Wahrnehmungsgrenzen

17. Oktober 2015 at 06:26

Filmstreifen_snipFilme gucken und Lesen ist wie reisen für mich, bringt meinen Fokus fort vom Hier und Jetzt – in die Phantasie anderer sozusagen. Es fesselt mich innerlich, als würde ich an den dort erzählten Abenteuern teilnehmen. Dann finde ich mein Leben aufregender, wenn ich mich mit solchen Geschichten befasse. Ist es nicht auch wie ein inneres Reisen? Natürlich. Der Vorteil ist, du kannst dir im Vorhinein das Ende der Geschichte anschauen. Oder kannst eine Geschichte wieder und wieder lesen. Oder wegschauen, manche Punkte ignorieren.

Aber genau diese Dinge tun wir doch auch alle in unserem 3D-Alltagsleben! Wir sind angefüllt mit Dingen, die wir ins Unterbewußtsein gepackt haben; wiederholen endlos bestimmte Themen und Szenarien, an denen wir arbeiten oder knabbern; und wissen häufig im Vorhinein, wie etwas ausgehen wird, denn unser Higher Self versorgt uns mit entsprechenden Informationen. Vielleicht ist unser Unterwegssein nachts ebenfalls nichts anderes als eine tiefe Meditation, während der ich mir verschiedene Optionen, Handlungsstränge und -verläufe genauestens angucke. Genauso, wie Tabaash1 das erklärt hat für das Inkarnieren: Man taucht in die verschiedenen Szenarien ein und spürt diesen nach. Und ich glaube, das ist genau das, was das Higher Self eben permanent betreibt. Das würde bedeuten, daß der Grundzustand des Higher Self ein meditativer ist. Hmm. Mit welchem Fokus? Mit welcher Art der Wahrnehmung? Es fühlt sich so an, als könne das Higher Self sozusagen alles wahrnehmen – was korrekt ist. Aber welcher Aspekt lenkt hier meinen Fokus? In welchem Zusammenhang ist der Ich-Aspekt mit dem Higher Self verwoben?

Man kann es gut erklären vom Standpunkt des 3D-Tagesbewußtseins her: Weil irgendwelche Themen oder Fragen mich beschäftigen, habe ich auf diesen Dingen meinen inneren Fokus liegen, wodurch mein Tagesbewußtsein bestimmte Fragen, die hiermit einhergehen sozusagen dem Higher Self vorlegt, jenem Aspekt von uns, der überall hinreisen und sich alles anschauen kann – und zwar ohne den hinderlichen Zeitaspekt. Zeitgleich ist das Higher Self mit unzähligen Parallel-Wahrnehmungen befaßt und versorgt all meine anderen Leben genauso mit Informationen. Das würde bedeuten, daß die Wahrnehmungen des Higher Self von zum Beispiel den jeweiligen Leben angestoßen oder gelenkt werden.

Doch bevor mein Bewußtsein sich in spezifische Einzelpersonen fokussiert (inkarniert), muß ja ein Ich-Aspekt sich aus dem Higher Self heraus für den Fokus auf dieses oder jenes Leben interessieren. Wie funktioniert das? Wir sind so stark auf das Persönliche trainiert, identifizieren uns mit unserem Tagesbewußtsein, daß wir kaum in der Lage sind, unseren Ich-Aspekt auf andere Weise wahrnehmen zu können. Und doch muß er ja vorhanden sein, denn sonst könnte ich mich nicht fokussieren auf auch nur irgendetwas (z.B. ein spezifisches Leben).

Gehe ich mit meinem Fokus mehr ins Higher Self, so verschwindet der kleinteilige Fokus, den wir im physischen Leben gewohnt sind. Das Higher Self erscheint mir wie ein leuchtendes Firmament, das sich über all unsere Leben spannt. Es ist nicht das Kollektivbewußtsein, hat aber Zugang hierzu, es ist nicht das Gesamtbewußtsein, aber mit diesem direkt verbunden. Wir haben uns durch die Entwicklung des Ta­ges­be­wußt­seins vom Fokus des Higher Self abgetrennt, um staunend zurückblicken zu können, um das Wunder zu erkennen, das wir sind.

Der Ich-Aspekt, der meine Wahrnehmung lenkt, ist fast nicht greifbar. Am deutlichsten wird es durch unser Tagesbewußtsein: Mit dem Tagesbewußtsein erzeugen wir eine Spaltung in der Wahrnehmung. Durch den starken Fokus auf den Ich-Aspekt tritt der Fokus der allumfassenden Wahrnehmung in den Hintergrund (als Higher Self). Und erst durch diese Trennung ist es möglich, das Higher Self als „übergeordneten“ Be­wußt­seins­aspekt wahrzunehmen. Heißt das, daß Wahrnehmung – auch des Ich, des „Ich-bin“ – grundsätzlich nur in einer stärker oder schwächer empfundenen Getrenntheit stattfindet? So muß es sein, denn sämtliche Aspekte, die wir in der Vereinzelung (z.B. als Person) wahrnehmen, müssen auch im erweiterten Wahr­neh­mungs­zu­sam­men­hang gelten – denn nichts ist im Urgrund getrennt voneinander.

Knopf-Baum-bunt_SNIPHeruntergebrochen gelange ich also zur Frage: Wie entsteht aus dem Ge­samt­be­wußt­sein, unserem „göttlichen Kern“ des Seins, überhaupt ein Ich-Empfinden? Zum einen müßte es bedeuten, daß der göttliche Kern (Gesamtbewußtsein) bereits ein Ich-Empfinden hat, denn alles was Ist, alles was existiert, ist aus diesem Kern direkt hervorgegangen. Dies wiederum würde bedeuten, daß auch jener göttliche Kern bereits „getrennt“ ist von einem noch Größeren. Und hier bin ich wiederum an genau jenem Punkt des Un-Vorstellbaren, der Unerklärlichkeit des Seins an sich. So, wie ich aus mir heraus, wenn ich in tiefen Meditationszuständen mich mit übergeordneten Be­wußt­seins­aspekten verbinden kann, wenn ich sogar in der Lage bin, zu einer Empfindung des göttlichen „Ich-bin“ gelangen kann, doch nicht in der Lage bin, hierüber hinauszugehen in meiner Wahrnehmungsfähigkeit. Und warum nicht? Weil ich dies bin. Und wenn ich etwas zu hundert Prozent bin in meiner gesamten Wahrnehmung, ist es unmöglich, einen Blick darauf zu werfen.

Es ist uns gelungen, unser Bewußtsein so weit in die Trennung zu fokussieren, daß wir in der Lage sind, verschiedene Aspekte des Bewußtseins wahrzunehmen und beschreiben zu können; doch das Bewußtsein an sich, der „Stoff“, aus dem wir bestehen, der alles ausmacht was wir sind sowie was wir wahrnehmen, ist unmöglich zu beschreiben. Das Sein an sich ist nicht beschreibbar; der Ich-Aspekt ein wesentlicher Teil des Seins, der allerdings das Sein nicht beschreiben kann, sondern lediglich all die Auswirkungen, das Erleben, das wir haben, unsere Handlungen. Will ich den Kern der Frage in den Fokus nehmen, werde ich verrückt daran.

Doch wie es mir im Moment erscheint, ist der Kern unseres Erlebens ein tief meditativer Zustand. Und jegliche wahrnehmbaren Ausformungen darin sind wie Traumbilder, in die wir uns hineinfokussieren können und hierdurch das Empfinden eines Erlebnisses hervorgerufen wird. Eine Entwicklung oder überhaupt die Möglichkeit, etwas kreieren zu können, wäre in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, eine Frage zu stellen – was nichts anderes ist als die Wahrnehmung eines Ich in der Bezogenheit auf ein Anderes. Erst durch das Ich wird Wahrnehmung möglich und damit auch, einen Fokus setzen zu können. Das Ich ist somit im Urgrund mit dem Sein verwoben – fast würde ich sagen, es sei dasselbe. Doch das Ich erlebt das Sein in seiner Bezogenheit; es ist daher ein Aspekt des Seins und nicht das Sein selbst. Das Ich wäre grundlegend in diesem Verhältnis jeweils der Teil, der sich in Beziehung setzt zu den Fragen, die es sich stellt, und in einem Nachhinein die Erlebnisse, die das Ich im Ausdruck des Seins hat, in Bezug auf Erleben und Frage analysiert, erklärt und darauf aufbauend zu neuen Fragen und Erlebnissen gelangt.

Wir können uns also entweder im „göttlichen Sein“ (Erleben) befinden oder in der Wahrnehmung des Ich (Analyse, Frage). Es ist zwar möglich, das Erleben fast mit dem Ichzustand zu verquicken – das Erleben der Einheit –, doch der Ich-Aspekt formt das Erleben aus, lenkt es durch Wahrnehmung und Fokus in bestimmte Richtungen. Sobald also die Wahrnehmung eines Ich existiert, würde dies bedeuten, man sei hierdurch bereits vom reinen Erleben des Seins getrennt. Da beißt die Katze sich in den Schwanz, denn wir sind nicht in der Lage, ein Ich-loses Erleben überhaupt zu empfinden oder wahrzunehmen. Denn selbst wenn ich mich in dem „Bin“-Zustand befinde (Nirwana), ist da ja immer noch ein „Jemand“ (ein Ich), der dieses Erleben erlebt!

Hier mache ich jetzt mal Schluß, sonst kriege ich Verwringungen in meinem Hirn. Es ist – zumindest für mich in diesem Moment – ein Un-denkbares… (Aber eine Wahr­neh­mungs­grenze, an die ich immer wieder mal stoße. Aaargh, es wurmt mich, daß ich nicht hierüber hinausgelangen kann! Doch gab es auch andere „harte Grenzen“, die ebenfalls große Brocken in meiner Wahrnehmung darstellten – von daher gehe ich davon aus, daß auch diese Barriere irgendwann sich erschließen wird; ob in diesem oder einem anderen Leben sei dahingestellt.)

(Spax 17.10.15)

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Fußnoten

  1. Blair Styra: Don′t Change the Channel, Ozark Mountain Publishing 2014 (engl.). Blair Styra channelt Tabaash.