen, mit meinem „Impulskörper“, falls es so etwas gibt, denn der „Impulskörper“ beinhaltet den Fokus, der all diese Dinge steuert.

Um in diesen Impulskörper zu gelangen, muß ich den vordergründigen Fokus auf meine Person zurücknehmen können und in den Hintergrund stellen. Ich muß also den Prioritätsfokus umkehren, so daß die Wahrnehmung meiner 3D-Persönlichkeit fokussiert ist als Beobachter für die Aktionen des Impulskörpers. Denn wenn wir auf 3D fokussiert sind, ist es anders herum: der Primärfokus liegt auf meiner 3D-Welt und meiner 3D-Persönlichkeit mit all ihren Glaubenssätzen, während das Higher Self, welches den Impulskörper steuert, im Hintergrund all meine Aktionen beobachtet.

Beide Körper sind stets miteinander verbunden, genau wie all diese myriaden Welten, die sich durchdringen und überlagern und von denen wir nichts mitbekommen, weil unser Fokus auf eine spezielle Welt gerichtet ist. Doch bloß weil wir dies nicht wahrnehmen mit unserem 3D-Fokus, heißt es nicht, daß sie nicht da wären, die anderen Welten. Nur manchmal spüren wir das Vorhandensein anderer Schwingungen, anderer Ideenkomplexe. Wenn wir es hinbekommen, mehr von diesen anderen Welten und Wahrnehmungsmöglichkeiten wahrzunehmen, so dehnen wir uns innerlich aus, werden bewußter. „Bewußtheit“ in diesem Sinne bedeutet, sich zeitgleich unterschiedlicher Strömungen und verschiedener Schwingungen gewahr zu sein. Und das geht nur, wenn der Fokus weicher wird und durchlässiger für andere Wahrnehmungsbereiche.

Spirale_kupfer-blau_SNIP_AzDudeUm verschiedene „Welten“ zeitgleich wahrzunehmen, ist es daher notwendig, den intensiven Fokus von der Ich-Persönlichkeit zu nehmen, von dem, was wir glauben zu sein. Denn solange wir festgelegt sind auf nur eine einzige spezifische Anschauung, ist es nicht möglich, auch anderes wahrzunehmen. Ein gutes Beispiel oder eine gute Übung, um einen „durchlässigeren Fokus“ zu trainieren wäre, wenn wir zum Beispiel in der Lage sind, uns in die Denk- und Vorstellungsweise Anderer hineinzuversetzen, sich hineinzufühlen in die Lebens- und Denkweise eines Anderen. Das Begreifen erfolgt über das Fühlen, das Erspüren, und hierfür müssen wir als erstes unser Hirn ausschalten, unseren üblichen Denkprozeß, der alles in Begrifflichkeiten festlegt und für alles irgendeine „wissenschaftliche“ Erklärung sucht. Gut kann man das üben, wenn man Tiere beobachtet und sich in sie hineinfühlt oder auch Pflanzen. Menschen sind ein wenig schwieriger, weil uns hier in der Regel unsere vorgefertigten Meinungen, Bewertungen, Vorurteile etc. im Wege stehen.

Unterm Strich kann ich also sagen, das Fühlen macht den Unterschied. Und unser Fühlen fließt frei, wenn wir in der (Gedanken)Stille sind – jene innere Stille, die entsteht, sobald unsere Flohgedanken schweigen. In der Stille sind wir verbunden mit dem Impulskörper, während unsere alltäglichen Gefühle von Gedanken an oder über etwas gesteuert werden. Der Prozeß des Loslassens bezieht sich daher vorwiegend auf unsere Denkgewohnheiten; denn wir müssen das Kopfdenken mit all seinen gewohnten Inhalten loslassen, wenn wir ins Fühlen fallen wollen, wenn wir überhaupt in einen anderen Wahrnehmungsbereich gelangen wollen als jenen, der über den Kopf gesteuert wird.

Insekt-Wasserläufer_SNIP_AdinaVoicuHier ist eine kleine Mücke oder Fliege, die außen an meinem Fenster auf und nieder tanzt, als wolle sie herein. Was nimmt diese Mücke wahr? Ich glaube immer wieder – auch an der Art wie sie sich bewegen –, daß Insekten sich stets auf den Energielinien fortbewegen.

Hierbei fällt mir Messner ein, der gesagt hat, wenn er einen Berg erklettert hat, eine Linie zurückbliebe – zwar unsichtbar für das Auge, doch ewigwährend dort steht, weil er durch seine Aktion diese Energielinie geschaffen habe.1 Das ist wahr. Jeder Gedanken und jede Aktion bleibt bestehen, als wenn wir eine Geschichte in ein Buch geschrieben hätten. Deshalb ist es auch möglich, sämtlichen Linien zu folgen, sie nachzuempfinden.

Castaneda2 hat gelernt, wie die anderen Zauberer auch, diese Energielinien zu sehen. Ich denke an die Begebenheit, wo er Don Genaro dabei beobachtet, wie dieser über einen Wasserfall oder einen Abgrund „schwebt“ und sich auf für unsere normale Wahrnehmung bizarre Art vorwärtsbewegt. Da Castaneda zu diesem Zeitpunkt die Linien noch nicht sehen konnte, erschien es ihm wie ein „Wunder“ und daher für seinen Verstand unglaubwürdig. Später, als er selbst die Energielinien sehen konnte, wurde deutlich, daß Don Genaro durch seinen Willen eigene „Energiefasern“ wie Anker auswirft und sich an diesen Linien oder Fasern wie an Seilen entlanghangelte. Daher sah Castaneda zuvor lediglich „merkwürdige Handbewegungen“, die Don Genaro „in der Luft“ vollführte, nicht jedoch, was die Ursache für diese Handbewegungen war.

Diese Energie- oder Lichtfasern sind Teil des Impulskörpers und werden von diesem über einen entsprechenden Fokus und Willen ausgeworfen und gesteuert. Es funktioniert auf dieselbe Weise, wie wenn wir mit unserem Willen, der mit unserem Denkhirn, mit unserer Ich-Persönlichkeit verknüpft ist, unseren Fokus z.B. auf irgendwelche Ziele legen, die wir erreichen wollen. Hierfür müssen wir unseren Fokus auf unserem Ziel und unserem Denken haben. Um den Willen des Impulskörpers nutzen zu können, müssen wir allerdings mit der Wahrnehmung unseres Impulskörpers verbunden sein; und das geht nur, wenn wir unseren Primärfokus von unserer Ich-Persönlichkeit und dem hiermit verbundenen Denkprozeß lösen und somit den Primärfokus unserer Wahrnehmung verändern. Es ist hierbei nicht einmal notwendig, irgendwelche Energielinien zu sehen, damit dieser Prozeß funktioniert; denn wenn wir mit dem Willen des Impulskörpers verbunden sind, funktioniert eine hiermit verbundene „Zielerreichung“ genauso tadellos wie der uns vertraute Prozeß, den unsere Ich-Persönlichkeit anwendet. Denn während des uns vertrauten Prozesses denken wir nicht wirklich darüber nach, ob wir unsere Ziele erreichen, wenn wir bestimmte Handlungen ausführen, sondern haben Vertrauen in diesen Prozeß.

Energie_bunt_SNIP_geraltUnd genauso, wie der Zweifel uns im Alltagsleben zu Fall bringt, so verhindert das Zweifeln während der Aktionen meines Impulskörpers ebenfalls das Erreichen des gesetzten Zieles. Vertrauen in den Prozeß ist unabdingbar für die Erreichung des jeweiligen Zieles. Auch das ist interessant, wenn man bedenkt, daß der Zweifel ein Resultat ist unserer Ich-Persönlichkeit, die sich zu einem sehr großen Teil auf Angst gründet. Interessant deshalb, weil der Impulskörper per se mit dem erforderlichen Vertrauen ausgestattet ist und daher gar keinen Zweifel haben kann. Was hier passiert, wenn irgendwelche Aktionen des Impulskörpers „schiefgehen“ ist, daß der Zweifel unserer Ich-Persönlichkeit sich plötzlich zu Wort meldet. Und das bedeutet, daß mein Fokus nicht mehr zu hundert Prozent auf dem Impulskörper liegt, sondern dabei ist, wieder auf die Ich-Persönlichkeit umzuschwenken.

Dieses Vertrauen, es ist wie der freie Fall: beängstigend für unser Ich, das über alles Kontrolle haben möchte. Vertrauen zu lernen ist nicht leicht für unsere Ich-Persönlichkeit, weil diese sich eben auf Angst gründet; die Angst, die entstanden ist aufgrund der Zerstörung von dem Vertrauen, mit dem wir zunächst geboren wurden. Daher klammern wir uns fest an unserer Ich-Persönlichkeit wie Ertrinkende, denn sie ist das, was wir entwickelt haben als Ersatz, als Rettungsanker für das verlorene Vertrauen und unsere Verbindung bzw. den verlorenen Primärfokus durch unser Higher Self.

Vertrauen setzt eine innere Öffnung voraus, ein inneres Zulassen; und diese innere Weitung erlangen wir wiederum durch das Loslassen, das Loslassen des Fokusses und der Prämissen unserer Ich-Persönlichkeit. – „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust…“3

(Spax  19.3.16)

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Fußnoten

  1. Reinhold Messner in dem Film von Werner Herzog: Gasherbrum: Der leuchtende Berg (als YouTube-Video, bei ca. 41:00–41:30)
  2. Carlos Castaneda machte eine spirituelle Ausbildung in einer Gruppe von Sehern, die sich auch als „Zauberer“ bezeichneten. Seine Lehrer waren vor allem Don Juan und Don Genaro.
  3. Johann Wolfgang von Goethe: Faust, C.H. Beck 1999 [1986], S. 41 (Vers 1112).