Rekapitulation

Dies ist eine Methode der Zauberer, sich sämtlicher Fremdenergie zu entledigen, die wir insbesondere während der Interaktion mit unseren Mitmenschen ansammeln. Den Zauberern zufolge ist der größte Teil unserer Energie an diese Interaktionen gebunden und steht uns daher nicht mehr zur Verfügung. Die Aufgabe der Rekapitulation besteht daher darin, sich an sämtliche Interaktionen oder auch Orte und Gefühle, die man bislang in seinem Leben gehabt hat zu erinnern – von der letzten, gerade stattgefundenen Interaktion bis hin zur Geburt.

Mit Hilfe einer speziellen Atemtechnik sowie gleichzeitiger Erinnerung an die jeweiligen Interaktionen werden diese Fremdenergien wieder aus dem eigenen Körpersystem entlassen. Ebenso holt man sich diejenige Energie wieder zurück, die man selbst während der jeweiligen Interaktion bei anderen hinterlassen hat. Für eine vollständige Rekapitulation benötigten die Zauberer in der Regel Jahre, die sie während der Übungszeiten der Rekapitulation abgeschottet in einer Höhle oder einem hierfür angefertigten Kasten verbrachten.
(Der Prozeß wird z.B. beschrieben bei Castaneda: The Eagle′s Gift, 257 ff; Abelar: Die Zauberin, 62 f.)

Während meiner wiederholten Lektüre von Castanedas Schriften habe ich mich gefragt, ob diese Methode der Energiegewinnung unbedingt erforderlich ist, um aufzuwachen oder zu jener bei Castaneda beschriebenen „Freiheit“ zu gelangen. Meines Erachtens ist dies nicht zwingend erforderlich, denn das wesentliche ist das Ergebnis der Rekapitulation: sich weder gedanklich noch gefühlsmäßig an irgendwelche Menschen/Gefühle/Orte/Dinge usw. zu hängen – die „Leere des Geistes“, wie z.B. Zen-Buddhisten es formulieren würden. Auch mit anderen Methoden kann man zu diesem Ergebnis gelangen. Meines Erachtens ist es jedoch erforderlich, wenn man die „Leere des Geistes“ erlangen will, gründlichst den eigenen Geist, die eigenen Gedankenprozesse sowie die eigenen Handlungen unter die Lupe zu nehmen und zu hinterfragen, weshalb man auf welche Weise handelt.

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