Ringen um Erkenntnis

22. November 2015 at 03:33

Weihnachten-Motiv_SNIPSpannendes Erkennen: Damals, vor Jahren, als ich Eins war mit Allem, da konnte ich das Wissen spüren. Ich glaube das ist, was wir Intuition nennen, das Erspüren einer Art Wissen, auf das wir kognitiv keinen Zugriff haben. Sind wir verbunden mit dieser Art Wissen – mit der Intuition –, ist man verbunden mit dem Higher Self, schreibe ich oft. Und seit Jahren gräme ich mich, weil ich damals aus dieser Form der Verbindung wieder herausgefallen bin. Dies war dann mit ein Grund, weshalb ich in manchen Belangen mein Leben „abgewertet“ habe. Und jetzt kommt der Kracher: Ich weiß und wußte auch all die Jahre über, wenn man einmal aufgewacht ist, dies durch nichts rückgängig gemacht werden kann und deshalb eine andere Art des Verbundenseins auch immer gegenwärtig war und ist – vielleicht nicht zu hundert Prozent das Einheits-Verbundenheits-Empfinden, sondern irgendwie ein wenig mehr im Hintergrund, aber dennoch jederzeit vorhanden.

Und das wirklich wirklich krasse ist dies: Solange ich mich in dem Einheitszustand befinde, bin ich direkt in Aktion und im Spüren und im Vertrauen in meiner Verbindung. Was ich dann nicht habe, ist rationales Denken; das benötige ich auch nicht, denn es gibt ja jenes tiefere Verstehen auf der intuitiven Ebene. Doch in all diesen Jahren, in denen ich mich so grämte über das „Herausgefallensein“, fand mein Bewußtsein sich aufgehängt zwischen intuitivem Wissen sowie all den ungezählten Fragen meiner Ratio, meines Verstandes, all diese „diffusen Empfindungen“ verstehen zu wollen; dieser Teil sucht stets nach einer Erklärung, die über das Intuitive hinausgeht.

Denn das Intuitive sagt mir zwar auf einer tiefen emotionalen Wissensebene, daß zwar alles, wie ich es empfinde seine Richtigkeit hat, aber das befriedigende Gefühl, wirklich etwas verstanden zu haben, habe ich erst, wenn ich es auch erklären kann, mir selbst oder anderen. Ich habe immer erst das Gefühl, etwas ist eine „runde Sache“, wenn ich es für mich durchleuchtet habe – mir genügt eine so vage „Erklärung“ über eine rein emotionale Empfindung nicht. Mein Verstand will das verstehen und greifen können! Denn erst, wenn ich etwas in der Hand gehalten und betrachtet habe, weiß ich auch, was genau es ist. Und erst dann kann ich es auch wieder loslassen; denn in dem Moment, in dem ich verstehe, benötige ich die Form nicht mehr, die mir das Verstehen ermöglichte.

Und so, wie z.B. der Messner seine Erfahrungen an den Bergen oder in den Wüsten dieser Welt macht und hierdurch ein Verstehen erlangt, so spielt sich meine Art des Verstehens auf einer inneren Ebene ab und zündet ein inneres Feuerwerk, wenn ich die Zusammenhänge einer weiteren Frage be-griffen habe. Und wie so oft sind es hierbei häufig Gedanken und Taten anderer, die mir eine Anregung oder ein weiteres Puzzleteilchen liefern – deshalb lese ich so gern oder schaue mir Filme an. Erkenntnisse, die ich durch meine eigenen Handlungen, mein eigenes Verwoben-sein mit meinem Umfeld erhalte, beziehen sich auf meine Persönlichkeit; die inneren Erkenntnisse beziehen sich auf Fragen einer übergeordneten allgemeineren Ebene und somit auf Fragen das Bewußtsein betreffend.

All diese Jahre habe ich also am Verstehen gearbeitet, stets und ständig; an der Klärung dieser ungezählten Fragen, wie das Bewußtsein im einzelnen funktioniert. Keine einzige Sekunde hiervon ist „vergeudet“! Auch wenn ich durch diesen speziellen Fokus des Verstehen-wollens auf die „schamanische Ebene“ verzichtet habe und vielleicht aus Trägheit nicht weiter intensiviert, so habe ich doch jenen anderen Teil des tiefen Verstehens immens gestärkt! Das ist absolut phantastisch. Daher scheint es umso erstaunlicher, daß ich mir all diese Jahre das vordergründig scheinbare Fehlen jener anderen Ebene (Empfinden der Einheit) mir stets vorgeworfen habe und dies in mir ein Gefühl von Unzulänglichkeit hervorgerufen hatte. Ist das nicht total verrückt?!

Und genau so sieht eine Erkenntnis aus: Auf der einen Seite weiß und wußte ich die ganze Zeit, daß nichts vergebens oder vergeblich ist, doch konnte ich es nicht so empfinden; in dem Augenblick aber, wo mir der größere Zusammenhang bewußt wird, kann ich erst erkennen, auf welcher Ebene ich all diese Jahre vordergründig gearbeitet habe. Und in dem Moment der Erkenntnis habe ich zeitgleich das wunderschöne Gefühl von Sinnhaftigkeit, welches mir wiederum sagt „Hey, ich bin verbunden, zu jeder Zeit und überall!“ Eine Erkenntnis ist immer die Verbindung des inneren Wissens mit dem zugehörigen Gefühl der Richtigkeit. Es rauscht durch den Körper wie ein Wasserfall oder manchmal auch wie ein Blitz.

Auch wenn ich es bisweilen bedauere, offenbar nicht genügend Energie für die Anforderungen dieser Welt zu haben, so ist doch für mich das, was ich auf der anderen Seite habe und erfahre, mir mehr wert als sämtliche Schätze dieser Welt. Vielleicht ist es ein wenig ein einsames Geschäft, grad so, wie wenn Messner allein eine Wüste durchwandert oder einsam einen kalten Berg besteigt, nur daß meine eigene Wanderung sich eben auf diese inneren Horizonte der Leere, des ewigen Nichts beziehen. Das eine ist ja nicht mehr oder auch nicht weniger wert als das andere, es ist nur eine je andere Herangehensweise, den eigenen inneren Fragen auf die Spur zu kommen.

(Spax 22.11.15)

Download PDF