Fokus halten

27. März 2015 at 01:19

Geld_Grafik-Rahmen_SNIPPINGIch brin­ge ja nicht­ein­mal die Kraft oder den Wil­len auf, je­den Tag mei­nen Fo­kus er­neut aus­zu­rich­ten. Und je­den Tag zum Bei­spiel ei­ni­ge Mi­nu­ten mich po­si­tiv auf die Geld­fra­ge ein­zu­stel­len. Und dadurch das Geld zu stei­gern und zu stei­gern und zu stei­gern. Aber nein, ich las­se mit mei­nem Fo­kus hier­auf und mei­nen in­ne­ren Übun­gen nach, so­bald ich ein we­nig Geld an­ge­zo­gen ha­be. Und dann ver­fal­le ich so­fort wie­der in mei­ne ur­al­te Sor­ge, die ich mein ge­sam­tes Le­ben schon im­mer mit mir her­um­schlep­pe. Wie doof ist das denn?! Aber ich ler­ne et­was hieraus: Man darf nicht nach­las­sen in sei­nem Fo­kus, in sei­nem Wol­len, son­dern muß es so re­gelmäßig und in­ten­siv üben, bis das Gewünsch­te zur neu­en Grund­hal­tung wird und das Al­te über­la­gert.

Was ich je­weils tu′, wenn ich ein we­nig Geld er­hal­ten ha­be, dann leh­ne ich mich in­ner­lich zurück und den­ke mir „Ah, so läuft das! Es läuft schon“. Und da­mit las­se ich den in­ne­ren Geld-Fo­kus, den ich zu­vor auf­ge­baut hat­te, wie­der fal­len. So ver­fal­le ich wie­der in mei­ne pas­si­ve Er­war­tungs­hal­tung, die als Grund­la­ge of­fen­bar die An­sicht pflegt, daß ir­gend­ein Schick­sal sei­nen Stab über mir schwingt und mich nun wei­ter­hin mit Geld seg­nen würde. Ha­ha, das ist ja echt lus­tig! Ich er­zeu­ge al­so ab­sicht­lich und ste­tig ei­ne Schwin­gung, mit der ich dann auch Geld an­zie­he und glau­be al­len Erns­tes, daß sich das auf­recht­erhält, wenn ich die­sen er­zeug­ten Fo­kus und die neue Schwin­gung wie­der auf­ge­be. Wie bit­te kom­me ich auf die­se ab­ge­dreh­te Idee? Im­mer will ich mich fal­len­las­sen in je­nen war­men Strom und mich trei­ben las­sen, schwel­gen in Fülle-Gefühlen. Doch of­fen­bar ist die­se Art des Schwel­gens nicht gar so zu­träglich, wie ich ver­mu­tet ha­be. Oder je­den­falls läßt die­se Hal­tung mei­ne ne­ga­ti­ven Glau­benssätze bezüglich Geld oder Ar­beit so­fort wie­der stärker her­vor­tre­ten.

Es ist viel viel schwie­ri­ger ge­gen all die er­lern­ten und teil­wei­se auch tief ver­gra­be­nen Glau­benssätze di­rekt an­zu­ge­hen als ei­ne neue Schwin­gung zu er­zeu­gen, wel­che die al­te über­la­gert. Ich den­ke, das ist ins­ge­samt das Ir­ri­tie­ren­de dar­an: daß man mit der künst­lich neu ge­schaf­fe­nen Schwin­gung sich vor­kommt wie ein Schar­la­tan und das Gefühl hat „Das bin ich doch gar­nicht, nicht wirk­lich“, denn das, was wir als un­se­re „wah­re Persönlich­keit“ emp­fin­den, sind ja ge­nau all die er­lern­ten Glau­benssätze, die uns in ei­ne be­stimm­te – meist ne­ga­tiv aus­ge­rich­te­te – Struk­tur pres­sen. Die­ses Emp­fin­den ist so stark, daß wir die­sen Klum­pen zu­sam­men­ge­ball­ter Glau­benssätze tatsächlich als un­se­re Persönlich­keit emp­fin­den, denn um die­sen Kern her­um ge­stal­ten wir un­ser ge­sam­tes Le­ben. Denn wir hal­ten un­se­re Glau­benssätze für Kern­wahr­hei­ten. Und wenn ich jetzt ab­sicht­lich einen neu­en Glau­bens­satz oder ei­ne neue Schwin­gung über die­se Ku­gel le­ge und sie so­zu­sa­gen künst­lich mit ei­ner Art „Zucker­guß“ über­zie­he, so daß sie nun für einen Mo­ment in ei­ner an­de­ren Fre­quenz strahlt, fühlt sich das natürlich erst­mal to­tal fremd­ar­tig an, denn das Neue hat die­se „Kern­ku­gel“ nur für einen Mo­ment über­zo­gen, aber längst noch nicht wirk­lich durch­drun­gen.

Wenn wir aber wis­sen, daß wir all un­se­re Glau­benssätze und das, was wir so ve­he­ment als „un­se­re Persönlich­keit“ ver­tei­di­gen, ge­nau­so künst­lich er­zeugt ha­ben – und zwar über vie­le vie­le schmerz­haf­te Jah­re hin­weg –, dann über­rascht es doch sehr, daß ich dem Glau­ben un­ter­lie­ge, nach ein paar Ta­gen Übung hätte ich ei­ne so tief­grei­fen­de in­ne­re Wand­lung voll­bracht, daß ich mei­nen Fo­kus vom „Füttern der neu­en Schwin­gung“ ab­zie­hen könn­te. Da­mit aber nicht bloß die Ober­fläche des Bal­les für ei­ne kur­ze Wei­le über­zo­gen wird, son­dern die­sen Ball auch durch­drin­gen und so­mit trans­for­mie­ren kann im Kern, muß ich den neu­en Fo­kus bei­be­hal­ten.

So­bald ich al­so bei ei­nem Mi­ni-Er­folg mei­ne Übun­gen nicht mehr ma­che, ver­flüchtigt sich die neue Schwin­gung wie ein Hauch, da die al­te Schwin­gung so viel mehr Ge­wicht hat. Die neue Schwin­gung wird sich dau­er­haft erst durch­set­zen, wenn sie mir eben­so in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen ist, wie vor­mals die al­te – wenn ich nicht mehr darüber nach­den­ke, daß ich Übun­gen ma­chen muß, um ei­ne neue Schwin­gung zu ver­an­kern und mir die gewünsch­te Hal­tung zur Ge­wohn­heit wird. Erst dann kann sich die al­te Schwin­gung trans­for­mie­ren und zu dem Neu­en wer­den.

So­lan­ge ich hier sit­ze und täglich in mei­nem (All­tags)Be­wußtsein ha­be, daß ich ar­bei­ten ge­hen müßte oder Bet­tel­brie­fe schrei­ben, und al­les täglich durch­tränkt ist von der Sor­ge nach der nächs­ten Miet­zah­lung, wer­de ich kei­nen Zen­ti­me­ter wei­ter­kom­men. Wenn ich dau­er­haft in die­sem Punkt et­was ändern will, muß ich dau­er­haft mich auf das Neue fo­kus­sie­ren, nicht auf das Al­te. Ich muß dau­er­haft den neu­en Fo­kus auf­recht­er­hal­ten, wie soll­te er sich sonst fes­ti­gen? Und Geld ist nur ein the­ma­ti­scher Spiel­ball, ge­nau wie al­les an­de­re auch!

(Spax 27.3.15)

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