Lebens-Geschichten

29. Februar 2016 at 03:14

Traum-Baum-2_Rahmen-5_SNIP_cocoparisienneVorhin einen guten Gedanken gehabt bezüglich der Frage, ob ich Angst habe vor dem Tod. Nein, eigentlich war es eine Erklärung dafür, weshalb ich eben keine Angst habe vorm Tod. Ich habe keine Angst vorm Tod, weil ich dieses Leben die meiste Zeit nicht sehr liebe und extrem anstrengend finde. Seit meiner Kindheit und Jugend begleiten mich Vorstellungen, wie es anders oder besser sein könnte, und die Diskrepanz zwischen meiner inneren Vorstellung und der äußeren Welt, in der ich mich finde, ist so groß, daß ich nicht in der Lage bin, diese Kluft zu meiner Zufriedenheit überbrücken zu können. Die Teilnahme an der Welt, wie ich sie hier vorfinde, zerstört meinen Traum bzw. ist diesem diametral entgegengesetzt. Von daher muß ich entweder meinen Traum aufgeben und so tun, als hätte ich ihn nicht, was mich unglücklich macht und nicht geht. Es bleibt dieser ständige Widerspruch in mir zwischen Anpassung an den Status quo und dem Wissen, mich innerlich zu belügen, wenn ich so lebe. Das ertrage ich nicht, ich kann es nicht. Doch wenn ich anfange, mich in Richtung meines Traumes zu bewegen, ecke ich an jeder Ecke an, und das ist genauso anstrengend. So oder so stehe ich innerlich stets außerhalb von dieser Welt. Wie kann oder will man so leben? Es ist zermürbend.

Deshalb gab es genügend Situationen und Phasen, in denen ich mir gewünscht habe, ich sei nicht mehr hier. Und wenn ich es von der „anderen Seite“ her betrachte, fehlt mir persönlich ja nichts, wenn ich mir vorstelle, ich sei wieder im Nichtphysischen, in der Liebe, im Glück und im Wissen. Wie könnte mir hier etwas fehlen? Das Gegenteil ist der Fall. Weshalb bin ich dann aber noch hier und habe es nicht gemacht wie T., der diese Entscheidung getroffen hat? Ganz offensichtlich finde ich dieses Leben und diese paradoxe Welt und diesen Widerspruch immer noch spannender als das Nichtphysische, welches ohnehin unser Normalzustand ist.

Selbst der Glaube, ich müsse hier irgendeine dolle Aufgabe erfüllen – das Thema „Pflicht“ – ist nicht, was mich hält, obwohl ich das lange Zeit glaubte. Denn unsere Aufgaben oder auch Ziele, die wir uns setzen, sind nicht der Sinn unseres Lebens. Der Sinn liegt einzig im Sein, und im Ausdruck – auf welche Weise auch immer. Der Antrieb ist der Wunsch, an einer bestimmten Geschichte teilzuhaben. Aber ist es das? Wodurch entsteht eine Geschichte? Ich selbst bin meine eigene Geschichte, mit allem, was ich erlebe oder mir ausdenke. Selbst wenn ich ein Buch lese oder mir die Geschichten anderer anhöre, so erlebt ein Teil von mir all diese Geschichten ebenfalls. Was macht das physische Erleben so interessant? Es ist nur eine von unzähligen Ausdrucksformen.

M. hat recht: Wir sind die jeweilige Geschichte, die wir durchleben. Und wie man ein Gedicht, einen Film, ein Märchen usw. auf mannigfache Weise betrachten kann, so kann ich auch mein eigenes Leben auf zigfache Weise interpretieren. Doch ist es ja immer noch ein Unterschied, ob ich eine Geschichte höre/lese/sehe oder sie ausagiere. Oder liegt das einzig daran, daß wir in der Physis innerlich abgespalten sind und es deshalb so empfinden? Denn bei Kindern ist der Unterschied in der Wahrnehmung noch nicht so groß, für sie ist eine Vorstellung von etwas, das sie hören oder sehen genauso real wie das rein Physische, das wir Erwachsenen als so überaus real empfinden. Je mehr ich z.B. in meinem Traumerleben mir selbst bewußt bin, erhält diese Ebene mit der Zeit genau dasselbe Realitätsempfinden – bis zu einem Punkt, an dem mir das physische 3D-Leben als Illusion oder Traum vorkommt.

Es ist ein Jonglieren mit der Wahrnehmung. Das physische Leben ist ein Erforschen meiner Wahrnehmungsmöglichkeiten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob all diese wunderbaren Erklärungen, denen ich stets hinterherjage, in meinem anderen und ursprünglichen Wahrnehmungszustand besonders relevant sind. Sind sie nicht genau wie alles andere auch einfach eine Erfahrungsmöglichkeit, ein bestimmtes Forschungsgebiet? Denn mein Higher Self, das Sein im Nichtphysischen, benötigt all diese Erklärungen nicht; es funktioniert vollkommen perfekt ohne sie. Und das Higher Self kennt all die Antworten, um die wir hier so mühsam ringen sowieso, denn dieses Wissen ist als Aspekt im Gesamtbewußtsein gespeichert – sonst könnten wir es garnicht wahrnehmen, wenn dies nicht so wäre. Wir finden also noch nicht einmal „neue Sachen“ heraus. Kauen wir alles nur wider? Was macht den Unterschied, ob ich all diese Dinge physisch oder nichtphysisch durchlebe oder sie „nur betrachte“. Aber im Nichtphysischen ist eine „Betrachtung“ gleichgesetzt mit Erleben, denn im Nichtphysischen ist es garnicht möglich, sich in der eigenen Wahrnehmung von dem was man ist – Bewußtsein – abzuspalten.

Und nun frage ich mich: Wie kann man Freude haben an einem physischen Leben, wenn man so denkt?! Und doch treibt Etwas mich immer noch an, herauszufinden, worin das Geheimnis einer derartigen Existenz liegt. Ich will etwas grundlegendes kapieren und es auch umsetzen können, selbst wenn es lediglich ein Spiel mit meiner eigenen Wahrnehmungsfähigkeit bedeutet.

(Spax 29.2.16)

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