körper-loses Wahrnehmen

21. Oktober 2016 at 02:24

Auge_eye-SNIP_geraltBin vorhin mit dem Gedanken aufgewacht, daß wir uns über das Spüren empfinden, über das Spüren das Ich-Gefühl bekommen. Aber was „spüre“ ich, wenn ich keinen Körper habe? Wo ist mein Empfinden dann lokalisiert? Denn auch in meinen Träumen sehe ich mich ja immer als einen Körper oder empfinde mich als ein Körperwesen, selbst wenn ich meinen Körper nicht so explizit spüre wie in der 3D-Welt. Aber trotzdem sind die Empfindungen – Gefühle wie, Angst, Schrecken oder Freude – um ein vielfaches intensiver als mit dem 3D-Körper. Wo genau sitzt denn dann unser „Empfindungskörper“, wenn ich Empfindungen auch „körperlos“ haben kann?? Das ist doch ein äußerst seltsames Phänomen, oder?

Aber das Phänomen ist genau betrachtet ja schon seltsam genug mit 3D-Körper. Denn was Empfindungen in uns auslöst, sind ja häufig Dinge, die wir sehen oder wenn zum Beispiel jemand etwas sagt zu uns: schon gehen wir hoch wie eine Rakete oder lächeln und freuen uns oder sehen etwas und sind ergriffen. All dies sind Eindrücke, die ich über meine Sinne aufnehmen kann. Genauso kann ich mit meinen „inneren“ Sinnen in meinen Träumen Dinge wahrnehmen und reagiere darauf. Das ist auch noch eine Frage: Welcher „Körper“ reagiert im Traum primär: mein Traumkörper oder derjenige, der im Bett liegt? Ganz gleich auf welchen meiner Körper ich das Wahrnehmen beziehe, Fakt ist, ich reagiere auf irgendwelche Sinneseindrücke. Und die Frage ist daher: Was genau ist ein Gefühl, eine Empfindung?

Für den Geist oder unsere Gedanken fragen wir uns diese Dinge nicht, denn es scheint uns irgendwie normal, daß geistige Dinge unsichtbar sind. Wir sind so sehr mit unserem Ich-Empfinden, mit unserer Person oder Persönlichkeit verbunden, daß wir dies nie in Frage stellen – wie auch, es ist, was wir sind, tagtäglich in jedem Augenblick. Das Sein, das Seinsempfinden stellt sich selbst nie in Frage. Denn das Sein kann nicht nicht-sein. Und doch erleben wir jede Nacht und vermutlich auch oft tagsüber Momente, in denen wir uns nicht empfinden. Wie kann es sein, daß ich morgens aufwache und nichts, nicht das geringste weiß von all den Stunden, die jenes Ich, als das ich mich doch stets empfinde, erlebt hat und beim Aufwachen dennoch keinen Zugang hat zu seinem eigenen Erleben und Empfinden?

Indem ich für die Persönlichkeit, die ich im 3D-Leben bin wähle, mich nicht zu erinnern, wacht diese Person morgens auf und hat das Gefühl, ein paar Stunden nicht anwesend gewesen zu sein; ein Empfinden des Nichtwissens, des „Nichtseins“. Das an sich ist doch schon ein Mysterium. Vielleicht schlafe ich genau deshalb so gern; weil ich mich hierdurch rausziehe aus dem Alltäglichen, das mich vielleicht nervt: Ich mache die Augen zu und bin für eine Weile alldem entzogen – all meinem Empfinden, all meinen Gedanken. Ich nehme hiermit eine Auszeit von mir selbst; manchmal auch in der Hoffnung, ich würde aufwachen und fände mich in einer anderen Welt, anderen Zusammenhängen. Vielleicht passiert das ja auch und während mein Körper in diesem Leben schläft, wacht mein Bewußtsein in anderen Körpern auf. Aber woher will ich das wissen, wenn ich es nicht selbst miterlebe, wenn ich keine Erinnerungen habe an nichts von alldem, was mein Traumkörper ansonsten erleben mag?

Gut, ich weiß, daß es sich hierbei um eine Frage der Frequenzen handelt. Wenn ich meine Frequenz wechsele, wechsele ich meinen Fokus und somit das, was ich wahrnehme und folglich empfinde. Doch die Frage bleibt bestehen: Womit empfinde ich, wenn ich keinen Körper habe? Womit denke ich, wenn ich keinen Körper habe? Bleiben wir nicht auch „empfindsame Wesen“, wenn wir „außerkörperlich“ sind (z.B. beim Träumen)? Auch stellt sich dann die Frage, wozu wir überhaupt einen Körper haben, wenn wir doch alles Empfinden und Erleben auch außerkörperlich haben können.

Licht-Frequenz_light-SNIP_geraltEs wird immer gesagt, das Bewußtsein drücke sich durch Licht aus (Frequenz) und dies „Liebe“ sei. Das ist jedenfalls, wie es empfunden wird. Aber ich kann das mit dem Verstand oder mit dem Verstehen nicht greifen. Denn wenn ich sage, ich sei „Frequenz“ oder „Licht“ oder gar eine Empfindung wie „Liebe“, so weiß ich immer noch nicht, wer oder was oder wodurch dieser Eindruck hervorgerufen wird. Es ist insgesamt auch die Frage, was Wahrnehmung eigentlich ist oder wodurch sie hervorgerufen wird. Wer oder was ist in der Lage wahrzunehmen? Wer oder was ist das Ich, das all diese Wahrnehmungen haben kann? Und an dieser Stelle ist es vollkommen gleich, ob ich vom Bewußtsein spreche oder von einem Ich, das sich wahrnimmt; denn damit irgendetwas von irgendjemandem wahrgenommen werden kann, braucht es grundsätzlich a) ein Ich und b) ein Gegenüber, einen Spiegel – eine Figur, die wahrnimmt und eine Welt, die wahrgenommen werden kann.

Gut, sagen wir, wenn ich mich in meinem „meditativen Zustand“ befinde und all meine Bilder und Ideen innerlich erschaffe und mich in mein eigenes Szenario hineindenke bzw. hineinfokussiere und damit bestimmten Ideen größere Tiefenschärfe (Erlebensraum) verschaffe, so kann ich sehen, wie ich, wie jeder seine eigene Welt erschafft; und meinetwegen zeitgleich auch, daß wir und jeder in einem noch größeren „Traum“ eines „Übergeordneten Bewußtseins“ eingebettet sind. Aber wie ich es auch drehe und wende, so beantwortet mir das meine Frage nicht, wie überhaupt Wahrnehmung funktioniert. Selbst wenn ich weitergehe und an das verschmelzende Einheitsgefühl denke, in welchem sich das Ich-Empfinden auflöst, so bleibt dennoch das Empfinden übrig als Kern, ein Empfinden, das als „Einheit“ beschrieben werden kann.

Meingott, was für komplexes Zeug. Und wir haben nichts besseres zu tun, als uns von morgens bis abends mit der Frage zu beschäftigen, ob wir nun „glücklich“ sind, ob wir einen Job machen sollen oder nicht, ob die Kinder brav sind… Wozu? Meine momentane Schlußfolgerung wäre: Weil wir uns in genau diesem Dilemma befinden, das wir als unsere Welt oder unser Dasein empfinden, können wir uns nur mit diesen Dingen befassen, einfach weil uns der Zugang zu anderen Denk- oder Seinsräumen fehlt. Das finde ich ein wenig frustrierend. Deshalb neige ich dazu, mein Leben zu entwerten, weil ich nicht in der Lage bin, über bestimmte Grenzen hinausgehen zu können.

Es ist ein wenig so wie die Schulzeit: Auch hier ist man in ein System eingebunden, das vorgegeben ist, aus dem man erstmal als Kind nicht ausbrechen kann. Meine Lösung bestand schlußendlich darin, mir zu sagen „Okay, aus dieser Nummer komme ich grad nicht raus, also nutze sie mit allen Möglichkeiten, die hier vorhanden sind.“ Das bedeutet, eine Akzeptanz der auferlegten Grenzen – im Gegensatz zu einer Verweigerung des Vorgegebenen, die mir auch damals nichts eingebracht hat und lediglich meinen Unmut nährte. Und genauso ist es eigentlich mit all diesen grundlegenden Fragen des Seins: Ich erkenne, daß mir und meinem Leben Grenzen auferlegt sind. Wenn ich diese akzeptieren könnte, könnte ich das, was in diesen Grenzen möglich ist, anfangen zu nutzen, anstatt permanent hieraus ausbrechen zu wollen und etwas anderes sein, denken oder erleben zu wollen als was durch diese Grenzen vorgegeben ist.

Alle Erkenntnisse, die mir möglich sind, erschließen sich stets durch das Eintauchen in die Welt, in der ich mich finde – mit allen verfügbaren Sinnen (inneren wie äußeren). So ist das Empfinden und Erleben meiner Welt und meines Seins ein Tor zu möglicherweise weiteren Erkenntnissen und/oder Empfindungen. Doch diese werde ich nur wahrnehmen können, wenn ich durchgehe durch dieses Tor, wenn ich meine Welt, so wie ich sie vorfinde erlebe, erfahre, ergründe; nicht indem ich mich ihr verweigere oder entziehe.

Es ist genau wie mit den „neuen Erkenntnissen“ unserer sich wandelnden Welt oder einem neuen Lebensgefühl, welches wir zum Beispiel durch eine neue Grundfrequenz erhalten: Alles wird zusammengefaßt, damit eine neue Frequenz erlebt werden kann – und hierzu zählen eben auch sämtliche „Leichen im Keller“, die mit an die Oberfläche steigen und integriert werden müssen, sonst kann man keinen Frequenzwechsel vollziehen.

Was kümmern mich also meine „Denk-Grenzen“, wenn ich doch vor der Nase eine ganze weite Welt liegen habe mit unzähligen Erfahrungs- und Erkenntnismöglichkeiten, sobald ich in diese Welt eintauche, sie akzeptiere und als meinen eigenen (Er)Lebensraum anerkenne? Schöpf das aus, was geht, erweitere deine eigenen Grenzen und Möglichkeiten, die diejenige Welt bietet, in der du dich befindest! Hier gibt es wahrhaftig genügend Möglichkeiten.

Wieso nur bin ich immer mit all den Grenzbereichen so befaßt? Immer sind sie es, die mich am meisten faszinieren. Aber das Denken oder Denk-Wahrnehmen ist vielleicht nur ein Teil des Erlebens insgesamt, denn es ist ja genauso wichtig, den Körper, das „Ich-Gefährt“, mit einzubinden und hierüber z.B. meine Erkenntnisse zu verifizieren. Und das geht immer nur über ein Ganzkörpererleben – ganz gleich, welche Körper oder Körperaspekte des Ich hier involviert sind.

(Spax  21.10.16)

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