Identitätsbremse

20. Januar 2017 at 19:31

Fluss-Steinmännchen_SNIP_RiedelmeierIch kann alles sein, was ich mir vorstellen kann, denn alles ist in mir. Aber das Unbekannte enthält eigentlich keine Vorstellung, oder? Stimmt: alles, was wir als „Fließen“ erleben resultiert aus dem Verbundensein mit dem Nichtphysischen, aus der Energie von Allem-was-Ist. Wenn′s nicht fließt, sind wir mehr auf unsere Zweitpersönlichkeit fokussiert bzw. mit ihr identifiziert und das bedeutet: Wir setzen dem Fluß einen Widerstand entgegen. Die gesamte Zweitpersönlichkeit gründet sich auf Angst; hierzu gehören jede Sorge, jeder Zweifel, jede Furcht, all unseren rationalen Gedanken usw. Solange wir uns mit der Zweitpersönlichkeit identifizieren, generieren wir Vorstellungen und Szenarien, wie wir uns unser Leben netter vorstellen. Doch ebendiese Vorstellungen gründen sich genauso auf Angst, denn sie zeigen, daß ich mit meinem Leben oder bestimmten Teilen daraus, nicht zufrieden bin, sie nicht akzeptiere. Der Urgrund unserer Vorstellung ist folglich ebenfalls angstbasiert.

Mit all diesen Vorstellungen möchten wir Kontrolle ausüben über Ereignisse oder Umstände unseres Lebens. Erst wenn wir diese Art der Kontrolle und damit unsere spezifischen Erwartungen aufgeben, können wir überhaupt wieder in ein Fließen geraten. Damit das geschehen kann, müssen wir unsere Identifikation aufgeben, die Identifikation mit unserer angstbesetzten Zweitpersönlichkeit. Doch genau das ist das Problem: denn da ich mich ja für diese Zweitpersönlichkeit halte und sie meine Ich-Identifikation beinhaltet, glaube ich, ich würde mich aufgeben und mein Leben an den Nagel hängen, würde nicht mehr „Ich“ sein, sobald ich die Kontrolle aufgebe.

Preisfrage: Wie kann ich mich nicht als Ich empfinden, als Identität? Und wie kann ich ohne Gedanken sein, die mich doch unaufhörlich heimsuchen, selbst wenn ich garnicht an etwas spezifisches denke? All dies verlagert sich in der Verbundenheit auf das Spüren und eine Art „inneres Schauen“. Wenn ich in einem Zustand der Verbundenheit bin, kann ich mich über das Spüren mit allem verbinden, was ich wahrnehme. Und indem ich dann mit einer Sache/Person/Situation verbunden bin, spüre ich automatisch den hierin liegenden Ausdruck, denn die Verbindung ist nicht getrübt durch Annahmen, Vorurteile, Bewertungen etc. Daher kann ich direkt spüren, was ein anderes Wesen empfindet oder erlebt. Und weil ich dann diese Dinge über meine spürende Wahrnehmung empfinden kann, weiß ich, daß sie gleichfalls ein Teil sind von mir selbst, denn sonst könnte ich sie nicht wahrnehmen. Jeder ist jederzeit Alles-was-Ist, das sich ausdrückt in dieser Verbundenheit. Das kann man nicht denken, sondern nur fühlen. Ausschließlich unsere Zweitpersönlichkeit lebt in einer Vorstellung des Getrenntseins. Nur in der Verbundenheit ist Erkenntnis, ist Wissen…

(Spax  20.1.17)

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