Unser Spukhaus

9. April 2016 at 04:12

Schloss_SNIP-2_jonathansautterGestern im Netz bin ich auf jemanden gestoßen – Guy Needler1 –, der zahlreiche Dimensionen erkundet. Er hat verschiedene Wesenheiten kennengelernt, mit denen er kommuniziert: Gott, das Absolute, zwölf Schöpferwesenheiten und ungezählte weitere. Guy sagt z.B., unser Universum bestehe aus 408 „Ebenen“, die er als Dimensionen bezeichnet usw. Zunächst fand ich das spannend, doch bei näherer Betrachtung war mir klar, daß es sich hierbei um seine eigenen Projektionen handelt, die verbildlicht werden, damit er sie auf seine Weise versteht. Er kategorisiert alles und beschreibt die Zusammenhänge auf eine sehr physikalische Weise.

So interessant seine Ausführungen auch sein mögen, so ist dies nach wie vor eine Schau, die nicht vom Bewußtsein her „denkt“ und wahrnimmt, sondern von unserer allgemeinen Ansicht herrührt, daß „Ich“ hier bin in diesem Körper und Zusammenhang, und dort ein Universum existiert, welches man von dieser Position aus beschreiben und ergründen könnte. Diese Sicht ist nicht anders als unsere übliche 3D-Sicht, von der aus das eigene Umfeld als etwas Getrenntes wahrgenommen wird – nur wird dieses Umfeld nun ausgeweitet auf innere Wahrnehmungsbereiche. Meiner Ansicht nach ist dies nichts anderes, als wenn ich mich mit meiner Wahrnehmung in ein anderes „Zimmer des Spukhauses“2 begebe. Dies ist zweifelsohne faszinierend, aber es ist dennoch nicht das „Aufwachen aus dem Traum“, aus der Illusion, die wir kreiert haben: Ich bin „hier“, und „dort“ ist ein Anderes, das ich von hier aus wahrnehmen kann.

Diese Sichtweise wurzelt ebenso in unserem erlernten Denken, alles sei in Hierarchien aufgebaut und eines stünde „über“ dem nächsten. Vor allem wurzelt es in unserem Ich-Training, bei welchem das vorherrschende Merkmal ist, daß wir uns von der eigenen ursprünglichen Wahrnehmung sowie dem Empfinden, ein Teil von Alles-was-Ist zu sein, wegtrainieren. Wir lernen, uns mit einem auf diese Weise künstlich aufgebauten Ich zu identifizieren, anstatt diesen Mechanismus als ein Werkzeug zu begreifen. Darüber verlieren wir jedenfalls in unserer 3D-Wahrnehmung unsere ursprüngliche Identifikation mit Allem-was-Ist, die durch eine Wahrnehmung des Getrenntseins ersetzt wird: Hier bin Ich und dort alles andere. In dieser Wahrnehmung wird alles zu einem Dinghaften, ganz gleich, ob es sich um andere Personen, einen Baum oder auch Dimensionen oder Universen handelt.

Wo habe ich das gelesen, daß das Ich „ein Werkzeug“ sei, und diese besondere Ich-Erfahrung Alles-was-Ist in eine neue Form der Wahrnehmungsmöglichkeiten führt, von denen Alles-was-Ist zuvor „nichts wußte“? Bei Seth3 war das. Für mich bedeutet unser Bewußtseinsspiel, daß auch die Getrenntheitswahrnehmung durch die Erzeugung eines „zweiten Ich“ selbstverständlich in Allem-was-Ist gespeichert war, denn sonst könnten wir diese Erfahrung nicht machen oder diese Wahrnehmung nicht haben. Für mich bedeutet unsere Erfahrung, daß Alles-was-Ist eine ähnliche Reise zur Selbst-Erkenntnis durchläuft, wie auch wir es tun. Hierbei hat Alles-was-Ist gleichfalls unbewußte Aspekte, die erst voll ins Licht und Bewußtsein geraten, sobald es selbst „aufwacht“. Natürlich gilt diese Sichtweise nur für unseren eigenen Wahrnehmungsraum und die zugehörigen Frequenzen; denn in anderen Erfahrungsräumen ist sich Alles-was-Ist durchaus über jeden einzelnen Aspekt vollkommen bewußt. Wäre dem nicht so, wir könnten eine solche Bewußtseinsreise garnicht antreten oder uns ausdenken, denn Alles alles alles ist immer und überall: zeitgleich im ewigen Jetzt gegenwärtig.

Atome-Grafik_SNIP_geraltWas die meisten bei all ihren spannenden und zahlreichen Abenteuern, Erlebnissen und Wahrnehmungsreisen offenbar stets vergessen, ist das eigene Bewußtsein, das immer und überall quasi dasselbe ist wie Alles-was-Ist. Alles, was ich aus dem Ich-Empfinden heraus wahrnehme, welches sich stets als ein Getrenntes sieht, ist dennoch ein Ausdruck von Allem-was-Ist. Daher ist ein Jegliches, was ich wahrnehme ein innerer Teil von mir – ein eigener Ausdruck, bei dem ich alles selbst erschaffe durch den Traum, den ich träume, durch die Vorstellungen, die ich habe. Lediglich unser Verstand sucht nach Erklärungen, das Sein als solches braucht sie nicht. Aber im Sein bin ich nur, wenn ich mich eben nicht als ein Getrenntes wahrnehme und dem Glauben unterliege, alle Dinge und Konzepte würden per se existieren und eben nicht ausschließlich in meiner eigenen selbst geschaffenen Vorstellungswelt.

Allein durch unsere Erschaffung der Illusion von Zeit sowie der damit einhergehenden Empfindung von Linearität ist es zu schulden, daß wir permanent besessen sind von dem Wahn, irgendwo müsse es einen Anfang und ein Ende geben. Hierüber kommen wir nicht hinweg in unseren 3D-Vorstellungen. Allein deshalb finden wir in jeder Kultur, bei jedem Volk entsprechende Schöpfungsmythen sowie dazu passende Geschichten von Evolution und Entwicklung etc. Doch all diese Geschichten sind eingebettet in Allem-was-Ist und sind und waren immer schon im ewigen Jetzt. Bestimmte Ideen werden ausgelebt, wenn ich meinen Fokus darauf lege; ich könnte nicht einmal sagen, daß all diese Dinge „neu geschaffen“ werden, denn sie sind wie Samen immer schon in Allem-was-Ist vorhanden. Indem sich bestimmte Bewußtseinsanteile auf die eine oder andere Idee fokussieren, gelangen diese Samen zur Blüte – und selbst diese Blüten waren und sind immer schon vorhanden im ewigen Jetzt, im Sein, in Allem-was-Ist.

Ich weiß, das ist wirklich schwer zu begreifen, da wir uns von unserer „psychologischen Aufmachung“ her so explizit im Getrenntsein wahrnehmen und wir daher kaum in der Lage sind, den hiermit verbundenen Ich-Fokus zu lösen. Es ist wirklich fast nutzlos, all diese „Erklärungen“ über das Bewußtsein zu geben, denn sie können nicht verstanden werden, sondern ausschließlich erfahren.

Sobald ich vom Bewußtsein her denke – und ganz gleich, ob ich es durch und durch „begreife“ oder nicht –, kann ich an den Erklärungen, die jemand gibt erkennen, ob er vom Bewußtsein her „denkt“ oder sich nach wie vor als ein Getrenntes wahrnimmt und daher aus dieser Sicht seine Welt und seine Erlebnisse darin beschreibt; und zwar ganz gleich, ob es sich um Erlebnisse des Physischen oder Erlebnisse in geistigen Räumen handelt. Und nur von dieser Sichtweise her kann man erkennen, ob sich jemand in ein „anderes Zimmer des Spukhauses“ – des Empfindens von Getrenntheit – begeben hat oder das Spukhaus tatsächlich verlassen hat und also aufgewacht ist.

(Spax  9.4.16)

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Fußnoten

  1. Siehe z.B. YouTube-Video Guy Needler A History of God Lecture Preview.
  2. Als „Spukhaus“ bezeichnete Don Juan, der spirituelle Lehrer von Castaneda, bisweilen die übliche verzerrte Wahrnehmung unserer Welt. Dieses Spukhaus hätte viele Zimmer, in denen man sich leicht verirren könnte – als Synonym für weitere Wahrnehmungsbereiche, die uns in 3D offenstehen.
  3. Seth war eine von Jane Roberts gechannelte Entität. Jane Roberts: Gespräche mit Seth – Von der ewigen Gültigkeit der Seele, Goldmann 1986 [1972]. (Roxie channelt nun manchmal Seth und auch Jane.)