Kommunikative Gedanken

15. Juni 2015 at 01:44

Denken_Grafik_judge_SNIPEs er­schreckt mich ein we­nig, wie präzi­se und fast au­gen­blick­lich mei­ne Ge­dan­ken sich in 3D um­set­zen:

1) Eli­as: O., C. und ich saßen ges­tern in mei­ner Küche und ha­ben her­um­ge­al­bert, daß wir den Eli­as1 viel­leicht dann ir­gend­wo an­ders noch aufführen könn­ten, weil wir ihn ja jetzt ge­sun­gen ha­ben. Und später am Tag kam C. dann mit der In­fo, daß ein an­de­rer Chor ihn nächs­tes Jahr aufführen will.

2) Günzeug-1: Als ich neu­lich auf dem Bal­kon saß und auf die Ga­ra­gen­ein­fahrt ge­genüber schaue, se­he ich, daß an dem Mäuer­chen, mit dem sie ein­ge­faßt ist, ein klei­ner Busch ge­wach­sen war, wo­bei ich mir dach­te: „Ah ja, der Typ macht ganz aus­drück­lich nur sei­ne Zuständig­keit, aber die­sen Busch, der ja an sei­nem An­we­sen wächst, aber auf der an­de­ren Sei­te, der Sei­te der Ge­mein­de, da tut er nicht einen Hand­schlag.“ Ich mei­ne, das ist grundsätz­lich ein dämli­cher Ge­dan­ke, aber es ist ein­fach so be­zeich­nend für all die­se Men­schen, wie sie so ein­ge­sperrt sind in sich selbst. – Nein, ich bin nicht bes­ser, das will ich da­mit nicht sa­gen und ich weiß auch, daß ich lan­ge lan­ge Zeit ganz ge­nau­so war und be­stimmt manch­mal eben­so bin in mei­nen ei­ge­nen Be­lan­gen. Was aber so er­staun­lich war: Heu­te wa­ren ein paar Ar­bei­ter da und ha­ben je­den grünen Halm aus der Rit­ze gesäbelt, der an den Grundstücks­gren­zen wuchs. Mei­ne Güte, was für ein Auf­wand, um ein paar Hal­me zu ent­fer­nen. Das war der zwei­te Zu­sam­men­hang, ei­ner 1:1 Ma­ni­fes­ta­ti­on.

3) Grünzeug-2: Dann ha­be ich neu­lich auf die He­cke des ge­genüber­lie­gen­den Grundstückes der an­de­ren Haus­sei­te ge­schaut und dach­te mir: „Oh, wie schön wild die wächst und aus­schaut“, und dach­te dar­an, daß sonst so ein di­cke­rer bedächti­ger Mann die­se He­cke im­mer ge­schnit­ten hat. Und sie­he da: Heu­te steht eben die­ser Mann auf der Gaß′ und schnei­det die He­cke in sei­ner ak­ku­ra­ten bedächti­gen Art.

All dies hat mir ge­zeigt, wie präzi­se mei­ne Ge­dan­ken ein­ge­setzt wer­den – vor al­lem je­ne, die mir emo­tio­nal nicht das ge­rings­te be­deu­ten. So hat­ten Abra­ham2 – und an­de­re – es ja be­schrie­ben, daß die Ma­ni­fes­tie­rung un­se­rer Ge­dan­ken im­mer schnel­ler ge­hen würde je wei­ter wir in den höher­en Schwin­gun­gen der „neu­en Zeit“ vor­an­schrei­ten. Ich kann das sehr deut­lich be­ob­ach­ten schon seit länge­rer Zeit, doch je kürzer die Abstände da­zwi­schen sind, de­sto ei­gen­ar­ti­ger wird die­se Er­fah­rung. Es er­staunt mich we­ni­ger, wenn ich „ab­sicht­li­che Ge­dan­ken“ den­ke, al­so bei ziel­ge­rich­te­ten Sze­na­ri­en, die ich mir wünsche oder vor­stel­le – aber mit Ge­dan­ken, die mir nicht wirk­lich et­was be­deu­ten, die ich nicht im Sin­ne ei­nes „Wunsches“ ab­sicht­lich rich­tungs­wei­send aus­ge­sen­det ha­be, ist es doch ei­ne be­fremd­li­che Er­fah­rung.

Neu­lich ha­be ich mich auch ge­fragt – im Hin­blick mei­ner „Baum-Fra­ge“, wenn ich mir Bäume an­schaue und sie so schön fin­de und zeit­gleich ei­ne Befürch­tung sich manch­mal ein­stellt oder die Fra­ge, wes­halb Leu­te so wahl­los mei­ne ge­lieb­ten Bäume im­mer absäbeln –, ob ich hier ei­ne „ab­strak­te Ab­sicht“ auf­fan­ge, die be­reits ir­gend­wo be­schlos­sen ist und der Baum dies kom­mu­ni­ziert, oder ob es mei­ne halb-un­be­wußte Befürch­tung ist, die dann zum ent­spre­chen­den Baumfällungs-Sze­na­rio führt, die Ur­sa­che hierfür ist. Wie da­mals beim Kar­ten­spiel3 kann ich die­se Fra­ge nicht be­ant­wor­ten. Ich kann nicht sa­gen, ob das Ei oder das Huhn zu­erst da war. Und so ist es ja: Al­les ist zeit­gleich im Ewi­gen Jetzt. Und manch­mal schnap­pe ich Ein­drücke auf, die mir zu­vor nicht be­wußt wa­ren und manch­mal ge­be ich selbst Ge­dan­ken hin­ein – ab­sicht­lich oder zu­al­ler­meist wohl un­ab­sicht­lich –, nach de­nen mei­ne Welt sich dann aus­rich­tet.

Puh, da wird mir erst­mal wirk­lich deut­lich, wel­che Re­le­vanz all un­se­re Ge­dan­ken ha­ben! Und es wird deut­lich, wie sehr wir durch un­se­re Ge­dan­ken ver­ant­wort­lich sind für die Aus­ge­stal­tung un­se­rer je­wei­li­gen Welt und den Sze­na­ri­en und Er­fah­run­gen, die wir uns hier­durch er­schaf­fen!

Glaskugel-2_SNIPEs wird glei­cher­maßen deut­lich, wie we­sent­lich die Me­di­ta­ti­on ist: hin­ein­zu­ge­ra­ten in ei­ne Ge­dan­ken­stil­le. Denn erst mit der Ge­dan­ken­stil­le ge­ra­ten auch wir selbst in un­se­ren Aus­druck im Jetzt, in ein di­rek­tes Wahr­neh­men, einen di­rek­ten Aus­tausch so­wohl mit der sicht­ba­ren als auch mit der „un­sicht­ba­ren“ Welt. Bin ich im Jetzt ver­an­kert und mei­ner Ge­dan­ken­stil­le, weiß ich, daß al­les, was mir be­geg­net ei­ne „Er­fin­dung“ ist mei­nes ei­ge­nen Be­wußtseins und ein Aus­druck hier­von. Es kümmert mich dann nicht, wes­halb je­ne Din­ge in mei­ner Welt sich fin­den und mir be­geg­nen, denn ich weiß, sie sind aus ei­nem Grund dort vor­han­den, da­mit ich mit ih­nen in­ter­a­gie­re. Und da ich mich im Jetzt be­fin­de, hin­ter­fra­ge ich nicht, ob dies nun ein „Gu­tes“ oder ein „Schlech­tes“ sei, denn im Jetzt, in der Ge­dan­ken­stil­le exis­tiert kei­ne Be­wer­tung, son­dern nur Hand­lung. Die Hand­lung im Jetzt ist spon­tan, sie agiert di­rekt, oh­ne zu­vor Über­le­gun­gen an­zu­stel­len, in dem in­ne­ren Wis­sen, 1. nicht fehl­ge­hen zu können und 2. dem Ver­trau­en, daß al­le Ab­sich­ten mei­nes Höher­en Selbst mein Aus­druck sind, ob ich dies nun ver­ste­he in mei­nem Kopf oder nicht.

Schlußend­lich ist mir im Zu­ge die­ser Ge­dan­kengänge auf­ge­fal­len, wie lächer­lich ei­gent­lich „Pro­phe­zei­un­gen“ sind: Denn was können sie an­de­res sein als le­dig­lich ei­ne Wi­der­spie­ge­lung der Aus­rich­tung der ei­ge­nen Ge­dan­ken? Die gan­ze We­sen­heit, die je­mand ist, ist ein­ge­bet­tet in be­stimm­te Zu­sam­menhänge und Ge­ge­ben­hei­ten; und ei­ne Pro­phe­zei­ung kann so­mit nichts an­de­res sein als der Aus­blick ex­akt je­ner Zu­sam­menhänge in der Fortführung ge­nau die­ser Schwin­gun­gen, auf die die­se We­sen­heit fo­kus­siert ist. Und ge­nau hier kommt doch der ei­gent­lich ma­gi­sche Zau­ber zum tra­gen: Denn in­dem ich doch um die größeren Zu­sam­menhänge weiß, oder er­ken­ne, wie mein Selbst in die­se Zu­sam­menhänge und Schwin­gun­gen ein­ge­klinkt ist, muß mir die Be­deu­tung der Kom­mu­ni­ka­ti­on in die­sem Zu­sam­men­hang deut­lich wer­den so­wie das Wis­sen, wel­chen Ein­fluß mein Den­ken in Be­zug zur Ge­samts­ze­ne­rie hat und ha­ben muß.

Die ein­zig lo­gi­sche Schlußfol­ge­rung, die ich hieraus zie­hen kann ist die Er­kennt­nis, daß ich mei­ne Schwin­gung bzw. mei­nen Fo­kus verändern muß, wenn ich ein an­de­res Sze­na­rio kre­ie­ren will und so­mit an­de­re, zu­trägli­che­re Pro­phe­zei­un­gen er­hal­ten möchte. Mit mei­nen Ge­dan­ken oder so viel mehr noch mit mei­ner ei­ge­nen Vor­stel­lung be­stimm­ter Sze­na­ri­en verände­re ich mei­ne Schwin­gung! Da­her ist die­ser Aus­spruch so es­sen­ti­ell, der be­sagt „Ach­te auf dei­ne Ge­dan­ken, denn sie bil­den dei­ne Rea­lität!“

Und durch all die­se klei­nen oder auch größeren Be­ge­ben­hei­ten wird uns dies stets zurück­ge­spie­gelt. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Wech­sel­wir­kung zwi­schen mei­nem persönli­chen Er­le­ben und den Ge­ge­ben­hei­ten der Welt ist aus­schlag­ge­bend für mei­ne Welt und mei­ne Le­bens­zu­sam­menhänge. Es ist dies nicht ei­ne „ob­jek­ti­ve Ge­ge­ben­heit“, die wir „hin­neh­men“ müßten, son­dern auf die wir je­der­zeit Ein­fluß ha­ben – dies ist der We­sens­kern von Kom­mu­ni­ka­ti­on: ei­ne ge­gen­sei­ti­ge Wech­sel­wir­kung.

Wie schwer es uns doch fällt, un­ser Den­ken und un­se­re Ge­dan­ken zu verändern – und nur, weil wir uns so dar­an gewöhnt ha­ben. Es ist ei­ne Ge­wohn­heit wie je­de an­de­re auch, doch die ein­zi­ge, die sich wahr­haft lohnt, zu verändern. Denn hier, in un­se­rem Den­ken, for­men wir un­se­re Welt und un­se­re Wahr­neh­mung der Welt – nicht darüber, ob ich früh auf­ste­he oder spät oder wel­chen Be­ruf ich nun er­grei­fe.

(Spax 15.6.15)

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Fußnoten

  1. Ora­to­ri­um von Fe­lix Men­dels­sohn Bar­tholdy über die Ge­schich­te des bib­li­schen Pro­phe­ten Eli­as (op. 70, MWV A 25).
  2. Abra­ham ist ei­ne von Esther Hicks gechan­nel­te nicht­phy­si­sche En­tität.
  3. Ei­ne Zeit­lang hat­te ich vor Jah­ren in ei­ner Kar­ten­spiel­run­de mit die­sem Wech­sel­spiel der Ge­dan­ken eben­falls ex­pe­ri­men­tiert.