Inkarnation und Erkenntnis

19. Januar 2017 at 16:48

Kugel-Eis-2_SNIP_rihaijEs ist ein Wunder und ein Zauber, dachte ich gestern, als ich den schönen Mond betrachtete. Etwas unergründliches. Denn ganz gleich, wie viele Erklärungen wir finden für den Mond oder alles andere, so wissen wir schlußendlich dennoch nichts über die Existenz. Wir können bis ins allerkleinste Detail gehen und alles zerlegen, können Philosophien und Theorien aufstellen noch und nöcher, aber das Geheimnis der Existenz wird niemand je dem Universum entreißen hierdurch. Und deshalb kann man doch letzten Endes nur staunend durchs Leben gehen und alle Dinge bewundern, wie gut sie gefügt sind.

Wieder diese Frage: ob jeder meiner Schritte bereits vorherbestimmt ist, bereits angelegt. Denn in den Channelings heißt es ja, bevor wir inkarnieren, würden wir in einem tiefen meditativen Prozeß unser künftiges Leben in allen Einzelheiten durchgehen; haben es also bereits gesehen in allen Aspekten und mit allen Möglichkeiten, denke ich. Ich selbst wollte diese Person sein, die ich nun bin. Mit allen Nuancen. Doch ich glaube, was den Wert eines Lebens ausmacht ist, was man dann mitnehmen kann, wenn man „stirbt“ und sich wieder ins Nichtphysische fokussiert. Ich denke, es sind zwei Dinge, die man mitnimmt: einerseits das Erleben, die Erfahrung an sich; und zweitens die Erkenntnisse, die ich aus meinem Dasein gewonnen habe, die meinen Horizont erweitert haben. Ich wollte erst schreiben, „wie sehr man die innerliche spirituelle Entwicklung weiterbringt“, aber genauer betrachtet erscheint mir das Humbug. Neulich hatte ich mich ja so gefreut über die Information, daß man sein Level an spiritueller Entwicklung nicht „verlieren“ kann, wenn man stirbt, aber das ist ja in sich ein Blödsinn: Denn sobald wir wieder mit unserem Higher Self verbunden sind, sind wir, ist jede Seele, jedes persönliche Bewußtsein automatisch wieder verbunden mit Allem-was-Ist und hat von daher ungehinderten Zugriff zu sämtlichen Erkenntnissen etc.

Weshalb wir so an dieser Karma-Idee und all den linearen Entwicklungsprozessen festhalten, hängt allein mit unserer dualen Sichtweise zusammen. All dies entfällt, sobald man wieder in der Verbundenheit ist. So wie wir uns schrittweise in ein physisches Leben hineinfokussieren, so gehen wir auch schrittweise wieder ins Nichtphysische – und ich denke, daß die Karma-Idee aus diesem Prozeß herrührt. Zwar sind wir durch den Tod wieder sofort verbunden mit dem Gesamtbewußtsein und haben daher wieder den vollen Überblick. Aber ebenso wie beim Hineinfokussieren in ein physisches Leben dauert der meditative Prozeß an, und die Energien des gelebten Lebens, all der Ereignisse, lösen sich nur schrittweise auf in diesem Prozeß, werden betrachtet und anerkannt und damit integriert ins Große+Ganze. Es ist der persönliche Anteil an diesem Prozeß, der sich nach und nach wieder in die Gegebenheiten der nichtphysischen Existenz hineinfindet. So wie wir uns als Babys und Kinder langsam an eine physische Existenz gewöhnen, ist es dann auch umgekehrt und das persönliche Bewußtsein braucht einen Moment, um wieder den Fokus umzustellen und all das Gelebte zu integrieren, es loszulassen. Das geht in der Regel recht schnell vonstatten, denn im Nichtphysischen sind wir ja grundlegend wieder mit der Energie des Gesamtbewußtseins verbunden.

Betrachten wir diesen Prozeß jedoch aus dem Fokus des physischen 3D-Lebens, so erhält man den Eindruck, als durchlebte man das gesamte physische Leben noch einmal in einer Art Rückschau. Und weil wir in 3D so besessen sind von linearen Entwicklungen sowie von Schuld, Strafen und Bewertungen, können wir uns einfach nicht vorstellen, daß dieses „Zurückfokussieren“ lediglich der Angleichung der Schwingungen dient. Da wir besessen sind von unserer physischen Welt und all den Ereignissen, wird dieser Prozeß als eine Art „Rückschau“, Interpretation und Bewertung interpretiert. Unser gesamtes Denken, das sich auf Kausalitäten gründet, tut dann ein übriges und setzt diesen Vorgang in Beziehung zu dem, was wir in 3D kennen.

Fremdbestimmt_SNIP-2_geraltAufgrund dieser Betrachtungsweise kommen wir auch von den Bestrafungen einfach nicht los. Weil in der Regel ein physisches Leben auch zumeist als anstrengend oder „leidvoll“ erlebt wird, glauben wir schlußendlich, ein physisches Leben sei eine Strafe; und deshalb führt allein die Tatsache, daß ich mich in einem physischen Leben finde, zu der Frage, was ich denn „angestellt“ hätte, um diese „leidvolle physische Erfahrung“ machen zu müssen. Da wir zudem linear denken, kommen wir zwangsläufig zu dem Schluß, wir hätten uns in unserem vorigen Leben in manchen Belangen nicht ganz korrekt verhalten und müßten an diesen oder jenen Eigenschaften „arbeiten“, um den „Makel“ auszugleichen. Nichts ist ferner von der Wahrheit. Doch in unserer beschränkten 3D-Perspektive ist es uns garnicht möglich, all jene nichtphysischen Prozesse auf andere Weise zu betrachten.

Unser physisches Projekt ist sehr anspruchsvoll, denn es ist nicht so einfach, ein Szenario zu kreieren, das die Illusion erweckt, man sei getrennt von allem anderen, und vor allem: getrennt vom Gesamtbewußtsein, von dessen Energie doch jedes Wesen unaufhörlich durchströmt wird und unsere Existenz – ob physisch oder nichtphysisch – erst hervorbringt. Um die Illusion eines Getrenntseins zu erwecken, entwickeln wir mit Hilfe von physischer und psychologischer Gewalt unsere Zweitpersönlichkeit, welche schlußendlich dem Glauben unterliegt, sie sei irgendwie „eigenständig“ und vor allem getrennt von allem anderen. In dieser künstlich erzeugten Persönlichkeitsstruktur sind all unsere Glaubenssätze über die Welt, das Leben, das Universum enthalten. Wir nähren sie ständig durch unsere angstbasierten Gedanken und Erwartungen. Haben wir erst einmal unsere Ratio entwickelt, wird der Prozeß des Eindrucks getrennt zu sein ein Selbstläufer und verfestigt sich automatisch, indem wir all die Glaubenssätze und Ansichten über unser als real empfundenes Illusions-Szenario stets im Geiste wiederholen. Der unaufhörliche Dialog in unserem Kopf bestimmt dann unsere Wahrnehmung und gaukelt uns vor, dieses Gedankengestrüpp sei unser Leben. Je älter wir werden, desto intensiver verbinden wir uns mit unseren Kopfgedanken, wodurch das Gefühl erzeugt wird, die Gedanken über mich und die Welt seien die Person, für die ich mich halte.

Erst wenn wir sterben oder spirituell aufwachen, wird die Zweitpersönlichkeit, das Gedankenkonstrukt, für welches wir uns halten und uns die Welt als ein Getrenntes erleben läßt, zerschlagen. Erst dann wird der Blick wieder frei von sämtlichen Konstrukten und wir sind wieder verbunden. Solange wir jedoch durch die Augen der Zweitpersönlichkeit unsere Welt und unser Erleben betrachten, haben wir keine andere Möglichkeit, als alles, was wir erleben, durch diese künstliche Brille zu interpretieren. Aus diesem Grund geraten sämtliche Annahmen über „ein Leben nach dem Tod“ zu einem Konstrukt, das durch diese Gewohnheitsbrille gefiltert wurde und entsprechend unseren linearen Konzepten ausgedeutet wird. Alles, was wir erfahren oder erleben wird in dieses Korsett gepreßt. Etwas anderes ist uns zumeist nicht möglich, denn alles, was nicht in das erlernte Konzept der Zweitpersönlichkeit paßt, bedroht diese und damit unser Identifikationsgefühl. Dies ist mit ein Grund, weshalb wir so schlottern vor dem sogenannten Unbekannten: Es paßt nicht in unser erlerntes Konzept und bedroht daher die Identität, für die wir uns halten.

Wenn wir anfangen, unsere Zweitpersönlichkeit zu untersuchen oder zu hinterfragen, geraten wir unweigerlich in all die Fallstricke, die mit dem Kausalitätsdenken verknüpft sind und können uns nicht wirklich lösen von der Zweitpersönlichkeit – ähnlich als seien wir in ein riesiges Wollknäuel eingewoben: Wenn wir an einem Faden ziehen, lösen sich einige andere, aber wieder andere ziehen sich zu. Um uns wahrhaft von den Prämissen der Zweitpersönlichkeit lösen zu können ist es daher von Vorteil, stets einen Schritt ins Unbekannte zu wagen und uns hierdurch einen gänzlich anderen Erfahrungs- und Denkraum zu erschließen. Erst durch diese neuen Erfahrungen können wir erkennen, daß unser Ich eben nicht die Zweitpersönlichkeit ist. Wir stärken solcherart mutig unser Lebensgefühl, das Empfinden unserer Existenz, stärken damit das Band zu unserem Higher Self und unseren nichtphysischen Aspekten, aus denen jegliche Existenz überhaupt hervorgeht. Und erst mit der Verbindung und dem Erkennen unserer nichtphysischen Anteile erlangen wir Kenntnis von dem viel größeren Zusammenhang, in den wir eingebettet sind.

(Spax  19.1.17)

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