Erkenntnisse des Aufwachens

13. Februar 2017 at 22:16

Allein_silhouette-67202_geralt1Die erste Erkenntnis des Aufwachens ist: Ich bin allein – eben weil ich nun allem Bekannten enthoben und entwurzelt bin.

Die zweite Erkenntnis ist: Ich bin niemals allein – denn in der Verbundenheit und Verbindung mit Allem-was-Ist erkenne ich, daß ich jederzeit mit Allem verbunden bin und erhalte beispielsweise Hilfe von Lehrern, die den Weg bereits gegangen sind (egal ob über Bücher wie z.B. von Castaneda oder durch Channelings oder die Verbindung mit „Begleitern“ etc.).

Die dritte – und letzte? – Erkenntnis ist: Ich bin immer und überall allein – denn ich erkenne, daß jegliche Ausdrucksform, die ich wahrnehme oder wahrnehmen kann, direkt ein Ausdruck meiner selbst ist; ich habe dies alles selbst geschaffen und ins Leben gerufen, denn ich bin im Kern Bewußtsein, so wie alles, was ich je wahrnehmen kann.

Es ist schlußendlich diese dritte Erkenntnis, die einen verzweifeln läßt. Denn weder kann man dieser Welt „entfliehen“ noch irgendeiner anderen oder anderen Zusammenhängen, denn im Urgrund erschaffe ich dennoch alles aus meinem eigenen Bewußtsein heraus. Die Sinnfrage stellt sich, an der man sich bis in alle Ewigkeiten die Zähne ausbeißt, denn nirgendwo ist einer zu finden; nur die Existenz, immer nur die Existenz. Ich bin geschaffen, so wie alles andere geschaffen ist: durch meinen Fokus des Bewußtseins, aus den Augen des Bewußtseins, die gleichzeitig in alle Richtungen blicken. Und so sehen und erschaffen wir auf diese Weise die Wahrnehmung von dem, was wir als „Ich“ bezeichnen. Daher ist auch der Blick der Anderen nichts anderes als mein eigener, denn es sind die Augen des Bewußtseins, und daher meine eigenen.

Wirkliche Freiheit gibt es daher tatsächlich allein im Sich-ausdrücken, im „gedanken-losen“ Sein, welches die eigene Existenz nicht in Frage stellt, sondern auslebt. „Hör auf ein Jemand zu sein“, sagt Sylvester,2 denn du bist bereits: Alles, was Ist!

Daher ist man, auch wenn man aufgewacht ist, irgendwann mit genau derselben Aufgabe konfrontiert wie vor dem Aufwachen: alles Bekannte und sämtliche Annahmen über diese oder jene Welt loszulassen, das trügerische Gefühl der Verbundenheit mit anderen Wesen zu zerschlagen – denn sie sind, so wie ich selbst, mein eigener Ausdruck des Bewußtseins. Solange ich glaube, Hilfe zu benötigen, bin ich nicht frei und unterliege der Illusion, es bedürfe „weiterentwickelter“ Wesen, um mir weitere Erkenntnisse zu beschaffen. Doch alle möglichen Wesenheiten sind genau wie ich: Ausdruck des Bewußtseins. Wenn wir nicht andauernd die Annahme unterhalten und nähren würden, wir seien getrennt von allem anderen und Bewußtsein habe „geringere“ oder „höhere“ Stufen der Erkenntnis, so könnten wir uns direkt mit dem Ausdruck unseres Seins verbinden, womit wir zeitgleich mit allem Sein verbunden wären, und keine Frage bliebe offen. Wahrlich: Mit Zähnen, Klauen und allem, was uns zur Verfügung steht, krallen wir uns an alles, was wir bereits kennen, bloß um dem euphorischen Reiz des Sprunges ins „Nichts“, ins Unbekannte, zu entkommen – ganz gleich auf welcher Spiri-Ebene.

Wie schwer es doch ist, die Ich-Identität aufzugeben. Und die Frage bleibt: Ist das überhaupt möglich? Denn durch die Existenz habe ich doch automatisch ein Ich-Empfinden. Und weil Existenz grundsätzlich ewig ist, bliebe dieser Teil immer erhalten.

Vermutlich fassen wir den Existenz-Begriff zu eng, teilen ihn auf in verschiedene Wesenheiten oder Dinge, die man sein kann oder sein könnte. Doch alles ist stets durchflutet von demselben Bewußtseinsstrom. Existenz ist nicht ein bestimmtes „Ich“ oder Ding, sondern ein Gefühl, ein Empfinden der Offenheit, der Empfängnis des Lebensstroms, wie er frei durch mich wie durch sämtliche Partikel aller Welten hindurchfließt. Das ist Freiheit – die Verbundenheit mit dem Strom der Lebenskraft, genährt vom Bewußtsein. Erst in diesem Strom hört das reflektive Denken auf, das Anhaften an irgendetwas. Erst in diesem Strom sind wir wirklich frei und drücken aus, was durch uns hindurchströmt: Lebenskraft der Existenz. Hier hört man auf, ein „Jemand“ zu sein, ist stets in einem Verbundenheitsgefühl, weil man das Bewußtsein ist, welches man ausdrückt.

Dies wäre daher die vierte und womöglich letzte Erkenntnis: Ich bin immer frei in Verbundenheit mit Allem-was-Ist – die Verbundenheit nicht durch oder mit einem Anderen, von mir scheinbar Getrennten, sondern Verbundenheit mit dem Lebensstrom des Bewußtseins. In jeder Sekunde neu, in jedem Ausdruck Alles-was-Ist, zeitgleich und ewig.

(Spax  13.2.17)

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Fußnoten

  1. Dieser Beitrag ist ein Auszug aus verschiedene Welten.
  2. Sylvester ist eine durch Roxie gechannelte Wesenheit: Ocyphius | Sylvester ~ Identities of Limitation