Das Korrekturauge

26. Juni 2015 at 03:20

Augen_SNIPDas ist ein we­nig lästig, daß nun, wo ich mei­nen Blog ha­be, be­reits beim Schrei­ben ein Teil mei­nes Denk­ap­pa­ra­tes da­mit be­faßt ist, die For­mu­lie­run­gen mit sei­nem Kor­rek­tur-Au­ge zu be­trach­ten, da­mit ich mir ge­ge­be­nen­falls Kor­rek­tur­zeit er­spa­re. Doch das be­hin­dert mei­nen Ge­dan­ken- und Schreib­fluß.

Es ist egal, ich ma­che so­wie­so min­des­tens zwei Kor­rek­turgänge, dar­an kom­me ich nicht vor­bei. Ich weiß nur, daß es mich manch­mal nervt, wenn mein Ge­schrie­be­nes all­zu­sehr zerstückelt ist in ver­schie­de­ne Ge­dan­kengänge. Doch eben­dies ist ge­nau nicht die Auf­ga­be der Mor­gen­sei­ten: be­reits fer­ti­ge Tex­te zu pro­du­zie­ren. Die­se Auf­ga­be ist und bleibt ei­ne Auf­ga­be mei­nes Ta­ges­be­wußtseins. Es ist le­dig­lich vor­teil­haft, wenn ich mei­ne Tex­te zeit­nah be­ar­bei­te; so wie ich fest­ge­stellt ha­be, daß ich Kor­rek­tu­ren gleich übert­ra­gen muß, sonst muß ich mich er­neut in die Text­struk­tur hin­ein­den­ken und das ist dann dop­pel­te Ar­beit. Da­her: Es ist und bleibt Auf­ga­be mei­nes Ta­ges­be­wußtseins, die­se nachträgli­che Ar­beit zu leis­ten. Sie macht mir ja auch Spaß und geht mir leicht von der Hand, wenn ich es in ei­nem Zeit­raum von ei­ner bis viel­leicht vier Wo­chen ma­che, so daß mei­ne ur­sprüng­li­chen Ge­dan­ken, die den je­wei­li­gen Tex­ten zu­grun­de­lie­gen auch für mich J noch nach­voll­zieh­bar sind und ich nicht das Gefühl ha­be, das Ge­schrie­be­ne sei be­reits über­holt, weil ich mitt­ler­wei­le zu den be­spro­che­nen The­men zu wei­te­ren Er­kennt­nis­se ge­langt bin. Manch­mal veröffent­li­che ich sol­che Tex­te trotz­dem – z.B. Tex­te aus früher­en Jah­ren –, weil es in sich den­noch gu­te Ge­dan­kengänge sind.

Hier al­so ein Ent­schluß für mein mit­le­sen­des Kor­rek­tur­au­ge: Du kommst gern auf dei­ne Kos­ten, aber erst nach dem Schrei­ben, erst, wenn ich mich zum Kor­ri­gie­ren hin­set­ze. Und ich weiß, daß du dann ei­ne her­vor­ra­gen­de Ar­beit tust; doch so­lan­ge wie ich schrei­be, bit­te ich dich, an­ders­wo­hin zu schau­en oder ein Nicker­chen zu ma­chen. Denn es kann nicht sein, daß ich während des Schrei­bens durch dei­nen Blick be­hin­dert wer­de, es macht mei­ne Tex­te kei­nes­falls bes­ser, son­dern hin­dert mei­nen frei­en Ge­dan­ken­fluß. Mer­ci. 🙂

(Spax 26.6.15)

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