aktive Balance

8. Januar 2016 at 19:25

Turnerin_SNIPDer Unterschied zwischen den Gurus und all meinen aufgewachten Lehrern ist: erstere sind passiv, die letzteren aktiv. Das ist, was all die Lehrer ihren Schülern austreiben: diese Passivität, die einsetzt, wenn man ein Einheitserleben hatte oder gar aufgewacht ist – das Bedürfnis, darin zu schwelgen (indulging). Das Schwelgen ist ein passiver Zustand; z.B. wie der Derwent,1 der zehn Tage lang sich im seligsten Glück befindet und alle möglichen spirituellen Wahrnehmungen hat. Doch irgendwann fällt er heraus aus diesem beseelten Zustand und schlägt in der Realität auf. Sein Lehrer meint hierzu: „Nur Hochmut, aber keine Furcht.“

Es ist ein innerer Zustand, diese Furcht, die immer beschrieben wird: eine spezielle innere Aufmerksamkeit, die einen Anker hat, eine Verbindung mit dem 3D-Leben. Beim passiven Schwelgezustand läßt man sich nur treiben, man verliert die Aufmerksamkeit für den Alltag, für die eigene Welt.

Von daher kann es garnicht darum gehen, wieder in diesen Einheitszustand hineinfallen zu wollen und es ist gut, daß man herausfällt und mit der Welt und vor allem den eigenen Gedanken wieder konfrontiert wird. Denn um das „zweite Aufwachen“2 zu erlangen, so wie es all die Lehrer haben, muß man sämtliches Wissen auch anwenden bzw. es verkörpern. Es ist dies ein Zustand innerer Balance, den weder das Schwelgen hat, weil die Aktivität fehlt, noch der übliche Aktionismus, den wir normalerweise mit unserem 3D-Leben assoziieren. Diese Balance ist „Passivität durch innere Aufmerksamkeit“ und eine Aktivität, die angestoßen wird von den inneren Impulsen. Ein heikler Punkt, schwierig zu beschreiben und noch schwieriger zu erlangen.

Man muß ihn einüben, diesen Zustand, er kommt von innen heraus. Das große weite Glücksgefühl nach außen dehnen, so, wie die Lehrerin in The Woman of Wyrrd3 es beschreibt: den „Selbstschild“ nach außen „schieben“. Wenn man dies tut, so hat man das Gefühl, in eine Blase gehüllt zu sein, in der man sich stabil fühlt und sicher. Das ist die relevante Grundhaltung. Und dann legt man die innere Aufmerksamkeit auf die Handlungsimpulse, die aus den Tiefen dieser Blase aufsteigen. Dies ist zu spüren im Bauch. Den Impulsen geht man nach, ohne sie anzuzweifeln oder zu hinterfragen. Der Verstand muß lernen, die Kontrolle loszulassen. Denn nur auf diese Weise begibt man sich in Handlungen, die uneigennützig sind und ungetrübt von persönlichem Verlangen – indem man unhinterfragt den Impulsen folgt, obwohl man keine Ahnung hat, was dabei herauskommt oder herauskommen sollte.

Man muß also aufmerksam für diese Impulse sein und ihnen spontan folgen. Setzt das Diskussionshirn ein, hab ich den Impuls zur Handlung bereits verpaßt. Innere Balance – es ist das Thema schlechthin.

(Spax 8.1.16)

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Fußnoten

  1. Douglas Lockhart: Wer den Wind reitet, Kap. 16: „Gefährliche Bedürfnisse“, Rowohlt 1987 [1978], 137 ff.
  2. Das Aufwachen ist für mich eine Vorstufe zum „zweiten Aufwachen“, da in der Regel Jahre der Klärung folgen, diesen Zustand zu begreifen. Während dieser Klärungsjahre geht zwar die Erkenntnis des Aufwachens nicht verloren, jedoch häufig der hunderprozentige Vertrauens-Zustand, den das Eins-sein ausmacht.
  3. Lynn V. Andrews: The Woman of Wyrrd, Harper Perennial 1991 [1990] (engl.).