Die Grenze meines Denkens

9. Juli 2015 at 03:30

Wolken-4_SNIPWas machen meine Gedanken oder Ge­dan­ken­pro­zes­se, wenn sie schweigen und mir nicht ständig erklären, was was ist oder wie etwas zu sein hätte? Wie kann ich Erklärungen erhalten oder Erkenntnisse, wenn ich meine Handlungen oder meine Wahrnehmung nicht mehr beurteile?

Für mich kann ich es nur wie folgt beschreiben: Ich gehe mit meiner inneren Wahrnehmung, mit meinem inneren Empfinden an den „Rand meiner Wahrnehmung“, oft geleitet von einer Frage, die auftaucht, z.B. wie neulich: „Wo kommen die Gedanken her?“ Ich beginne, die Frage zunächst mit meinen rationalen Mitteln zu erörtern vor dem Hintergrund dessen, was ich bereits weiß und erkannt habe. Es dauert nicht lang und ich gerate an eine Grenze, an der ich die jeweilige Frage rational nicht weiter verfolgen kann, ohne daß mein Denken anfängt, sich im Kreis zu drehen. An diesem Punkt schalte ich sozusagen in meine „Traumsicht“ um, in eine Art Tagträumen, wobei ich aus dem Fenster schaue oder mir einen Kaffee koche und das Gefühl des Nichtweiterkommens in mich „hineinfallen“ lasse – quasi als neue Frage, z.B.: Warum ist das so? Und während ich am Himmel dem Ziehen der Wolken nachschaue oder den Vöglein lausche und zeitgleich jene „Grenzfrage“ innerlich „in der Schwebe“ halte, sortieren sich alle zugehörigen Aspekte neu und präsentieren mir einen neuen Denkfaden.

Dieser neue Denkfaden entsteht allerdings nicht in meinem Kopf und Hirn, denn dieses habe ich ja ins Träumen geschickt; der neue Denkfaden steigt vom Empfinden her aus meinem Bauch auf. Es fühlt sich für mich an wie eine „Blase“, einem Luftballon ähnlich, worin sich dann ein ganzer Komplex neuer Einsichten zum Thema befindet. Es sind dies keine Worte für mich, sondern eine Art Empfindung, die ich dann in Worte übersetze. Anhand dieses Fadens, an dem ich mich entlang hangele, kann ich die gesamte Blase leerfischen. Wie bei einem Wollknäuel verwinden sich manche Gedankengänge, führen in unterschiedliche Richtungen und manchmal treten viele solcher Fäden oder Pfade zeitgleich auf. Als Ergebnis erhalte ich dann eine neue Sichtweise einer Fragestellung, die ich mir vielleicht öfter gestellt habe, wobei häufig neue Bilder oder Teilaspekte deutlich werden oder manchmal sich nur anderer Worte bedienen.

Solch ein „Grenzthema“ wird oft über Wochen und Monate, vielleicht auch Jahre behandelt; doch irgendwann „platzt der Knoten“ und ich bin in der Lage, das gesamte hiermit verknüpfte Thema zu durchdringen und weiß plötzlich, das heißt: Ich kann diese Frage beantworten. Dies ist immer ein inneres Erleben, genau wie das Empfinden eines Aha-Erlebnisses. Dies sind ganz wundervolle Augenblicke, denn nun hat sich die Frage, auf der ich innerlich so lange herumgekaut habe, „verinnerlicht“, ich habe sie durchdrungen und begriffen.

Dieses Gefühl ist deshalb so großartig, weil damit das Empfinden einhergeht, diese Grenze, an die ich mit meinem Denken die ganze Zeit gestoßen war, löse sich nun auf und ein weiterer neuer Raum erstreckt sich hierdurch in der Wahrnehmung – grad so als würde man die ganze Zeit durch eine Ortschaft mit zahlreichen Straßen fahren, mit Häusern, die einem die Sicht versperren und plötzlich ist man heraus aus der Ortschaft und hat einen freien Blick über eine weite neue Landschaft – durch die man so lange fährt, bis eine neue Ortschaft auftaucht mit neuen spannenden „Grenzfragen“.

(Spax 9.7.15)

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