Abenteuer Schlaf (2)

8. Oktober 2017 at 05:13

Buddha-6-Meditation_SNIP_sciencefreakSchlaf:1 Die Sache mit dem Hinterkopf hängt ggf. auch mit einem Nervengeflecht (?) am unteren Rücken zusammen. Diese beiden Punkte stehen in Verbindung: das untere Ende der Wirbelsäule und der Hinterkopf, dort wo die Mönche ihre Tonsur haben. Diese energetische Verbindung scheint unterschiedlich zu funktionieren, ob sich der Körper in der Waagerechten oder Senkrechten befindet. In der Senkrechten ist unser Tagesbewußtsein prominent aktiv, in der Waagerechten verliert sich das (Schlaf). Zwar können wir „schlaflose Nächte“ haben, doch hierbei ist die Denkaktivität des Tagesbewußtseins überaktiv, die Automatik unserer Denkstruktur kommt hierbei nicht zur Ruhe. Daher werden wir unruhig und fallen in einen Zwischenzustand, der uns unangenehm ist, da wir nicht entspannen können.

Sitze ich aufrecht beim Meditieren und übe, diese Automatik des Denkens auszublenden, zu ignorieren, die Gedanken „ziehen zu lassen“, so wird mir irgendwann die Verbindung zwischen unterer Wirbelsäule und Hinterkopf bewußt: Es gibt bisweilen Augenblicke, in denen ich den Energiefluß zwischen diesen beiden Punkten physisch spüren kann. In der Literatur wird dies häufig bezeichnet als das „Erwachen der Schlange“, die zuvor „zusammengerollt“ an der Basis der Wirbelsäule liege. Auch erhöht sich unsere Schwingung, denn wir sind dann nicht mehr auf die Automatikgedanken unseres Tagesbewußtseins fokussiert. Indem wir unsere Automatikgedanken „ziehen lassen“, wird unser Tagesbewußtsein nun zum Beobachter all jener Dinge, die innerlich passieren, es ist nicht länger eingeschnürt in die Struktur des Automatikdenkens. Zum ersten Mal wird uns bewußt, daß wir eben nicht unsere Gedanken sind, wir müssen uns nicht länger mit ihnen identifizieren.

Da diese energetische Verbindung zwischen der Wirbelsäulenbasis und dem Hinterkopf uns mit Energien verbindet, die nicht ausschließlich auf unseren tagesbewußten Gedanken beruhen, welche unser Leben bestimmen und unsere Ich-Struktur bilden, erhalten wir nun Einblicke in Bereiche, die ansonsten vom Automatikdenken überlagert werden und die wir aufgrunddessen nicht mehr wahrnehmen. Unsere Wahrnehmung mit dem Tagesbewußtsein als Beobachter erweitert sich, und wir haben beispielsweise Visionen oder auch Einblicke, die vollkommen abstrakt sind. Wir erhalten ggf. Kenntnisse, zu denen unsere zwanghaften Automatikgedanken keinen Zugang haben, weil unsere Automatikgedanken lediglich Dinge beinhalten, mit denen ich sie jahrelang gefüttert und überhaupt aufgebaut habe: sämtliche Aussagen, die mein Weltbild abbilden – also quasi alles, was wir denken.

Solange meine Wirbelsäule in der Senkrechten ist, ist offensichtlich in irgendeiner Weise mein Tagesbewußtsein aktiv. Der Trick, sich weitere Bewußtseinsbereiche zu erschließen funktioniert darüber, indem das Tagesbewußtsein zum stillen Beobachter wird und die Hyperaktivität seiner Automatikgedanken, die ansonsten unsere Identifikation bilden, vorübergehend ausgeschaltet wird. Dies ist der Beginn von dem, was wir „luzides Träumen“ nennen.

Wenn wir uns jeweils vorm Schlafengehen den „Befehl“ geben, uns an unsere Träume zu erinnern, so bekunden wir hiermit die Absicht, den inneren Beobachter zu aktivieren. Da der von uns gesetzte Fokus jeweils festlegt, in welche Richtung ich mich bewege und folglich welche Erfahrungen ich mache, trägt diese Absichtsbekundung bald Früchte, wenn ich sie regelmäßig wiederhole.2 Aus diesem Grund können Leute, die schamanische Praktiken ausüben wie das „Doppelträumen“,3 sich auch im Liegen irgendwann mit weiteren Bewußtseinsbereichen verbinden und beispielsweise andere Leben erfahren, weil sie gelernt haben, auch „im Traumzustand“ bewußt zu bleiben. Das Fokussieren funktioniert hierbei auf dieselbe Weise: Wenn jemand, der ein wenig geübt ist, den Wunsch äußert, Einblicke in ein anderes Leben zu erhalten, sich mit dieser Absicht hinlegt und in den luziden Traumzustand überwechselt, weil er/sie das bereits eingeübt hat, so wird der Fokus des Bewußtseins auf ein anderes Leben wechseln, weil die ausgesandte Absicht (Fokus) wie eine Angel funktioniert, an dessen Ende der gewünschte Fisch zappelt.

Schlaf-1_sleep-SNIP_HansDennoch bleibt im Moment die Frage, weshalb wir im Liegen automatisch in den Traumzustand wechseln, ohne daß unser Tagesbewußtsein Kenntnis hat hiervon. All die Übungen, die wir durchführen, um uns dieses Prozesses bewußt zu werden, dienen ja nur dazu, uns den Umstand, daß wir während des Schlafes mit umfassenderen Bewußtseinsbereichen verbunden sind, tages-bewußt zunutze zu machen.

Wir erfahren eine Menge über uns selbst und die Struktur des Bewußtseins, wenn wir uns einen bewußten Zugang zu diesen Bereichen erschließen. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir all diese Informationen aus jenen erweiterten Bereichen nicht erhalten, wenn wir – wie normalerweise üblich – unbewußt in den Schlaf sinken und tagesbewußt unbewußt hieraus wieder auftauchen. Da wir im Schlaf so oder so in den erweiterten Bewußtseinsbereichen unterwegs sind, haben wir, auch wenn wir uns diese nicht über luzides Träumen bewußt machen, sondern „unbewußt“ wieder aufwachen, Kenntnis von Informationen oder auch Erlebnissen, die wir im Schlaf erhalten haben. Nur sind sie uns im Alltagsleben nicht bewußt. Doch können wir diese Informationen durch unsere Intuitionen oder Inspirationen erkennen: Haben wir plötzlich – wie aus dem Nichts – das Bedürfnis, ein Instrument zu lernen, irgendwelche Kurse zu besuchen, eine Reise zu machen? Diese Impulse gelangen über den Traumbereich zu uns, sie fühlen sich immer freudig und gut an. Doch zumeist sind die Impulse subtiler, weil sie mehr mit unseren Tagesabläufen zu tun haben. Häufig nehmen wir sie wahr als „Störfaktoren“ wie beispielsweise den Drang, einen Spaziergang zu machen, uns in Ruhe aufs Sofa zu setzen und ein Buch zu lesen etc. – all jene kleinen wohltuenden Dinge, für die wir nie Zeit zu haben glauben. Es bleibt immer unsere Wahl, ihnen zu folgen und den Impulsen Ausdruck zu verleihen oder nicht. Häufig sind wir skeptisch gegenüber unseren Impulsen, weil wir sie nicht zuordnen können und haben gelernt, sie zu ignorieren. Doch haben sie eine direkte Verbindung mit unseren erweiterten Bewußtseinsbereichen. Daher verbessert sich auch unsere allgemeine Lebenserfahrung, wenn wir lernen, den Impulsen zu vertrauen und ihnen Ausdruck verleihen.4

Ich muß daher schlußfolgern:

(1)  Wenn unser Körper in der Waagerechten liegt, wird energetisch eine direkte Brücke geschlagen, die unser Alltagsleben mit unseren erweiterten Bewußtseinsbereichen verbindet, indem die Automatikgedanken umgangen oder ausgeschaltet werden.

(2)  Solange mein innerer Beobachter noch nicht entwickelt oder aktiviert ist, bleiben mir diese Bereiche jedoch im Tagesbewußtsein unbewußt.

(3)  Unser Tagesbewußtsein „entspannt“ sich und verliert seinen starren Fokus auf die 3D-Welt, sobald wir liegen – es scheint sich zu „verflüchtigen“.

Physisch müßte dieser Prozeß etwas damit zu tun haben, auf welche Weise der Energiefluß zustandekommt oder gelenkt wird. Der Unterschied zum Sitzen/Stehen ist, daß in der Senkrechten der Hinterkopf nicht aufliegt. Vielleicht wird ein energetischer Kanal geöffnet, sobald die beiden Punkte der unteren Wirbelsäule und des Hinterkopfes physischen Kontakt haben. Ist dieser Kanal geöffnet, ist unsere physische Struktur verbunden mit den Energien der umfassenderen Bewußtseinsbereiche. Diese Verbindung besteht zwar immer, doch wird sie offenbar in der Senkrechten durch unser Tagesbewußtsein und dessen Gedankenstruktur überlagert. Das Tagesbewußtsein wird ggf. auf einer physischen Ebene ausgehebelt, wenn durch das Liegen ein Kontakt hergestellt wird.

Das würde bedeuten, daß Energiewellen sich auf der physischen Ebene anders verhalten, wenn ein Objekt im Raum anders ausgerichtet wird. Das ergibt meines Erachtens nicht allzuviel Sinn, denn ein Energiefluß wird grundsätzlich durch eine Absicht (Fokus) in Gang gebracht.5 Hierbei ist es unerheblich, ob ein Objekt steht, liegt, fliegt usw. Ich habe hierzu zwei Ideen: Entweder ist im Hintergrund ein „unbewußter“ Fokus aktiv, der z.B. besagt, daß unser Körper, wenn er liegt sich einem anderen Energiekreislauf anschließt als wenn er aufrecht ist. Oder es hat etwas zu tun mit der physischen Ausrichtung unseres Gehirns, wobei im Liegen andere Bereiche angetriggert werden als in aufrechter Position. Beides erscheint mir im Moment recht vage. Ich werde weiter darüber „nachdenken“… 🙂  Es scheint sich jedoch um einen physischen Vorgang zu handeln, den wir genausowenig bewußt wahrnehmen wie z.B. unsere Verdauung, den Entgiftungsprozeß der Leber usw. usf.

(Spax  8.10.17)

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Fußnoten

  1. Es geht in diesem Beitrag um die Frage, auf welche Weise wir im Schlaf unser Bewußtsein benutzen und vor allem, was der physische Mechanismus hierfür ist. Siehe hierzu auch den Beitrag Abenteuer Schlaf (1) vom 4.10.17 sowie Ruf der Matratze vom 25.6.14.
  2. Dieser Beitrag ist noch in Bearbeitung…
  3. „Doppelträumen“: Eine erweiterte Funktion des „luziden Träumens“ mit bewußtseinstechnisch größerer Reichweite. Ein äußerst anschauliches und lebendiges Beispiel bietet das Buch von Lynn Andrews: The Woman of Wyrrd (1990).
  4. Siehe z.B. den Beitrag Vogelgedanken vom 8.5.15.
  5. Siehe z.B. den Beitrag Energiestrom des Bewußtseins vom 29.5.16.