Landschaft der Leere

22. Januar 2016 at 18:46

Bergpanorama-1_SNIP_violettaIch fand es interessant, daß in Messners Buch 13 Spiegel meiner Seele1 am Ende durchblickt, wie sehr auch er daran verzweifelt, aus sich selbst nicht „herauszukönnen“. Es wird deutlich, als er auf dem Gipfel über seinem Tal steht und sagt, er wollte immer ausbrechen aus dieser Enge – und er doch aus diesem Tal schlußendlich nicht herausgekommen ist. Dennoch macht er es zu „seinem Eigen“, das Tal, nimmt es innerlich in Besitz – auch als Symbol für das Gefühl des Begrenzt-seins, wie wir es in unserem Körper empfinden.

Doch Weite, Freiheit, Leere findet man nur als „Anregung“ im Außen, als Spiegel einer inneren Sehnsucht, eines inneren Wissens, was uns manche Landschaften suggerieren – eine Wüste, ein Berggipfel, das Meer… Und natürlich vor allem jene geheimnisvolle Stille, die solche Landschaften uns zutragen. Doch nichts ist gewonnen oder löst sich in uns, wenn wir diesen inneren Landschaften keinen Lebensraum geben in unserem alltäglichen Dasein. Denn wenn ich aus der inneren Stille heraus lebe und meine innere Leere der Ausgangspunkt ist all meiner Aktionen, dann erst wird das Gefühl der Begrenztheit aufgehoben; wenn Stille und Leere nicht mehr als Sehnsucht in uns existieren, sondern als Erfüllung. Erst dann bleibt die Wüste, der Gipfel, kein Spiegel mehr für dieses unbestimmte Sehnen, das wir in uns tragen, sondern verbindet sich mit dem weiten Raum in uns selbst.

Das ist der Grund, weshalb wir uns so ausgefüllt und großartig fühlen in solchen Landschaften oder Momenten: Weil wir verbunden sind. Und wenn wir dieses Gefühl in uns lebendig halten wollen, müssen wir es stets nähren, uns daran erinnern, wie es sich anfühlt, es in uns wachsen lassen. Denn erst, wenn wir es schaffen, uns mit der inneren Stille und Leere zu verbinden, hört das Gefühl des ewigen Getriebenseins auf. Daher sind wir jeweils so zufrieden und glücklich, sobald wir verbunden sind.

(Spax 22.1.16)

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Fußnoten

  1. Reinhold Messner: 13 Spiegel meiner Seele, Malik National Geographic 2012 [Piper 1994].