Jetzt oder Zukunft?

1. Juli 2015 at 21:42

Zukunft-2_SNIP-2Jakana Manana fragt:1 Hallo Spax, ich wollte mal fragen, wie du das mit dem Leben im Hier und jetzt verstehst? Wenn man das tut wie passiert dann Veränderung? Kann Veränderung passieren ohne dass mir vorher so ein Gedanke abgehauen ist in die Zukunft?

Um deine Frage halbwegs verständlich beantworten zu können, ist es sinnvoll zu wissen, in welchem Wechselspiel „Jetzt“ und „Zukunft“ sich befinden. Das versuche ich in diesem Beitrag ein wenig zu verdeutlichen.

1) Wenn du im Jetzt bist, bedeutet dies allem voran eines: Deine Kopfgedanken halten die Klappe! Wenn du deine Gedanken untersuchst, wirst du feststellen, daß sie sich einzig und allein mit Vergangenem oder Zukünftigem beschäftigen.

2) Der einzige Aspekt, der dir persönlich zugehörig ist und sich in jedem Augenblick im Jetzt befindet, ist dein Körper. Doch betrachten wir unsere Körper in der Regel als ein genauso „fremdartiges Ding“ wie auch den Rest unserer Außenwelt. Wir haben ihn ebenfalls klassifiziert und in eine oder mehrere Denkschubladen gesteckt,2 finden ihn zu dick, zu dünn, zu groß, klein, langsam, schön, häßlich – whatever. Aber wir bewohnen ihn nicht. Unser gewohnheitsmäßiges Zuhause sind unsere Kopfgedanken, mit denen wir uns identifizieren.

Kein Geld zu haben ist zum Beispiel keine Jetzt-Erfahrung, auch wenn das ein Thema ist, vor dem man sich vielleicht aktuell fürchtet. Jedoch hat dieses Abstraktum keinerlei Einfluß auf deinen Atem oder deinen körperlichen Ausdruck. Noch weniger Einfluß hat ein derartiger Umstand auf deine Denkfähigkeit – die Möglichkeit, deinen Fokus auf Dinge zu legen, die dir Freude bereiten. Woraus folgert, daß ein Schmerz oder Kummer ausschließlich eine Folge ist des Denkens, weil man sich Szenarien ausmalt, die von einer substanzlosen Angst angetrieben werden. Diese Art des Denkens ist quasi eine schlechte Angewohnheit könnte man sagen. Denn jederzeit hat man die Möglichkeit, aufgrund seiner Vorstellungskraft sich mit Situationen zu verbinden, die Freude hervorrufen oder andere netten Gefühle.

Dies scheint ein Widerspruch zu sein: zu sagen, daß einerseits das Jetzt-Empfinden keine Kopfgedanken beinhaltet und zum anderen, daß man über „nette Gedanken“ positivere Gefühle und positivere Ergebnisse erzielen kann. Doch diese Vorgehensweise dient lediglich dazu, insgesamt einen zuträglichen Lebenszusammenhang zu kreieren oder anzuschieben. Es dient gleichermaßen dazu, dir die Souveränität über dein eigenes Leben zu verdeutlichen. Daher ist dies lediglich ein Weg, unsere gewohnten Denkmuster zu durchbrechen.

Der „positive Fokus“, welcher nachfolgend positive Ergebnisse (Synchronizitäten) in deinem Leben erzeugt, kann, wenn er wirklich verinnerlicht ist, zur Erkenntnis führen, daß es weniger deine Kopfgedanken sind, die positivere Lebensumstände zutage fördern, sondern dein positives Grundgefühl, welches diesen zugrundeliegt oder eben hierdurch erzeugt wird. Deine Kopfgedanken haben keinerlei Kraft, wenn sie dir nicht ein körperliches Empfinden von Freude oder Entspannung – tja, oder eben auch Angst oder Sorge – hervorrufen. Irgendwann stellst du dann vielleicht fest, daß du derartige Empfindungen auch ohne einen Gedankenanstoß in dir produzieren kannst, einfach weil du weißt, wie es sich anfühlt im Körper. Schlußendlich ist es möglich, über einen derartigen Prozeß ein inneres Vertrauen bewußt einzuüben und zu erkennen: Wenn du dich stets in einem entspannten Zustand befindest, du jeweils positive Rückmeldungen erhältst.

Würfel-synchron_SNIPEs ist dies ein spannender Prozeß, der gleichfalls beinhaltet, daß wir uns dann selbst gern „testen“, um zu schauen, ob wir es „nun wirklich geschafft“ haben, in diesem neuen Fokus zu bleiben,3 denn es entsteht zunächst ein anderes Lebensgefühl, welches uns fremdartig erscheint. Daher kreieren wir uns zum Vergleich dann gern ein negatives Szenario, um zu prüfen, ob wir nun fähig sind, hierauf anders zu reagieren als zuvor. Dieses negative Ereignis wird dir exakt aufzeigen, ob deine neue Einstellung bereits genügend Substanz hat oder inwieweit die alte gewohnte Haltung wieder durchbricht. Geschieht letzteres, ist man zwar zunächst frustriert, da man aber zuvor gesehen hat, daß es auch anders funktionieren kann, fangen wir erneut an, unseren Fokus zu verändern.

Dies ist der Prozeß, den wir in der Praxis einüben können, um all diesen Mechanismen auf die Schliche zu kommen und zu einer entspannteren Haltung dem Leben gegenüber zu gelangen. Es ist allerdings nicht der Jetzt-Moment, in dem die Kopfgedanken schweigen und man daher „in die Stille“ fällt. Ich habe ihn hier nur angeführt, weil es ein Prozeß ist, der uns ebenfalls wieder mehr auch mit unserer innewohnenden Souveränität verbindet und folglich mit einem positiveren Körperempfinden: Selbstvergessen dreht das Kind sich im Kreis, singt, und findet sich schön. Jedes Kind findet sich schön, klug und einzigartig. Ausschließlich die Rückmeldungen seiner Umwelt ziehen das Kind aus dem Fokus, eine Einheit zu sein und in einen falschen Glauben über sich selbst; hierdurch lernt es, seinem Körper zu mißtrauen und wird mehr und mehr aus dem angeborenen Einheitserleben gezogen, was in eine Betrachtungsweise über sich selbst mündet. Das Kind fängt an, sich selbst mit den Augen der anderen zu betrachten, lernt seinem Körper zu mißtrauen und fängt gleichermaßen an, sich in den Kopfgedanken einzurichten. Die Kopfgedanken werden unser neues Zuhause; mitsamt sämtlichen Bewertungen und Schubladen, die wir hierdurch mitgeliefert bekommen.

Wenn du nun fragst: Kann Veränderung passieren ohne dass mir vorher so ein Gedanke abgehauen ist in die Zukunft?, kannst du davon ausgehen, daß es sich nicht um einen Jetzt-Gedanken oder einen Jetzt-Moment handelt, denn jeder einzelne Kopfgedanke ist Ausdruck der Zweitpersönlichkeit, für die wir uns gelernt haben zu halten. Im Jetzt jedoch existieren derartige Gedanken nicht. Deswegen kann das Empfinden, welches mit dem „Jetzt“ verknüpft ist, als „das Fallen in die Stille“ beschrieben werden.

Es ist eine bemerkenswerte Erfahrung, wenn man in diese Stille fällt und man irgendwann bemerkt, daß das wesentlichste Kennzeichen hierfür ist, daß die Kopfgedanken plötzlich schweigen. – Don Juan4 sagt, daß man die Stille-Momente einüben müsse, sie aufeinanderhäufen, so daß sie sich von Mal zu Mal zu längeren Zeiträumen ausdehnen – von einer Sekunde zu einer Minute, einer Stunde, vielen Stunden etc. Man bemerkt zweierlei: 1) man erkennt einen Stille-Moment, wenn man in ihn eingehüllt ist und 2) man merkt sofort, wenn der erste kleine Gedanke sich wieder regt und dich hier herauszieht.

Meditation-Stille_SNIPAus diesem Grund ist die Meditation so vorteilhaft, weil sie sozusagen die „absichtliche Jagd“ auf die Stille beinhaltet: Ich gehe sie suchen, die Stille. In diesem Prozeß werden mir überhaupt erst einmal all meine plärrenden Kopfgedanken bewußt, denn in der Jagd auf die Stille drehe ich zwangsläufig das Kopfradio laut, da ich es nun nicht mehr nur unbewußt im Hintergrund laufen habe, sondern meinen Fokus darauf richte. Daher ist die Grundübung der Meditation, die Gedanken, die ich wahrnehme, ziehen zu lassen wie einen Gast oder Besucher, der durch mein Hirn spaziert: Ich nehme ihn wahr und lasse ihn ziehen. Um weniger vom ewigen Gedankenstrom abgelenkt zu werden empfehlen viele, sich auf den eigenen Atemrhythmus zu fokussieren. Dies ist gleichfalls eine hervorragende Übung, weil sie zugleich den Fokus auf den Körper legt – den einzigen Aspekt von unserem 3D-Leben, der sich immer im Jetzt befindet.

In der Stille, im Jetzt, fallen wir in das, was ich als „Bauchgedanken“ bezeichne, die keinesfalls mit den Kopfgedanken zu verwechseln sind. Vielleicht kann man sie am besten als Handlungsimpulse beschreiben. Doch ein Handlungsimpuls ist noch kein „Gedanke“. Da wir so wenig Vertrauen in die uns angeborenen Prozesse haben, fragen dann nämlich die Kopfgedanken sofort: „Wieso sollte ich diesem oder jenem Impuls folgen? Das scheint absurd, ich weiß es doch besser.“ Womit wir sofort wieder natürlich die Verbindung zu unserem Höheren Selbst5 gekappt haben, welches uns diese Impulse sendet. Dies muß man also einüben – den Impulsen zu folgen –, wodurch nach und nach ein Vertrauen entsteht, weil ich aufgrund der Ergebnisse die dahinterliegende Weisheit erkennen kann. Es funktioniert allerdings nicht, wenn ich jeden Handlungsimpuls anzweifele und mir denke „das kann nichts werden“, denn dann wird es auch nichts, weil ich mich ja schon wieder in meinen Kopfgedanken aufhalte – der Jetzt-Moment mit seinem Handlungsimpuls ist bereits verstrichen.

Es ist der Jetzt-Zustand zunächst wie ein Balanceakt, wobei wir in diesen Zustand hinein und wieder herausfallen. Irgendwann mag es einen Augenblick in dem Prozeß geben, wo wir permanent in die Stille-Blase, in den Jetzt-Moment gezogen werden. Doch auch hier gilt: Wenn du das bereits Gelernte nicht weiter anwendest, kannst du ebenfalls wieder herausfallen. Daher sagt Don Juan, es ist ein Lifetime-Struggle, eine Haltung oder sogar Übung, der man sein ganzes Leben widmen muß, denn zu mächtig sind unsere erlernten Gedankengewohnheiten. Und es macht es nicht leichter, wenn alle Welt um mich her auf eben diese Weise funktioniert.

Von daher kann ich nur sagen: Es ist schwer bis fast nicht möglich, den Jetzt-Moment oder die Gedankenstille zu beschreiben. Aber was ich sagen kann ist, daß jeder einzelne Kopfgedanke niemals mit einem Jetzt-Zustand verbunden ist – dessen Ausdruck die Gedanken-Stille ist –, sondern weil der Kopfgedanke entweder mit Vergangenem oder Zukünftigem befaßt ist. Etwas, was von einem Jetztmoment ausgehend in die Zukunft gerichtet sein kann ist entweder ein direkter Handlungsimpuls oder manchmal so etwas wie eine „Vorahnung“, was ebenfalls ein Empfinden ist, das du vielleicht in einen Gedanken kleiden kannst, aber dennoch etwas anderes als ein üblicher erlernter Kopfgedanke.

Ist man jedoch irgendwann genügend vertraut mit der Stille, ist es auch möglich, sich tatsächlich an das Empfinden dieses Zustandes zu erinnern, um wieder in die Stille einzutauchen, wenn man mal wieder herausgefallen ist.

Gegenfrage: Verändern sich Pflanzen und Tiere, die des Denkens nicht mächtig sind?  ;-)))

(Spax 1.7.15)

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Fußnoten

  1. Siehe Kommentar von Jakana Manana am 4. Juni 2015 um 10:24 zu dem Beitrag Vorwurf und Hoffnung.
  2. Siehe hierzu auch den Beitrag „erfolgreicher Hirnriß“ (26.6.15).
  3. Siehe hierzu auch das Video von Bashar (engl.): Burning Bridges and Moving Forward. Bashar ist eine von Darryl Anka gechannelte Entität, die auf Essassani/Eshakani beheimatet ist.
  4. Spiritueller Lehrer von Castaneda. (siehe auch Inspiration: Bücher)
  5. Das Höhere Selbst ist immer verbunden mit unseren erweiterten Bewußtseinsbereichen, hat deshalb immer einen größeren Überblick über unsere Lebenszusammenhänge und kommuniziert mit uns über diese Impulse.