Ruf der Matratze

25. Juni 2014 at 03:08

 Schlaf-5-Frau_SNIP_AdinaVoicuErst kann ich immer nicht einschlafen und dann scheine ich in die Matratze zu versinken wie in einen Ozean. Durch das Hinlegen passiert irgendwas im Kopf/Hinterkopf, so daß man wie in eine Bewußtlosigkeit fällt. Wenn ich meinen Kopf in die Horizontale sinken lasse, entsteht ein leichter „Strudel“ im Hinterkopf, der mich leicht schwindelig fühlen läßt – und in diesem Schwindelgefühl wird mein Bewußtsein sozusagen fortgezogen.

Der Hinterkopf ist die entscheidende Schnittstelle zwischen Tagesbewußtsein und Schlaf- oder Traumzustand. Über den Hinterkopf sind wir scheinbar energetisch mit dem „Draußen“, mit Allem-was-Ist verbunden; er ist die Ein- und Ausgangstür des Bewußtseins, wenn es sich mit unserem Körper verbindet oder eben auf Reisen geht. Doch egal, wo es sich hinbewegt, bleibt der jeweilige Körper zu jeder Zeit im Fokus des Bewußtseins erhalten – nur wenn wir schlafen halt nicht im Hauptfokus.

Don Juan1 hatte dem Castaneda ja zur Totalentspannung eine spezifische Bauchlage empfohlen, bei der die Füße und Fußsohlen jedoch frei bleiben, indem sie über die Bettkante hängen. Das stimmt: Diese Lage zieht mich in eine tiefe Entspannung auf einer bestimmten Ebene.

Es ist sowieso sehr erstaunlich, welche verschiedenen Emotionen oder Gefühle die jeweilige Schlafposition auslöst, je nachdem, welche Körperteile die Matratze berühren. Bei einer weichen Matratze, so wie ich sie gerade habe, erhalten die Körperteile den Eindruck, sie würden schweben, ein Empfinden von Schwerelosigkeit. Je nachdem, welches Körperteil auf diese Weise berührt und dadurch entspannt wird, scheinen hierdurch unterschiedliche „Botschaften“ transferiert zu werden.

Ich merke z.B., daß ich auf der linken Seite mich anders fühle als wenn ich auf der rechten Seite liege; und daß es aber Phasen der „linken Seite“ gibt und Phasen der „rechten Seite“, wo ich mich auf der jeweiligen Seite irgendwie wohler fühle als auf der anderen. Kann sein, daß das mit den Mondphasen korreliert, denn die Bevorzugung der linken oder rechten Seite erstreckt sich immer über einen längeren Zeitraum (ggf. zwei Wochen, vielleicht aber auch mehr).

Die Entspannung in der Rücken-Lage, mit der ich meinen Schlafprozeß üblicherweise starte, läßt – vielleicht durch den Kontakt des Hinterkopfes mit dem Kissen – das Tagesbewußtsein in jenen leichten „Strudel“ fallen; es wird hierdurch unfokussiert und das Liegen auf der Wirbelsäule läßt den Körper ganz wunderbar entspannen. Vielleicht ist es auch deswegen, daß man schnarcht, wenn man auf dem Rücken liegt, eben weil der Körper dann so entspannt ist – Schnarchen als ein Ausdruck des Wohlgefühls, wie das Schnurren einer Katze.

Wie ist es, wenn man auf der Seite liegt? Hierbei berührt – wie bei der Bauchlage – eine Schläfe das Kissen oder die Matratze, die Wirbelsäule ist ebenfalls frei und Seitenteile der Oberschenkel und anderer Körperteile haben Kontakt.

Don Juan sagt, in den Oberschenkeln (und Unterschenkeln?) sei unsere persönliche Geschichte gespeichert. Wenn hingegen unsere Füße den Boden nicht berühren, wie z.B. beim Schaukeln (Schaukel, Hängematte usw.), würden wir „leicht“, denn die Fußsohlen würden uns ganz direkt mit den Energien der Erde verbinden. Man könnte also sagen, daß wir durch die Verbindung der Füße mit dem Boden uns ebenfalls energetisch mit 3D verbinden. Doch auch die Füße liegen frei, wenn ich auf der Seite liege.

Schlafen-3-Hängematte_SNIP_robertofotoManchmal verdrehe ich mich ja gern und liege z.B. mit dem Oberkörper rücklings und verdrehe den Unterköper zu einer Seite und meist den Kopf zur anderen, das finde ich auch immer sehr entspannend, dieses Verschraubte.

Die Schulterpartien haben eine deutliche Wirkung bei mir, das merke ich insbesondere morgens, wenn ich eigentlich schon wach bin und dann auf eine meiner Schulterseiten oder dem Schulterblatt zu liegen komme und dann gern den Kopf weit nach hinten strecke. Diese Position bringt mich jedesmal dazu, sofort wieder einzuschlafen, aber sie macht mich immer auch happy. Kann sein, daß ich am ehesten in dieser Position „die Stimme der Wahrnehmung“ höre – Instruktionen, die ich manchmal im Halbschlaf erhalte (mehr hin zu „wach“).

Heute Nacht bzw. vorm Aufwachen war ich beispielsweise mit einer Gruppe Zauberer verbunden, die mich angeleitet haben und konnte mich noch daran erinnern. Ich stand vor einer Entscheidung, irgendetwas zu machen, eine Übung, doch bevor ich noch die Entscheidung getroffen oder die Übung ausgeführt habe, bin ich aufgewacht. Aber dieses Bild blieb bestehen. Und so weiß ich, daß ich kurz davor war, ins Dreaming – in einen Wachtraum – zu geraten.

Je nachdem, welcher Körperteil in die Matratze sinkt, werden womöglich andere „Erinnerungsbereiche“ angeregt. Man könnte fast sagen, daß durch die Wahl meiner jeweiligen Schlafposition ich bestimmte Reisen meines Bewußtseins oder bestimmte Aspekte anrege. Das müßte doch effektiv zu nutzen sein! Das mal genauer beobachten und untersuchen, mit welchen Themen oder Szenarien ich befaßt bin, je nachdem, mit welchen Körperteilen ich während des Schlafens die Matratze berühre.

Ich könnte das ja mal ausprobieren, wie es ist, wenn ich eher so halb aufrecht schlafe, wie wenn ich auf dem Sofa ein Nickerchen mache. Ich glaube, daß die Zauberer oder Schamanen eher so Nickerchen machen, vielleicht während sie in einem Schaukelstuhl oder ähnlichem sitzen. Möglicherweise ist es doch besser fürs System, so halb im Sitzen zu „schlafen“, vielleicht bleibt man dann eher „wach“ mit seinem Bewußtsein.

Auch muß ich sagen, daß eine Angst oder Furcht unser Tagesbewußtsein „wacher“ hält. Wenn wir beispielsweise immer ein halbes Ohr oder Auge auf die 3D-Welt gerichtet haben, z.B. aus Furcht, irgendetwas könne jederzeit mein Leben bedrohen, so habe ich zwar vielleicht mehr Alpträume, aber ich glaube, daß ich mich dann generell an mehr Träume erinnere, weil ein Teil des Tagesbewußtseins immer auch auf die 3D-Welt und das Erleben hierin fokussiert bleibt. Die Furcht hält uns wach und im Hier+Jetzt-Fokus.

Gleichwie, jedenfalls macht es etwas mit uns energetisch, wie wir jeweils liegen – oder sitzen – beim Schlafen. Doch all dies sind im Moment nur Spekulationen und Vermutungen, ich will das mal genauer untersuchen.

(Spax  25.6.14)

Siehe hierzu auch den Beitrag Abenteuer Schlaf (1) vom 4.10.17.

Siehe hierzu auch den Beitrag Abenteuer Schlaf (2) vom 8.10.17.

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Fußnoten

  1. Don Juan war der spirituelle Lehrer von Castaneda. Die Gruppe der Seher um Don Juan bezeichneten sich häufig als „Krieger“ oder „Zauberer“.