Rechtfertigung für′s Leben

23. Juli 2017 at 02:18

Gold-Walnüsse_SNIP_cocoparisienneMensch, da habe ich wirklich alles was ich möchte: meine Ruhe und Geld! Und gräme mich… Ja spinn′ ich denn? Worauf warte ich denn noch? Ich lebe in einer Welt und in einer Gesellschaft, wo ich eben auch diese Möglichkeit des Ausdrucks und – vor allem – der Unterstützung habe! Welchen Unterschied macht es denn, ob ich arbeiten gehe, von jemandem gesponsort werde, vom Staat unterstützt werde oder Geld erbe? Wenn ich es habe, gehört es mir und ich kann darüber verfügen wie ich möchte. Wir sind nicht abhängig von der Art und Weise wie wir Geld erhalten, sondern vom Geld an sich, das ist der Haken. Der ganze Moralkomplex, der dahintersteht macht uns fertig. Doch die Moral poliert fleißig das Ego.

Weshalb will ich denn meinen Wert aufpolieren dadurch, daß ich arbeiten gehe? Das ist doch alles Quark. Viel spannender wäre es, mein schönes Leben zu genießen, mit all den Möglichkeiten und Ideen, die ich habe. Das ist der Grund, weshalb ich so untätig bin: Ich glaube im Hintergrund immer noch, ich müsse meine Existenz und mein Tun rechtfertigen, indem ich aller Welt zeige, daß ich dies oder jenes tu′, anstatt meinem Flow zu folgen. Stets rechtfertigen wir unser Tun – vor uns selbst und insbesondere vor den anderen; aus keinem anderen Grund als der anerzogenen Moral, durch die wir uns aufwerten wollen vor uns selbst und in den Augen der anderen. All dies findet ausschließlich in unseren Köpfen statt.

Unseren Ausdruck des natürlichen Seins haben wir hierdurch verkehrt: Je mehr wir leiden oder uns anstrengen müssen, je „schwerer“ ein Leben scheint, desto mehr Wert wird ihm beigemessen. Die „Glückspilze“ dieser Welt werden von dem größten Teil, welcher stets am Ringen ist mit der Welt, schräg angesehen und abgewertet. Die Moral ist, was unser Leben und Lebensgefühl verkehrt in der Wertigkeit uns selbst gegenüber. Die Moral ist unser Fallstrick – und natürlich das gesamte Gedankengebäude, auf dem sie gründet.

(Spax  23.7.17)

Siehe hierzu auch den Beitrag vom 5.11.16: Moral.

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