Die Psyche der Kultur

25. Mai 2016 at 23:29

Armreif-Ägypten_SNIP_1917c_eigene AufnahmeDas alte Ägypten… Muß man die Menschheitsgeschichte kennen, um deren psychologische Entwicklung zu verstehen? In gewisser Weise schon. Es ist wie beim Persönlichen: Man kann erst erkennen, wer man ist, wenn man sich selbst „durchdrungen“ hat. Erst wenn man alle Puzzleteilchen vor sich liegen hat, kann man sie auch zu einem Ganzen fügen. Doch es ist ein ewig sich erweiterndes Bild: Hat man einen Aspekt zusammengefügt, erkennt man, daß es noch weitere Bereiche gibt, die hier andocken – und so geht es weiter und weiter. Je mehr wir begreifen von den inneren Zusammenhängen, desto größer wird das Bild; wie ein unendliches Netz, das sich in die Ewigkeit aufspannt, in dem Alles mit Allem verknüpft ist. Einzelne Aspekte sind wie die Zwischenräume in diesem Netz, die man ausfüllt mit den je eigenen Lebensbildern.

Vor der „Barbarei“ hat es bereits hoch entwickelte Kulturen gegeben; allein in unserem aktuellen Kenntnisbereich sind es sehr viele: die Maya, Azteken, Griechen, Römer, Ägypten und unzählige weitere. Sowie Kulturen anderer Art, die weniger auf Prunk und Königsmacht gründeten, sondern wo der Schwerpunkt mehr auf dem Zusammenleben lag und liegt: indianische Kulturen, heidnische Kulturen, in denen die Menschen weniger in einer Hierarchie aufgestellt waren, sondern eher in einer gesellschaftlichen Gleichrangigkeit.

Doch generell kann man glaube ich sagen, daß vor Jahrtausenden die Welt und ihre Kulturen weitaus magischere Elemente beinhalteten. Heute sind wir am Ende des anderen Extrems angelangt: der Nüchternheit einer Ratio, die uns vorgaukelt, alles sei erklärbar; eine Weltanschauung, die sich einzig auf Äußeres gründet und die inneren Prozesse negiert, welche doch diese Welt erst hervorbringen. Daher folgere ich, es ist wohl gleichermaßen unser Anliegen, auch diese nüchterne Art der psychologischen Entwicklung oder Ausrichtung des Geistes zu verstehen. Über das Ausleben dieses psychologischen Ansatzes können wir die Auswirkungen erkennen, und wenn wir nach Innen gehen, die Zusammenhänge verstehen lernen.

Alle Welten, alle Zivilisationen, sind Spielwiesen der Möglichkeiten des Geistes. Es werden Modelle entworfen im kollektiven Geist (z.B. im Vorgeburtlichen) und dann in die Tat umgesetzt (in 3D zum Beispiel). Auf diese Weise probieren wir aus, welche Ideen welche Ergebnisse hervorbringen. Die unendliche Vielfalt der Möglichkeiten bereichert unseren Geist. Weniger geht es insgesamt darum, die „Physis zu durchdringen“ oder in Einzelteile aufzuspalten – wobei dies unbestreitbar ebenfalls seinen Reiz und seine Berechtigung hat –, als vielmehr darum, den psychologischen Zusammenhalt zu ergründen; letztlich zu erkennen, auf welche Weise alles zusammenhängt, wie wir selbst, jeder einzelne, die eigene Welt erschafft mit allem, was sich darin befindet.

(Spax  25.5.16)

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