Manifestor-Energie

12. Juli 2017 at 03:33

Revolution_Prise_de_la_Bastille_SNIP_WIKI1Ja, jetzt kommt eine Zeit der „De-Konditionierung“, das ist nicht einfach, aber jeder muß es für sich machen. Es gibt immer welche, die vorausgehen und neue Themen in die Welt bringen. Wenn man vom Human Design ausgeht, so waren – bildlich gesprochen – die Manifestoren quasi die Herrscher, die Projektoren deren Berater und die Generatoren „das Volk“. Mit der französischen Revolution wurde dem Manifestor sozusagen der Kopf abgeschlagen. Es war eine Initialhandlung in Richtung Anti-Hierarchisierung, wobei die Generatoren den Manifestoren sagen: „Wir lassen uns nicht länger gängeln von euch“. Damit verliert der Manifestor im Prinzip seine Aufgabe, denn er ist nicht mehr anerkannt als Leader. Er verliert seine Aufgabe und wird – wie jeder andere – auf sich geworfen.

Dadurch, daß nun „die Generatoren an der Macht“ sind, hält der Teamgedanke Einzug. Deutlich sieht man das zum einen nicht nur an den demokratischen Regierungen und Parlamenten, sondern auch an den Entwicklungen in den Betrieben. Teamsitzungen sind eine Erfindung der Generatoren.

Da war noch ein Gedanke bezüglich des „Impacts“, des Einflusses, den der Manifestor ja hat.2 Auf der einen Seite soll der Manifestor die anderen informieren; das ist bedingt okay, denn ein paar Sachen muß der Manifestor einfach für sich behalten, weil er sonst seine Ideen nicht auf den Weg bringen kann, wenn alle Generatoren mitreden wollen und dem Manifestor dadurch die Initial-Energie rauben. Zeitgleich soll der Manifestor im Blick haben, daß er mit seinen Handlungen alle anderen beeinflußt, während ihm angeraten wird, daß er „nicht so unterwürfig oder nett“ sein solle. Ja was denn nun?

Weil der Manifestor gern mit seinen Mitmenschen klarkommen möchte, erzählt er halt ein wenig; wenn er aber bei jeder seiner Regungen im Auge haben soll, wen er wann auf welche Weise beeinflußt, so behindert genau dies doch seine spontane Ausdrucksweise! Es ist genau jenes Rücksichtnehmen, was dem Manifestor seinen Stachel nimmt. Einen Stachel, der auch für sein Umfeld vonnöten ist, denn andernfalls ist der Manifestor ja garnicht in der Lage, seine neuen Ideen in die Welt zu bringen. Meiner Meinung nach ist doch genau dies ein innewohnendes Ziel der Manifestor-Energie: eben diese Impacts (Beeinflussungen) hervorzurufen.

Revolution-Held_SNIP_cgcolmanNatürlich ist es für jeden unbequem, ein wenig aufgerüttelt zu werden in seiner Trägheit, in seinem Trott des Immergleichen und seinen festgefügten Meinungen. Aber wie will man sich denn entwickeln, wenn nicht durch neue Erkenntnisse – und hierfür braucht es Reibung. Weshalb sollen die Manifestoren denn allein all die Wucht des gesellschaftlichen Widerstandes zu spüren kriegen?! Die Wahrheit ist immer unbequem und unerwünscht. Wenn irgendjemand dies weiß, dann die Manifestoren.

Die Manifestoren sind nicht die einzigen, die Verstehen oder Verständnis zeigen sollten finde ich, sondern es wäre vielleicht auch eine gute Idee, wenn die Generatoren ebenfalls ein wenig zugänglicher wären und vielleicht mal neugierig darauf, was ein Manifestor zu bieten hätte. Kein Wunder also, daß die Manifestoren sich mehr und mehr zurückziehen von einer massiven Gemeinschaft (Generatoren), die sich ihm gegenüberstellt, alle freundschaftlich eingehakt, und sich in der Masse einig sind: „Wir lehnen sie ab, deine neuen Ideen und Impulse“, sagen sie. Sie sehen vor allem keine Notwendigkeit, sich zu ändern, sehen sich stets „im Recht“, weil sie ja in der absoluten Überzahl sind.

Schaut man einmal genau hin, kann man erkennen, daß Veränderungen vor allem durch diejenigen Manifestoren in die Welt gebracht werden, die sich eben nicht beirren lassen, sperrig bleiben und ihren eigenen Ideen folgen – wenn dann mal Neues auf meist „ruppige“ Weise initiiert wird und über lange Auseinandersetzungen hinweg dann auch in der Welt verankert wird (siehe z.B. die Ideen von Galilei).

Meiner eigenen Erfahrung nach ist es insbesondere all das Verständnis und all die Rücksichtnahme, die mich als Manifestor in meinem eigenen Handeln hindern. Informieren ist in Maßen völlig in Ordnung, aber es ist und bleibt die Aufgabe des Manifestors, Dinge zu initiieren und dadurch andere zu beeinflussen. Wenn die anderen mit den ungewohnten Ideen oder Impulsen nicht klarkommen, ist es sicherlich nicht die Aufgabe der Manifestoren den Generatoren das Händchen zu halten – dafür haben die sich schließlich gegenseitig. Für eine Annäherung bezüglich der „gefährlichen“ neuen Ideen gibt es die Mittler (Projektoren), die gerne die Verhältnisse klären, weil sie beide Seiten sehen können.

(Spax  12.7.17)

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Fußnoten

  1. Dieser Artikel bezieht sich auf Themen aus dem Human Design. Das Human Design System (HDS) ist ein relativ neues System zur Persönlichkeits- und Charakteranalyse. Wie bei der Astrologie werden die Charts hierfür aus den Geburtsdaten errechnet; im Verbund mit weiteren Systematiken (z.B. I-Ging, Chakra) werden die Daten in einer Körpergrafik dargestellt.
    Wahrscheinlich ist der Beitrag daher nur verständlich, wenn man mit dem HDS etwas vertraut ist.
  2. Meine Gedanken hierzu sind unter anderem angeregt durch den Videobeitrag von Tom Bonoma: Introduction to Human Design and the Four Types: Manifestors